“Türkiye’de şansa yaşıyoruz!” Übersetzung: “In Deutschland überleben wir zufällig!”

Meine liebe Leserschaft, dass so viel Ärger um die Führungsriege der Türkei, die seit 18 Jahren die Türkei ausnehmen, mit allen Nachbarländern der Türkei, mit ehemaligen Freunden, verfeindet sind, zehntausende Unschuldige ins Gefängnis schicken, Ungerechtigkeiten walten lassen, die Wirtschaft zugrunde gerichtet haben und dabei von einigen, bei denen man ausgehen müsste, sie seien gebildet und klug, Applaus bekommen – dass diese Umstände am Ende bei mir, der nur nach Gerechtigkeit für alle schreit, keine Spuren hinterlassen, damit konnte man wahrlich nicht rechnen. (Gerade stelle ich fest, dass diese sechs Zeilen einen Satz bilden.)

 

In so einem Fall gibt es drei Möglichkeiten. Entweder raufst du dir die Haare, habe ich nicht, oder drehst am Ende durch, oder es schlägt auf die Pumpe. Bei mir ist es die dritte Variante. In der nächsten Woche werde ich es hinter mich gebracht haben und hoffe, wieder zu gesunden.

Ich möchte Euch nur kurz erklären, dass der Spruch aus der Türkei, in Deutschland ebenfalls Gültigkeit hat. Im Türkischen sagt man: “Türkiye’de şansa yaşıyoruz!’ was so viel heißt wie: “Wir überleben in der Türkei nur durch Zufall!” Nicht anders ist es bei mir gewesen.

Meine Beschwerden konnten nur die Lunge oder das Herz betreffen. Dort waren die Ursachen zu suchen. Die Lunge war abgecheckt und ein Corona-Test wurde gemacht. Beides negativ! Den Corona-Test wollte der Arzt so gar nicht machen, denn es wäre komplett unnötig, wo es doch in der Gegend nicht einen einzigen Fall von Corona gäbe.

Danach ging er in seinen wohlverdienten Urlaub.  Ich muss so geschockt gewesen sein, dass ich an dem Tag nach Hause ging und erst dort realisierte, was passiert war. Der Hausarzt hatte mich gesund attestiert. Und meine Beschwerden? Die waren immer noch da. Da musste ich nicht einmal Dr. Google fragen, denn die Anzeichen standen auf “Herzinfarkt”. Ich ging in in die Vertretungspraxis und sagte, ich müsste zum Kardiologen überwiesen werden. Das muss man sich mal vorstellen, das, was dringend zu tun war, nach gesundem Menschenverstand, war meine Idee und mein Vorschlag.

Die Vertretung bejahte ohne wenn und aber. In der Region gibt es fünf kardiologische Praxen. Drei waren sehr kurz angebunden, weil sie bis ins kommende Jahr hinein die Termine voll hätten. Die anderen zwei nannten mir tatsächlich Termine. Der erste war Oktober, aber wenn Ihr jetzt denkt, in diesem Jahr, weit verfehlt. 2021 war gemeint. Auf der Überweisung wurde auf die Dringlichkeit hingewiesen. Meine letzte Chance saß! März 2021. Ich glaubte, mit meinem Leiden so lange überleben zu können.

Ach ja, da war noch der Vorschlag von meinem behandelnden Arzt: “Wenn es ganz schlimm kommt, rufen sie den Krankenwagen, dann tut man alles nötige mit Ihnen, da können Sie sicher sein!” Das erleichterte mich ungemein. Klar, dass einige sagten, ich solle das vortäuschen, dann käme ich auch ins Krankenhaus. Nur brachte ich das nicht fertig. Ich stellte mir vor, dass ich am Tropf hängen würde, obwohl ich simulierte. Nein, das war kein Weg für mich.

Die 17 ist meine Lieblingszahl. Nein, mein Sohn ist nicht der Grund, weil er am 17. August geboren wurde. Die Zahl bewirkt bei mir etwas Positives. So kam es auch an diesem 17. August, dabei muss ich zwangsläufig an die vielen Toten des Erdbebens von 1999 denken. Mögen die Seelen der 19.000 Toten und 6.000 Verschollenen, die wahrscheinlich auch tot sind, in Frieden ruhen. 16:30 Uhr kam der Anruf.

Ein Patient hätte den Termin abgesagt, ob ich am nächsten Morgen um 9 Uhr bei Kardiologen erscheinen könnte. Klar, ohne zu überlegen sagte ich JA!

So, jetzt habe ich alles hinter mich gebracht. Die Diagnose steht und auch das was zu tun ist. Auf der Überweisung ins Krankenhaus steht mit großen Buchstaben “DRINGEND!”. Der Kardiologe rief da an und machte für mich den Termin.

Als ich seine Praxis verließ, war ich, ich weiß nicht wie… Traurig, nachdenklich, wütend? Hätte ich bis März 2021, bis zum eigentlichen Termin überlebt? Was in einer Woche im Krankenhaus vom Tisch muss, hätte so lange Zeit sicher nicht verschoben werden können.

Jetzt hoffe ich mal, dass alles glatt geht und wieder gesunde, und weitermachen kann. Ach so, wie mein Hausarzt, so hatte auch der Kardiologe, den besten Ärztewitz überhaupt drauf: “Halten Sie sich vom Stress fern!” Also einige mögen in der Lage sein, diesem Rat zu folgen, aber ich sitze mitten drin im Stress und seit Corona (fast) Lockdown, ist die Situation nicht besser geworden.

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