Was sich eigentlich positiv auswirken sollte, wirkt sich negativ aus!

Dass die türkische Lira immer weiter an Wert verliert, stellen viele, die die Wirtschaftslage rosig darstellen möchten, als eine große Chance für die türkische Exportwirtschaft dar. Die Logik dahinter ist, was auch stimmt: Verliert die eigene Währung an Wert, können die Länder, die z. B. Euros und Dollars ausgeben, günstiger türkische Produkte kaufen.

Dem wäre sicher auch so, wenn die Exportwaren zu 100% aus türkischen Rohstoffen und Teilen bestehen würden und die Energie in der Türkei, nicht größtenteils importiert wäre.

Die türkischen Exportwaren bestehen zu ca. 80% aus Importwaren. Diese können Rohstoffe, Halbfertigerzeugnisse, Energie u.v.a.m. sein. Also muss der türkische Exporteur erst einmal für teures Geld, mit harten Devisen, importieren.

Schon sind wir da, wo die erdachten Vorteile ausradiert sind.

Steigen die Devisenkurse bzw. sinkt der Wert der türkischen Lira, verteuern sich die Importe und schon kann die Türkei nicht mehr günstig produzieren. Hinüber ist der angedachte und erhoffte Preisvorteil türkischer Produkte. Hinzu kommt noch ein Faktor. Die Türkei verkauft die meisten Exportprodukte nur über den Preis. Immer günstiger, immer günstiger, heißt die Devise. Sonst switchen die Käufer um und kaufen die Ware woanders.

Heute lese ist einige Stellungnahmen von Unternehmern in verschiedenen Medien. Sie scheinen sich mit den hohen Devisenkursen abgefunden zu haben und schreien nach Stabilität dieser, dass man wenigstens kalkulieren kann. Viele Unternehmen verfügen über keine Preislisten mehr. Denn die Preise müssen, bei schwankenden und immer steigenden Devisenkursen, fast stündlich neu kalkuliert werden.

Als Außenstehender können wir uns nicht vorstellen, wie schlimm es bei den Unternehmen, die sich zumeist auf Devisenbasis verschuldet haben, aussieht. Während sie auf der einen Seite versuchen die Schulden in Raten zu bedienen, steigt deren Schuld auf TL Basis immer weiter. Die Schulden werden auf TL Basis nicht weniger, sondern mit den steigenden Devisenkursen immer mehr. Nur, das Unternehmen verdient nicht mehr,  sondern eher weniger als vor der Pandemie, also woher nehmen?

Jede Erfolgsmeldung ist auf das jeweilige Unternehmen zuzuschreiben, denn die Regierung ist an anderen Baustellen beschäftigt.

Ich habe die letzten Tage geschwiegen, denn worüber hätte man berichten sollen. Die Regierung sieht tatenlos zu, was passieren wird mit der Wirtschaft. Um die Misere der Wirtschaft zu kaschieren, beschäftigt man sich mit Erdgas- und Erdölfunden, von dem man nicht sicher sein kann, dass diese auch gibt. Gerade lese ich, dass die Industrieproduktion seit drei Monaten ununterbrochen steigt. Das tut es nach dem Lockdown vielerorts weltweit. Dieses als Erfolgsmeldung zu verkünden, würde nicht dem Gesamtbild entsprechen. Die Wirtschaft blutet aus. Die sechs Monate tilgungsfreien Kredite zur Pandemie, müssen jetzt auch noch bedient werden. Die Frage ist: Wovon?

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