96 Stunden an der türkischen-bulgarischen Grenze warten und alt werden

Die Zeichen stehen eigentlich für die türkischen Exporteure nicht schlecht, zumal die Pandemie viele von China als Lieferanten weggebracht hat. Da ist die Türkei einer der stärksten Alternativen. Die Türkei aber kämpf mit eigenen Unwägbarkeiten. Der starke Wertverlust der türkischen Lira sollte zwar die türkischen Produkte auf den Weltmärkten noch interessanter gemacht haben, jedoch ist das nur in der Theorie der Fall. Die in der Türkei produzierten Produkte haben einen zu hohen Importanteil, was wiederum mit teuren Devisen importiert werden muss. Egal, vor den Toren der EU, dann in Devisen gerechnet, immer niedriger werdenden Gehälter der Arbeitnehmerschaft, macht die Türkei lukrativer als bisher, was die zwar langsam, aber doch steigenden Exporte einiger Sparten beweisen.

Schon kommt das nächste Problem.

Wie der Dachverband der Logistiker mitteilt, dauert es zu bis zu 96 Stunden, bis die türkischen Produkte an der Grenze zu Bulgarien, die Türkei verlassen.

Wenn ich die Türkei anpreise und die Vorteile herausstelle, erwähne ich zumeist, dass innerhalb von 48 Stunden, die Waren ab Werk den Besteller in Europa erreichen. Zuerst dachte ich, wie so oft, dass die Schwierigkeiten von der bulgarischen Seite her den Ursprung haben, aber die Beteiligten sagen, dass zum einen nur zwei Grenzübergänge nach Bulgarien zu wenig sind und an diesen Übergängen, die Bedingungen auf der türkischen Seite, die LKW’s schnell abzufertigen, nicht ausreichend ist. Die Pfeile zeigen Richtung Ankara, die jetzt schnell für eine Lösung sorgen sollte, damit die Türkei den durch die Pandemie begünstigte Sonderstellung als Lieferant vor den Toren der EU nicht verliert. Letztes Jahr gingen Waren im Wert von 41 Milliarden USD per LKW Richtung EU, hauptsächlich nach Deutschland. Das sind 45% der türkischen Exporte in die EU, die auf dem Landwege transportiert werden.

Während ein LKW an der türkisch-bulgarischen Grenze auf Abfertigung wartet, ist ein PKW in der Hälfte der Zeit schon längst am Zielort.

Übrigens! Schon immer machte es mich wütend, warum den Exporteuren die Türkei so viele Formalien bei den Exporten auferlegt. Genau wie bei den Importen, benötigt man einen Zollagenten, wenn man waren exportieren möchte. Wo ist das Problem, wenn doch der Besteller diese Ware schon gekauft hat und bei sich im Lager sehen möchte. Was muss sich da der türkische Staat noch einmischen und alles verkomplizieren. Das ist aber nichts, was die Ära Erdogan betrifft, denn das war schon immer so.

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