Fliegen wird teurer – Wenn Piloten zum Bodenpersonal zählen

Der Grundtenor bei den Airlines ist, dass es mindestens 1/3 weniger Business-Flüge geben wird. An den Businessflügen wurde Geld verdient, fallen diese weg, müssen die Kosten bei den Normalos abgefangen werden. Wird man in der Geschäftswelt weniger geschäftig sein? Nein, eher wird man auf Videokonferenzen setzen. Hätte man eigentlich schon immer machen können. Oft habe ich bei den Geschäftsreisen mit dem Flugzeug, die reine Zeit, wo über Geschäfte geredet wurde zusammenaddiert und siehe da, für knapp 20 Minuten sich in die Augen gucken und reden gingen mit Hin- und Rückflug 2-3 Stunden drauf. Klar war man mit dem Gesprächspartner einige Stunden zusammen, nur über Geschäft wurde gerade mal nur eine kurze Zeit gesprochen.

Urlaub per Video

Urlaub wird man schwerlich per Video machen können. Wieder haben wir einen Bereich, in dem das Coronavirus gleich eine Kette von Branchen beeinflussen wird. Die Reisebüros zu besuchen war wie Urlaub. Das Personal beschrieb dir die Gegend, wo du hinfliegen könntest so schön, dass sofort Kopfkino losging und du nicht mehr wusstest ob du auf einem Stuhl im Reisebüro, oder auf einer Sonnenliege am Strand warst. Ich denke, dass wenn es wieder losgeht, viele Reisebüros nicht mehr aufmachen werden.

Die Airlines werden weniger werben,  zumal sie auf einmal mit den Videokonferenzen konkurrieren werden und nicht mit den anderen Airlines, also werden die Wirtschaftsmedien dieses krass zu spüren bekommen. Zuvor werden aber die Werbeagenturen mit weniger Personal auskommen können, die Medien ebenfalls.

Das Jahr 1955

Unlängst konnte man erfahren, dass der Flugverkehr da oben, derzeit mit dem aus 1955 gleich ist. Viel mehr Maschinen sind nämlich nicht in der Luft. Alleine die Maschinen am Boden flugtauglich zu halten und dann, wenn es losgeht, fliegen zu können, verschlingt horrende Summen. Am Start werden die Airlines sein, die genug subventioniert wurden.

Wie der Zufall wollte, gibt es ab dem 1. April 2020 in Deutschland eine neue Ticketsteuer. 

Für Inlands- und Europaflüge von deutschen Flughäfen von 7,50 Euro auf 13,03 Euro pro verkauftem Ticket – eine Steigerung von fast 75 Prozent. Für längere Flüge bis 6000 Kilometer von derzeit 23,43 Euro auf 33,01 Euro – das sind fast 40 Prozent Steigerung. Für die Langstrecke geht der Preis pro Ticket von 42,18 Euro auf 59,43 Euro – rund 40 Prozent mehr.

Preiserhöhungen in der tiefsten Krise

Da es zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise 1929 nur wenige Flieger in der Luft waren, kann man für die Branche von der schwersten Krise der Luftfahrt sprechen. Es ist kaum damit zu rechnen, dass der Staat versuchen wird das Fliegen wieder attraktiver zu machen, denn die Ticketsteuer ist dafür da, dass man genau das Gegenteil bewirkt, nämlich das Fliegen so unattraktiv wie möglich zu machen, wegen des Klimapakets

Die Mutter einer Freundin sagte mal früher: “Kind, gib nicht so viel Geld aus, so wirst du das Monatsende nicht sehen!” Darauf antwortete sie: “Ich zahle ja nicht in bar, es geht vom Konto ab.” In etwa klang die Aussage des Sprechers des Umweltministeriums genauso schwach. Es wären ja derzeit kaum Flieger in der Luft. So würden kaum Steuern anfallen. Und damit ist das Problem aus der Welt?

In unbezahlten Urlaub geschickt

Wie ich von einigen Piloten der Turkish Airlines weiß, sind über eintausend Piloten in unbezahlten Urlaub geschickt worden.  Die Flugkapitäne der Turkish Airline bekamen vor der Krise ca. 60.000 TL und die Co-Piloten ca. 40.000 TL/Monat Brutto Gehalt und nach jedem Quartal ein volles Gehalt Bonus. Die noch arbeitenden Flugkapitäne und Co-Piloten bekommen derzeit 4.971,00 TL Gehalt, genauso die FlugbegleiterInnen . Die Fluggesellschaft zahlt davon 1.029,00 TL selber, der Rest kommt vom türkischen Jobcenter. Während so die Piloten 90% ihres Gehalts verlieren, stehen die FlugbegleiterInnen besser da. Sie bekamen im Normalfall 5.500 TL Gehalt. Da noch 14 Destinationen im Lande angeflogen werden, bekommt das Flugpersonal, wenn sie zum Einsatz kommt, etwas mehr. Interessant ist, dass die Turkish Airlines als börsennotiertes Unternehmen der Börse nur mitteilte, dass sie Personalkosten sparende Maßnahmen eingeleitet hätte, erwähnte aber keine sonstigen Details.

Die halbstaatliche Airline  (49,12% Anteile hält der Staat) ist immer auf der sicheren Seite, spielt aber mit verdeckten Karten. Pegasus Airlines und Sun Express spielen das Spiel offener. Die Pegasus Kapitäne bekamen vor der Krise 35.000 TL Gehalt, wenn sie gar nicht flogen. Derzeit bezahlt Pegasus immer noch die Hälfte davon. SunExpress verkündete, jedem MitarbeiterIn monatlich 2.000 EUR zu überweisen.

Die Kassen sind leer. Die Unternehmen bekommen die bereits zugesprochenen Kredite nicht ausgezahlt.

In den vorangegangenen Beiträgen schrieb ich, dass viele Unternehmen Kreditzusagen und -Positivbescheide in der Hand hielten, aber kein Geld fließen würde. In diesem Interview mit dem Geschäftsführer der Pegasus-Airlines erfahren wir, ca. ab der 15. Minute des Interviews, dass die Fluggesellschaft die Krise meistern würde, wenn sie denn die vorhandenen Kreditlinien in Anspruch nehmen könnte. Das geht nicht, weil kein Geld da ist. Wie man unter diesen Umständen, die Krise meistern kann, und das geht so durch alle Branchen der Türkei, bleibt im Verborgenen.

 

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