Die reichsten der Reichen im 19. Jahrhundert, kamen aus dem Osmanen-Reich

Beide hatten drei Dinge gemeinsam. Den großen Erfolg fingen sie ein, als sie die Heimat verließen und in die Ferne zogen. Beide hatten die Marktentwicklungen und die Zeichen der Zeit richtig vorausgesehen und was auch interessant ist, beide haben nichts erschaffen, sondern nur zwischen den Parteien vermittelt.

Die reichsten der Reichen im 19. Jahrhundert, kamen aus dem Osmanen-Reich

Oft schreibe ich, dass Menschen, die auf dem türkischen Boden die besten Ideen haben, erst erfolgreich sind, wenn sie das Land verlassen haben. Beispiele gibt es zuhauf.

Im 19. Jahrhundert waren die zwei reichsten Männer, der Welt, ist wahrscheinlich zu verwegen zu behaupten, aber im Orient, zwei Osmanen, heute würde man stolz sagen: Türken!

Über David Sassoon (* Oktober 1792 in Bagdad; † 7. November 1864 in Poona) steht im Wikipedia, dass er ein osmanisch-indisch-britischer Geschäftsmann und Philanthrop war.

Er wurde in Bagdad als Sohn des wohlhabenden jüdischen Bankiers Sheikh Saleh Sassoon (1750–1830) geboren, des Finanzministers des Gouverneurs Ahmed Pascha. Infolge der Unterdrückung der jüdischen Gemeinde durch das osmanische Sultanat (Was sonst. Damals wie heute.) floh Sassoon 1833 mit seiner Familie und wenig Vermögen über Persien nach Bombay.

David Sassoon soll ein Leben lang nach Art der Bagdad-Juden gekleidet gewesen sein. Ein Brite, der zumeist in China lebte und dort reich wurde, der aber kein Englisch und Chinesisch konnte.

Nach kleinen Anfängen als Teppichhändler wurde er bald einer der reichsten Männer der Stadt. Dort gründete er auch das Handelshaus David Sassoon & Co. Nach dem Vertrag von Nanking 1842, der den ausländischen Kaufleuten weitgehend freien Zugang zum chinesischen Markt ermöglichte, expandierte die Gesellschaft unter maßgeblicher Mitwirkung von Davids Sohn Elias nach China, wo sie Niederlassungen unter anderem in Hongkong, Kanton und Shanghai eröffnete. Dort engagierte sich die Sassoons zunächst im Woll-, später vor allem aber im Opiumhandel und brachten es in den folgenden Jahrzehnten zu geradezu legendärem Reichtum. Anfang des 20. Jahrhunderts zählten sie gemeinsam mit den ebenfalls jüdischen Hardoons und Kadoories zu den wohlhabendsten Familien des Landes.

Obwohl er nicht einmal Englisch sprach, wurde David Sassoon 1853 britischer Staatsbürger. Trotzdem behielt er Kleidung und Sitten der Bagdad-Juden bei und verstand sich als Leiter der jüdischen Gemeinde in Bombay. In Indien ließ er mehrere Synagogen errichten, aber auch eine Schule, ein Forschungsinstitut, eine Bibliothek sowie ein Genesungsheim.

Nach seinem Tod 1864 wurde David Sassoons geschäftliches Erbe von seinem Sohn, Sir Albert Abdullah David Sassoon weitergeführt.

Machen wir mit dem anderen reichsten Mann seiner Zeit im Orient weiter.

Calouste Sarkis Gulbenkian, er wurde am 23. März 1869 in Scutari (Konstantinopel), dem heutigen Istanbul geboren und verstarb am 20. Juli 1955 in Lissabon. Er war ein vermögender armenischer Ingenieur, Erdölhändler, Geschäftsmann, Finanzexperte, Philanthrop und Kunstsammler, der in Istanbul, London, Paris und Lissabon lebte und tätig war. Gulbenkian starb , nicht wie ich oben verniedlichend als „Reichster Mann des  Orients“ beschrieb, sondern sogar als reichster Mann der Welt.

