Türkei: Wer hat die verkauften Papiere (9,6 Mrd. USD) der Ausländer gekauft?

Die Türkei hat mit 13 Millionen jungen Menschen zwischen 18 und 24 Jahren und liegt damit unter den 20 EU-Ländern an der Spitze. Dieses macht 15,6% der türkischen Bevölkerung aus. In Deutschland beträgt die Quote 10,37%. (Eurostat)

Die Industrieländer beneiden sicher die Türkei um diese jungen Menschen, während diese für die Türkei ein unüberwindbares Problem darstellen. Wie sollen sie beschäftigt werden? Nun gut, diese Gedanken machen nur wenige, die dann wiederum nichts mit der Politik zu tun haben. Die türkische Jugend wächst in die Hoffnungslosigkeit hinein.

In Deutschland liegt das Problem andersherum

In Deutschland ist es so, dass wenige Jungen die vielen Alten (Rentner) mitfinanzieren müssen. Mit dem Problem kämpft die Türkei in anderer Form. Hier müssen die wenigen arbeitenden, die Masse der arbeitslosen jungen Familienmitglieder mittragen. Dieses wird umso schwieriger, weil die Währung immer mehr an Kaufkraft verliert und der Mindestlohn nicht entsprechend mit wächst. Übrigens, der Mindestlohn der Türkei muss dauerhaft ein Hungerlohn bleiben, denn womit sonst soll die Türkei ausländische Investoren ins Land locken, wenn nicht durch die niedrigen Löhne.

Es gleicht einem Wunder, dass es nicht zu sozialen Unruhen kommt. Die Leidensfähigkeit liegt in den türkischen Genen.

Wie man schafft während der Corona-Krise drei Schichten zu fahren.

Mustafa Başer ist Mitgründer der ABC Deterjan (Kosmetik- und Hygieneprodukte). Die Firma ist in 1972 gegründet worden und nach seinen Worten, waren sie noch niemals zuvor so ausgelastet, wie zu Zeiten vom Coronavirus, sagt er. Er erzählt von Tagen, wo er und seine Mitarbeiter über 24 Stunden die Werkhallen, nicht verlassen hätten. Die Firma würde in viele Länder exportieren und Afrika fast komplett abdecken.

Wer hat die verkauften Werte (9,5 Milliarden USD) der Ausländer gekauft?

Ich hatte schon geschrieben, dass das Problem nicht nur die Türkei betrifft. Länder, deren Wirtschaften ähnlich gelagert sind, kämpfen damit, dass die Ausländer ihre inländischen Werte verkaufen und in sicherere bzw. sicher geglaubte Häfen bringen.

In vier Monaten zogen die ausländischen Investoren 9,5 Milliarden USD aus der Türkei ab. 3,2 Milliarden USD in Aktien und 6,3 Milliarden USD an Inlandsschuldverschreibungen. In keiner Phase der türkischen Republik floss soviel Geld in so kurzer Zeit ins Ausland. Wer hat gekauft? Bei den Aktien kann man davon ausgehen, dass keine türkischen Käufer das gewesen sind. Eigentlich kann man nur nahe liegende Vermutungen anstellen. Die Banken könnten als Käufer aufgetreten sein. Auch können die Unternehmen die eigenen Aktien gekauft haben, damit der Kurs nicht noch mehr in den Keller rutscht. Die meisten gehen davon aus, dass es inländische Fonds ein Großteil gekauft haben könnten.

Bei den Inlandsschuldverschreibungen (6,3 Mrd. USD) ist das Bild klarer. Die staatlichen Banken waren die Hauptkäufer. Sie mussten das auch tun, denn sonst wäre der Markt mit Schuldverschreibungen überflutet. Die ausländischen Verkäufer, wenn sie keine Käufer gefunden hätte, würden mit dem Preis immer weiter runtergehen, was zur Folge hätte, dass die Zinsen steigen. Diese Situation haben die staatlichen Banken durch den Kauf der Schuldverschreibungen verhindert.

 

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