Selbst die blauäugigsten sind geheilt

Wer im Einzelhandel oder Gastronomie der Türkei unterwegs ist, kann ein Lied davon singen. Als Unternehmer arbeitet man die längste Zeit im Monat zuerst einmal für die Miete. Nochmals zur Erinnerung: Der türkische Vermieter einer Gewerbeimmobilie ruft den Preis als Miete auf, als würde er die Fläche selber erfolgreich betreiben. Dass was in diesem Fall seine Gewinnerwartung ist, wird als Miete vom Vermieter verlangt.

So geschäftstüchtig wie die Menschen in der Türkei sind, bleibt dennoch kein Laden leer, oder sagen wir besser, das war bis jetzt so.

Sahibinden.com bedeutet „vom Eigentümer“ und ist das größte Portal der Türkei, wenn es um Vermietungen und Verkäufe von Immobilien, Gewerbe wie Privat geht. Auf dem Portal werden, im Vergleich zum Juli des letzten Jahres 71% mehr Gewerbeobjekte angeboten. Im Juni waren es 77%, heißt es.

Zu einigermaßen guten Zeiten hatten die Geschäftsaufgaben nicht viel zu bedeuten in der Türkei, denn genauso viele stürmten in die Selbständigkeit. Derzeit ist das aber eine Einbahnstraße. Selbst die Blauäugigsten sind geheilt. Sie wissen, dass in der jetzigen Situation kein Geschäft funktionieren würde.

Die Bars, Vergnügungszentren und Gastronomie mit Alkoholausschank sind derzeit wegen Corona geschlossen, aber selbst wenn sie öffnen dürften, werden die wenigsten wieder aufmachen können, denn diese Betriebe haben zumeist die höchsten Mieten.

BMD, der Verband der Markenanbieter wartete mit einer interessanten Zahl mit viel Aussagekraft auf. Die Marken, die nach dem Lockdown ihre Geschäfte eröffneten, wurden abermals gefragt, wie sie die Lage einschätzen. 71,7% sagten, dass sie nach dem Lockdown beschlossen hätten, ihre Läden zu schließen.

Die Einkaufszentren und die Marken spielen Poker

Der Verbandspräsident des Markenverbandes sagte, dass die Marken, Listen mit der Dringlichkeit der Schließungen sich erarbeitet hätten. Die erste Liste wäre schon abgearbeitet und die Läden geschlossen. Jetzt würde man zu der zweiten Liste über gehen.

Er brachte ein Beispiel, dass einer der 50.000 TL Miete im Monat zu zahlen hätte, 70.000 TL Umsatz hatte. Dieser hatte aber vor dem Lockdown noch 700.000 TL in die Ladeneinrichtung investiert. Was tun?

Die Einzelhändler schlagen Mieten prozentual vom Umsatz vor, aber die EKZ’s akzeptieren das nicht. Die Schulden der Einzelhändler häufen sich an, wenn sie bleiben, aber auch wenn sie schließen und gehen, stehen sie nicht besser da, bei den langfristigen Mietverträgen die sie haben.

Quelle für Zahlen: Dünya

 

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