Er gilt als Pionier der Ölprospektion im Nahen Osten und ist als Gründer der in Lissabon ansässigen Stiftung Fundação Calouste Gulbenkian bekannt, die das im Jahr 1969 eröffnete Museum Museu Calouste Gulbenkian verwaltet.

Calouste Gulbenkian wurde als Sohn von Sarkis und Dirouhie Gulbenkian in Scutari, heute Üsküdar in Istanbul, geboren. Sein Vater war Schatullverwalter des Sultans und ein wohlhabender armenischer Petroleumhändler. Beide Elternteile gehörten berühmten armenischen Familien an, deren Ursprünge sich bis in das 4. Jahrhundert zurückverfolgen lassen.

Calouste Gulbenkian wuchs in Istanbul auf, erhielt seine schulische Ausbildung in Marseille, wo er seit 1883 seine Französischkenntnisse vertiefte, und am King’s College in London, welches er 1887 mit einem Ingenieurs-Diplom mit Auszeichnung abschloss. Anschließend kehrte er nach Istanbul zurück und arbeitete in der väterlichen Firma.

1891, im Alter von 22 Jahren, bereiste er Transkaukasien und besuchte die Ölfelder von Baku. Auszüge aus seinem Reisebericht La Transcaucasie et la Péninsule d’Apchéron – Souvenirs de Voyage druckte die Revue des Deux Mondes unter dem Titel Le pétrole, source d’énergie ab. Die durch diese Publikation auf Gulbenkian aufmerksam gewordene Regierung des osmanischen Reiches beauftragte ihn mit der Abfassung eines umfassenden Berichtes, insbesondere über die Ölfelder in Mesopotamien.

Nachdem am 26. August 1896 armenische Separatisten unter Armen Garo die Ottomanische Bank besetzt hatten, um die osmanische Regierung unter Abdul Hamid zu einer Beendigung der Massaker an der armenischen Bevölkerung Konstantinopels zu zwingen, flüchtete Gulbenkian mit seiner Familie nach Ägypten. Dort lernte er den armenischen Ölmillionär Alexander Mantaschew aus Baku kennen, der ihm in Kairo Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten verschaffte.

1897 ging er nach London. In den folgenden Jahren stieg er zu einem arrivierten und unumgänglichen Verhandlungspartner der Ölindustrie auf, erwirkte Konzessionen zur Ölförderung und vermochte sein Vermögen unaufhaltsam zu vermehren. 1902 nahm er die britische Staatsbürgerschaft an.

Um 1903/04 trat Gulbenkian bei den Verhandlungen zwischen Marcus Samuel (The Shell Transport and Trading Company p.l.c., London) und Henri Deterding (N.V. Koninklijke Nederlandse Petroleum Maatschappij, Den Haag) als Vermittler und abermaliger Vertreter russischer Interessen auf, und im Jahr 1910, nach der Revolution der Jungtürken (1908), als Berater der neugegründeten Türkischen Nationalbank. Er war die treibende Kraft bei der Gründung der Turkish Petroleum Company (1912/14, kurz TPC) – der späteren Iraq Petroleum Company (1929, kurz IPC) – an der er neben zwei englischen Aktionären und der Deutschen Bank (mit je 23,7 % Beteiligung) einen Anteil von 5 % hielt. Da er diesen Fünf-Prozent-Anteil in allen Geschäften anstrebte, und diese als Vermittler der Interessen internationaler Ölkonzerne später auch an den Gesellschaften Exxon, BP und Shell durchsetzte, bekam er den Spitznamen „Mister Five Percent“.

In den Jahren von 1915 bis 1942 lebte der Ölexperte in Paris, wo er unter anderem die Gründung des Comité Général du Pétrol anregte und dessen ersten Vorsitzenden Henri Bérenger unterstützte. Er setzte für die französische Regierung durch, dass Frankreich in der Konferenz von Sanremo (1920) für seine Kriegsaufwendungen mit dem Anteil der Deutschen Bank an der von ihm mitbegründeten, vornehmlich in britischer Hand befindlichen Turkish Petroleum Company entschädigt wurde. Nachdem die Briten 1920 aus den Resten des ehemaligen Osmanischen Reiches einige Provinzen (Mossul, Bagdad und Basra) zu dem Königreich zusammenfassten, das seither als Irak bekannt ist, spielte Gulbenkian eine bedeutende Rolle in der Hebung der in diesem Land liegenden Ölschätze durch die inzwischen in Iraq Petroleum Company umbenannte Gesellschaft.

