Aserbaidschan-Armenien Konflikt: Wie man durch kriegerischen Sprüche ‘gefühlt’ satt wird und die eigenen Sorgen vergisst

Das Gerede um Krieg (Aserbaidschan-Armenien Konflikt) scheint die türkische Bevölkerung derzeit mehrheitlich über die eigenen Nöte hinwegzutrösten und ‚gefühlt‘ die Mägen zu füllen. Sogar Menschen die ich für gescheit hielt, reden von nichts anderem mehr. Ich persönlich entferne mich immer mehr davon, mich in irgendeiner Form dazu zu äußern. Aus dem Müll an Nachrichten aus der Region, fischt sich jeder das heraus, was ihm in den Kram passt, denn für welche Seite man sein muss, ist jedem in die Wiege gelegt. Für die einen sind die Armenier die Barbaren und für die anderen die Aserbaidschaner. Was in der Region abgeht, wissen wohl nur die, die direkt damit konfrontiert und vor Ort sind. Die Türken sind vom Hause aus nicht nur gegen Armenier, sondern auch für die Aserbaidschaner. Damit sind die Fronten geklärt. Das Motto (mit Reim):

„Komme was wolle,

wir lieben die Aserbaidschaner ganz dolle.“

Ohne Aserbaidschan-Armenien-Konflikt hätte Erdogan bei irgendeinem Nachbarland einmarschieren müssen. Denn er lebt von Krisen, die zur Ablenkung dienen. 

Der Konflikt kam zur rechten Zeit für Erdogan. Die Armee ist nach dem Einmarsch in Syrien dort vergessen worden.  Zu holen gibt es da nichts, zu verlieren aber viel. Ein Rückzug z.B. wäre eine Niederlage für Erdogan. Also lässt er die Armee dort schmoren. Im neuen Konflikt Aserbaidschan-Armenien, schafft er irgendwie nicht die Hauptrolle zu bekommen, aber schon in der Nebenrolle scheint er verloren zu haben. Er hat die Russen und die Amerikaner gegen sich und ist wieder einmal zu deren Spielball geworden. Er merkt nicht, dass er gelenkt wird von diesen.

An der Tankstelle tanken wir und rühmen uns nicht damit, wieviel Reserven noch der Tankwart in seinen Tanks hat.

Wieder denkt er, dass evtl. die Meldungen über neue Erdgasfunde das Volk zum Winter hin, wieder mal nur ‚gefühlt‘ in der Seele erwärmen könnten. In voller Montur eines Bohrturmmitarbeiters verkündete er am Samstag, dass die gemeldeten Erdgasreserven nicht 330 sondern 405 Mrd. m³ betragen. Ich liebe diese genauen Angaben von ihm. Nicht 400 sondern 405. Mit den Reserven kann sich nur jemand rühmen, der selber auf Reserve fährt und nicht merkt, wie es um die Nation steht. Oder doch?

Die Reichen mögen innehalten …

Wie sagte er an die Adresse der Reichen und Armen: „Die Reichen mögen innehalten und nicht verschwenderisch sein und die ärmeren sich in Geduld üben.“ Welch ein Rat, oder? Dann sagte der Vorsitzender seines Mini-Koalitionspartners Bahceli etwas, was darauf deuten ließ, dass denen die Situation in der Bevölkerung bewusst sein muss. Er sagte „Wer beim Brotkauf Geld zu viel hat, soll ein, zwei Brote mehr bezahlen, damit die anderen, die es nötig haben, auch etwas zu essen haben.“

Die Türkei wird nicht mehr regiert

Die Türkei trudelt dahin. Der Oberste schon seit langem, aber auch die Bevölkerung scheint mittlerweile an Realitätsschwund zu leiden. Eigentlich sollten sie ihren einen Krieg führen, nämlich für mehr Gerechtigkeit, Meinungsfreiheit und Menschenrechte im Lande. Geht nicht! Das wäre zu real, dazu müsste man auf die Straße. Da ist es besser sich im Konflikt um Aserbaidschan und Armenien zu arrangieren, aber nur durch ein lautes Mundwerk, oder noch besser per Tastatur.

Eine Nachricht aus Paris, aus den türkischen Zeitungen, die es nötig hielten darüber zu berichten:

“Ein Geschichtslehrer aus Paris, ist auf offener Straße geköpft worden. Er soll Karikaturen des Propheten Mohammed seinen Schülern gezeigt haben […]”.

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