Türkei: Die andere Armee besteht aus über 1.500.000 Personen

Es gibt in der Türkei die Armee, die Polizei, die Gendarmerie und die privaten Sicherheitsdienste, die für Recht (so lala) und Ordnung (so lala) sorgen. Fast kann man sagen, dass man vier Armeen im Land hat. Dieser Tage kommen noch die Bekçi (Bektschi), Wächter, eher Nachtwächter, die wenn es dunkel wird, auf den Straßen patrouillieren, hinzu. Sie gab es früher mal, bis sie zu den Anfängen der Ära Erdogan abgeschafft wurden. Jetzt sollen sie in das Sicherheitssystem neu integriert werden und auch Waffen tragen dürfen. Der Job scheint einfach zu verrichten zu sein, denn die Ausbildung soll lediglich 20 Werktage betragen.

512.000 Personen starke Armee und die Zunahme der Polizisten um 36%

Wenn wir uns die Zahlen betrachten, so soll es nach den Zahlen von 2019 in der türkischen Armee 512.000 Soldaten geben. Damit ist die Türkei unter den Top 10 weltweit, wenn es um die Kopfstärke geht.

„Die Polizei, Dein Freund und Helfer!“ Der Satz hat auch in der Türkei Bestand. Die Polizei ist ein Freund und Helfer von Erdogan. In 2018 betrug die Zahl der Polizisten in der Türkei 255.974 und die der Gendarmen 176.000. Die Zahl der Polizisten pro 100.000 Einwohner beträgt in der Türkei 540, im EU-Durchschnitt beträgt die Zahl 318. Die Steigerung in der Türkei beträgt in den letzten 10 Jahren ca. 36%.

Türkei hat noch eine zweite Armee

Kommen wir zu den privaten Sicherheitsdiensten. Aktiv sind derzeit ca. 300.000, Tendenz steigend. Ich sage bewusst „Aktiv“, zumal 1.556.000 bereits lizenziert sind und lediglich Arbeit finden müssen. Von den „Aktiven“ sind 47.360 mit Kleinkaliberwaffen und 5.200 mit großkalibrigen Waffen ausgestattet. Dass die privaten Sicherheitsdienste der Türkei kopfstärker sind, als manche Armeen, wie z.B. Österreich, Belgien, Tschechische Republik, Niederlande, Norwegen und Portugal, muss schon erstaunen.

„Jede Gattung Menschen, die Uniform trägt, imponiert dem großen Haufen und weiß sich ihres Vorzugs meistens sehr gut zu bedienen.“ sagte Johann Wolfgang von Goethe. Da ist auch das Problem zu sehen. Die privaten Security Leute sind zum Problemfall geworden. Oft muss man die richtige Polizei rufen, um sie zu bändigen.

Ein Beruf in Verruf

Der Beruf ist nicht gut angesehen, zumal mit Mindestlohn schlecht bezahlt und das bei langen Arbeitszeiten, stressig genug. Dass es da zu Fruststau kommt, kann man sich ausdenken. Zumeist sind die Security-Unternehmen in Gebäudereinigungsunternehmen mit integriert. Die Fluktuation der Arbeitnehmerschaft ist enorm. Ein Freund von mir, der solch ein Unternehmen mit 8.000 MitarbeiterInnen hat, stellt täglich 20 bis 40 Personen ein. Täglich wohlgemerkt, denn genauso viele wandern auch täglich ab. So unzuverlässige Menschen, denen fast alles gleichgültig ist, müssen für Sicherheit sorgen. Dann mal Gute Nacht.

Es gibt sie. Sicher gibt es die, die einen guten Job leisten, aber die gesamte Branche ist dermaßen in Verruf gekommen, dass sie da untergehen (müssen).

Wozu kann die Ersatzarmee noch eingesetzt werden?

Mich stimmt das nachdenklich. Wenn es mit dem Machterhalt des Erdogan den Prächtigen hart auf hart kommt, wird man die Gehälter von diesen  1,5 Millionen Sicherheitskräften lediglich aufstocken müssen und schon wären sie mit ihren Waffen im Einsatz (gegen das Volk). Die Möglichkeit besteht immer, wollen wir hoffen, dass er eher geht oder ohne Blutvergießen an der Macht bleibt.

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