Von 1930 bis 1932 war Gulbenkian Vorsitzender der Armenischen Allgemeinen Wohltätigkeitsunion.

Daneben war Gulbenkian ein großer Liebhaber der bildenden Kunst. Dank seines Vermögens konnte er eine unschätzbare Sammlung von Gemälden, Skulpturen und kostbaren kunsthandwerklichen Meisterstücken zusammentragen.

Aus dem von den Deutschen besetzten Paris gelang dem britischen Staatsangehörigen 1942 die Ausreise – unter Mitführung seiner Kunstsammlung – in das neutrale Portugal, wo er sich bis zu seinem Lebensende hauptsächlich aufhielt. Er wohnte im Hotel Aviz in Lissabon und widmete sich seiner Sammlung und der Gründung einer Stiftung, die heute von seinem Enkel verwaltet wird.

Im Jahr 1938 hatte der umsichtige Finanzmann in Panama die Participations and Explorations Corporation, heute Partex, eintragen lassen, die seine Anteile hielt. Seinen in Großbritannien angelegten Besitz beschlagnahmten nach dem Zweiten Weltkrieg die Briten mit der Begründung, er habe während der Besatzung mit der Vichy-Regierung sympathisiert.

Calouste Gulbenkian starb im Jahr 1955 im Alter von 86 Jahren im Hotel Aviz in Lissabon.

Der gläubige und praktizierende Anhänger der armenisch-orthodoxen Kirche ist Stifter der im Gedenken an seine Eltern in London errichteten Kathedrale St. Sarkis.

Die Lissaboner Avenida Calouste Gulbenkian ist nach ihm benannt.

Der größte Teil des sehr beachtlichen, durch die Vermittlung vielseitiger Kontakte, kluge Verhandlungsstrategien und gezielte Investitionen erworbenen Vermögens Gulbenkians floss, einer testamentarischen Verfügung entsprechend, in die von ihm gegründete Stiftung Fundação Calouste Gulbenkian, der auch seine Privatsammlung übereignet wurde. Sie nahm ihre Arbeit mit einem Startkapital von 67 Millionen Dollar auf und hatte bereits 20 Jahre später vor allem dank der Erträge der Ölhandelsholding Partex 433 Millionen Dollar zur Verfügung. Mit den Geldern wurden und werden künstlerische, karitative und wissenschaftliche Projekte, Museen, Musiktheater, Bibliotheken, Forschungsinstitute, Bildungsstätten und diverse Stipendiaten unterstützt.

Die Stiftung finanzierte beispielsweise eine nach Calouste Gulbenkian benannte, international anerkannte Balletttruppe, die jedoch im Juli 2005 aufgelöst wurde.

Auch das 1962 gegründete Orquestra Gulbenkian und der Gulbenkian-Chor gehören zu den renommierten Initiativen der Stiftung.

Im Jahr 2018 wurde die Öl-Holding verkauft und der Erlös in nachhaltige Projekte investiert.

Museu Calouste Gulbenkian

Das im Jahr 1969 in Lissabon eröffnete Museum Museu Calouste Gulbenkian besitzt einen Fundus von 6.000 Werken und gliedert sich in 17 Abteilungen, unter denen jene der Orientalischen Kunst und der Europäischen Kunst vom 11. bis zum 19. Jahrhundert hervorzuheben sind. Es genießt hohe Wertschätzung in internationalen Kunstkreisen. (Wikipedia)

Um das Rad nicht neu zu erfinden, habe ich einiges aus Wikipedia entnommen. Wer mehr über die reichsten Männer seiner Zeit erfahren möchte, dem empfehle ich: Jonathan Kaufman’s “The Last Kings of Shanghai: The Rival Jewish Dynasties That Helped Create Modern China” von Jonathan Kaufman und von Jonathan Conlin “Mr Five Per Cent: The many lives of Calouste Gulbenkian.” Spannend alle Male.

 

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