Türkei: Kampf gegen die Mittelmäßigkeit

Seit über dreißig Jahren bin ich im deutschtürkischen Business unterwegs und nichts regt mich mehr auf als die Mittelmäßigkeit. Besonders die Tatsache, dass man sich mit der Mittelmäßigkeit abfindet und diese zum Standard macht, macht mich richtig wütend. Ich rede von der Masse der türkischen Unternehmen.

Sie können auch anders, wenn sie wollen und müssen.

Dass sie sich von dieser Mittelmäßigkeit lösen können, zeigt die Tatsache, dass so viele multinationale Unternehmen in der Türkei produzieren. Würden z.B. Mercedes, Bosch-Siemens-Haushaltsgeräte, MAN u.v.a. deutsche Unternehmen sonst in der Türkei produzieren, wenn am Ende kein „Made in Germany – Qualität“ herauskäme? Unmöglich!

Von alleine passiert es nicht, oder selten

Auch wenn in der Türkei kein Schwein verzehrt wird, so hat doch jeder Türke einen inneren Schweinehund, den es zu überwinden gilt. Das ist nicht einfach, besonders wenn die Sonne scheint und trotz aller Sorgen das süße Leben ruft.

Auf die Linie, dass sogar ein „Made in Germany Qualität“ auf dem türkischen Boden produziert wird, kommt der türkische Unternehmer zumeist in Form der Nachfrage aus dem europäischen Ausland, eigentlich Deutschland. Das „Europäische“ bzw. „Deutsche“ betone ich besonders, denn der Deutsche verlangt Qualität. Möchte der türkische Unternehmer in eine Kooperation mit dem deutschen Unternehmer kommen, muss er sich ändern und sich von der Mittelmäßigkeit, sei es nur in Gedanken, verabschieden.

In der Türkei können Sie günstig produzieren, weil die Löhne so niedrig sind und ich habe gute Beziehungen!“

Das ist der Standardspruch eines jeden Türkeiberater-Neulings. Er ist noch neu im Geschäft. Dass die Türkei ein Billiglohnland ist und dass er glaubt, dass das alleine zieht, dass ihm die Unternehmer folgen, ist ein Irrglaube. Ich weiß nicht mehr, wann die Umfrage unter den Deutschland-Investoren war, es sind bestimmt über fünfzehn Jahre her. Damals fragte man diese, warum sie in Deutschland investieren würden, warum sie ihre Produktion nach Deutschland tragen würden, wo doch die Löhne hier am höchsten wären, der Grund und Boden auch nicht gerade günstig und die Steuern so hoch wären. Das Ergebnis der Studie hatte sich bei mir im Gedächtnis eingebrannt. Die Top-Antwort war, dass die Rechtssicherheit gegeben ist. Dieser Antwort folgten die infrastrukturellen Rahmenbedingungen, die ziemlich optimal wären und die Tatsache, dass Mindestlohnempfänger so effektiv ausgebildet wären, dass sie „Made in Germany“, – also Qualität – produzierten.

Wir stellen hierbei fest, dass die niedrigen Löhne als Einzelargument alleine nicht ziehen, da muss man noch mehr erwähnen. Es gibt diese Argumente.

Kommen wir heute auf die Mittelmäßigkeit der Gedanken zurück.

Wir leben in einer schnelllebigen Zeit. Unternehmerisch musst du dich immer weiterentwickeln und immer Ausschau halten, wo sich die Chancen für dich versteckt halten. Wenn du nicht weiterdenkst, weiter als heute, wirst du eines Tages dein Unternehmen verlieren.

Warum fühlt sich das Mittelmaß so wohl in der Türkei?

aß so wohl in der Türkei?Wer im Denken und Handeln das Mittelmaß darstellt, hinterfragt nicht und macht sofort das, was man ihm sagt. Was die erbrachte Leistung für Folgen und Ergebnisse mit sich bringt, wissen sie nicht, denn es ist für sie nicht wichtig. Wenn sie ein Unternehmen als Erbschaft hinterlassen, besteht dieses zumeist aus Geldwerten und nicht aus Namen oder in diesem Fall aus einer bekannten Marke. Wenn ein Mittelmäßiger dann ein Unternehmen führt, muss er zwangsläufig weitere Mittelmäßige einstellen, denn sonst würde rauskommen, dass er nicht gerade eine Leuchte ist. Die Klugen sind eine Gefahr für diese Menschen. Ihre Kraft und Macht beziehen die aus dem Stuhl, die sie besetzen. Wird ihnen dieser weggenommen, stehen sie alleine da.

Die Mittelmäßigen lösen zumeist das Problem, was sie selber heraufbeschworen haben.

Ein erfahrener Lenker hat Visionen und denkt in die Zukunft hinein, nicht so der mittelmäßige, denn er muss Probleme lösen, die er selber geschaffen hat. Sie stehen denen im Wege, die eine Unternehmung, oder ein Land, weiterbringen könnten, denn dann wären sie weg vom Fenster. Die Klügeren gewinnen immer.

Das ist zwar immer so, nur wenn da das Problem mit der Zeit nicht wäre. Der Kampf gegen das Mittelmaß bedeutet Zeitvergeudung. Der Kampf dauert sehr lange und in dieser Zeit verliert die Gesellschaft. Die Quittung zahlen am Ende die Kinder der Mittelmäßigen, wie die der Klugen. Leider!

Sie könnten einige Zeit lang der Richtige gewesen sein!

Wenn man dauerhaft weiterkommen und wachsen möchte, das kann ein Unternehmen, wie ein Land sein, muss man sich ständig erneuern. Sie können heute oder in der Vergangenheit der Richtige gewesen sein, doch wenn sie den Puls der Zeit verpasst haben, finden Sie sich schnell im Mittelmaß wieder. Wenn Sie wider Erwarten mit Wohlwollen agieren, dann machen Sie bitte den Stuhl frei, damit andere nachrücken können. (Nur theoretisch möglich).

Wer immer die Besten um sich herum sammelt, gewinnt!

Was passiert, wenn der an der Spitze unfähig ist und sein Team ebenso? Da muss man nicht lange suchen, um diese zu finden. Der Alleinherrscher der Türkei und seine Tanztruppe liefern dafür ein Paradebeispiel ab.

Den Mittelmäßigkeitsvirus kann man mit fortschrittlichen Technologien besiegen.

Schauen wir in den Nahen-Osten, sehen wir die Waffen im Einsatz. Wo die Gesellschaften hinterherhinken und die Bildung am Boden liegt, sind Waffen im Einsatz. Wenn wir Israel, die einzige Demokratie im Nahen-Osten, uns anschauen, werdet Ihr merken, wovon ich rede. Freie Gedanken bedeuten Erfindungen und Innovationen. Deshalb kommt Israel in der Region als einziger weiter und doch ist es umzingelt von Bildungsarmut. Was die Folgen sind, erleben wir Tag für Tag.

 

Kaltstart X - Das Buch von Ahmet Refii Dener

Das könnte Dich auch interessieren …