Physische Gewalt – Im Gesundheitswesen der Türkei zu arbeiten ist lebensgefährlich

Der Artikel basiert auf einer Kolumne meines Freundes Feyzi Açıkalın bei der Zeitung YENI ALANYA. Er schreibt auch für die Cumhuriyet. Er beschreibt am Beispiel von Alanya, wie es im türkischen Gesundheitswesen, wo tagtäglich das Personal von den Patienten physisch angegriffen, ja sogar ermordet wird, zugeht.

Die Hebelwirkung funktioniert in beide Richtungen und die Leidtragenden sind die Ärzte, hauptsächlich Ärztinnen, Schwestern und sonstige Pflegekräfte der Türkei. Die religiösen Kapitalisten versuchen diese Gruppe auf die von ihnen gewünschte Linie zu bringen.

Die Pandemie hat alles durcheinandergebracht. Die Regierenden schaffen es nicht, losgelöst von ihrem Führer, die Sache in den Griff zu bekommen und zu lenken.  Als die Ärzteschaft versuchte, ihrer Berufung entsprechend, die Bürger über die Pandemie zu informieren, gerieten sie ins Visier der Regierung. Es steckte einfach zu viel Wahrheit in ihren Aussagen, die da oben nicht gut ankam, zumal diese genau das Gegenteil behauptete.

Den Angriff gegen die Ärzteschaft zu führen, übernahm die nationalistische MHP, der Juniorpartner der AKP, die nichts zu vermelden hat, aber das fehlenden i-Tüpfelchen bildet, ohne die es nicht geht.

Die Lynchkampagne, die gegen die Ärzteschaft geführt wird, tangiert letztendlich die Bürger des Landes und den Gesundheitssektor. Die Tatsache, dass die Regierenden die Ärzteschaft als Ziel ausgegeben hat, bestärkt die Anhängerschaft u.a. zu Handlungen gegen diese. Die Ärzte, die unter Einsatz ihres Lebens während der Pandemie ihre Dienste leisten, werden physisch angegriffen. Schlimm ist auch, dass die Krankenhausleitungen, bestärkt durch die Regierung, als der verlängerte Arm dieser ihre Ärzteschaft in die Enge treiben.

Durch Mobbing versucht man die betreffenden Ärzte zum Schweigen zu bringen, zumindest aber aus ihren Reihen zu drängen. Die Leistung des staatlichen Krankenhauses in Alanya, mittlerweile mit dem Status einer Universitätsklinik ausgestattet, scheute sich nicht davor, zu mobben.

So haben sie vier Anästhesistinnen, die auf die schlimme Situation der Covid-19 infizierten in Alanya hinwiesen, angefangen, „Golden Girls“ zu nennen und haben diese zeitweise in ferne Krankenhäuser in anderen Positionen versetzt, die hätten von den Schwestern ausgeführt werden können, mit der Folge, dass alle vier kündigten und unter diesen Umständen kaum eine Chance auf eine Neuanstellung haben.

Als einige Spezialisten, die die Schwerkranken betreuten, sich selbst auf Covid-19 testen lassen wollten, hat man diese vor der Belegschaft als Meuterer bezeichnet.

Feyzi Açıkalın, der mit allen Themen, die Alanya betreffen, sehr eng befasst ist sagt, dass deren Kraft nur gegen die Frauen reicht. Die meisten aus der Ärzteschaft, die die Leidtragenden bilden, wären Frauen. Er ruft die Menschen in Alanya auf, sich mit den Ärzten, der Schwestern und dem sonstigen Personal zu solidarisieren.

Befreundete Ärzte in Alanya bestätigen den Inhalt im vollen Umfang und legen sogar nach. Es hätten so viele gekündigt, dass man nicht wüsste, wie man den Betrieb aufrechterhalten soll. Auch wenn diese Feststellung übertrieben sein könnte, so kenne ich allein drei aus meinem Bekanntenkreis in Alanya, die gekündigt haben und ich bin nur einer von 300.000, die in und um Alanya leben. Sorry, ich lebe ja nicht mehr da.

Quelle: Yeni Alanya

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