Türkei: Was für ein Trilemma!

Viele werden sich jetzt fragen, was ein Trilemma ist. Zuerst erkläre ich den Begriff und anschließend, worauf ich hinaus möchte. Es geht um die Geldpolitik der Türkei. Der Begriff ist ein Neologismus, der auf das griechische Wort Dilemma anspielt, bei dem eine Wahl aus zwei Optionen vorliegt. Das Präfix„Tri-“ steht für ‚Drei-‘.

Es gibt zwei Möglichkeiten, ein Trilemma zu beschreiben:

  1. Die Wahl aus drei ungünstigen Optionen, von denen eine gewählt werden muss.
  2. Die Wahl aus drei günstigen Möglichkeiten, bei der nur zwei zeitgleich ausgewählt werden können bzw. bei denen ein Trade-off zwischen den drei Größen besteht (je mehr man sich einem der drei nähert, desto weiter entfernt man sich von einem oder zwei der anderen beiden).

Die erste Erwähnung des Begriffs stammt von dem britischen Prediger Philip Henry aus dem Jahr 1672. Später – im Jahr 1725 – und unabhängig von Henry verwendete Isaac Watts den Begriff.

Eine der ersten Personen, die ein Trilemma formulierte, war der griechische Philosoph Epikur, der die Ansicht eines allmächtigen und wohlwollenden Gottes verwarf. Dazu stellte er folgende Thesen auf:

  1. Falls Gott willens, aber nicht fähig ist, Böses zu verhindern, ist er nicht allmächtig.
  2. Falls Gott fähig, aber nicht willens ist, Böses zu verhindern, ist er nicht gut.
  3. Falls Gott willens und fähig ist, Böses zu verhindern, warum gibt es dann das Böse?

Obwohl diese Aussagen traditionell Epikur zugeschrieben werden, gibt es auch Ansichten, dass diese Aussage bereits von einem früheren Skeptiker, möglicherweise Karneades, getroffen wurde.

Kommen wir auf die Zentralbank und dem Einsatz von Trilemma

Die Zentralbank der Türkei hat abermals die Zinsen runtergesetzt. Die Zinsen stehen bei einem Wert unterhalb der durchschnittlichen Gewichtung des Marktes. Die Zinsen setzt man herab, losgelöst von anderen Überlegungen, die ganz wohl den Markt in Wallung bringen könnten. Das alles, weil Ankara das so haben möchte.

Die 1. Möglichkeit

Jetzt könnte es passieren und passiert auch, dass die Ausländer, wie auch Einheimische nach besseren Zinsen suchen und von der TL zu den Devisen zurückkehren. Ab da wird man feststellen, dass der Wunsch die Devisenkurse stabil zu halten, nicht mehr möglich ist. Diejenigen, die die Devisenkurse stabil halten wollten (Ankara und die Zentralbank), werden somit gezwungen, auf die Devisenreserven des Staates zurückzugreifen.

Die 2. Möglichkeit

Agiert man anders herum und hält die Zinsen hoch, würden die ausländischen Fonds in die Türkei, in die Türkische Lira investieren. Die türkische Währung würde an Wert gewinnen. Auch in diesem Fall müsste die Zentralbank, um die Devisenkurse stabil zu halten, agieren und müsste Devisen kaufen und so die Reserven zu erhöhen versuchen.

Was die Folge wäre:

Jetzt könnte man sagen, dass die zweite Möglichkeit besser bzw. weniger schlecht klingt. Hier kommt die Inflation ins Spiel. Es hat Tradition in der Türkei, dass man die Inflation nicht stabil halten kann. Gewinnt die eigene Währung an Wert, kommt zwar Bewegung in den Inlandsmarkt, doch sind die türkischen Produkte dann teurer und folglich international nicht mehr konkurrenzfähig. Für ein Land wie die Türkei, wo der Verkauf nur über den günstigen Preis funktioniert, nicht so vorteilhaft. Der Außenhandelsdefizit wird wachsen und zu einem sog. „Sudden Stop“ führen. Was bedeutet, dass die ausländischen Geldströme in die Türkei abrupt abreißen. Eine neuerliche Wirtschaftskrise wäre dann die Folge.

Ist dann Trilemma eine Lösung?

Theoretisch kann das eine Zeit lang funktionieren. In der Zeit muss man die ausländischen Märkte genau beobachten und entsprechend die Zinsen regulieren. Eigentlich spielen die niedrigen Zinsen im Ausland der Türkischen Zentralbank in die Hand und machen eine Zinssenkung im Lande plausibel. Bei Minuszinsen im Ausland, denkt man in der Türkei; „Egal wir niedrig die Zinsen in der Türkei sind, der Ausländer bleibt mit seinem Geld hier!“ Eigentlich eine falsche Annahme. Wenn wir die USA mal vom Rest trennen, werden die sonstigen Märkte derzeit keine großen Sprünge mehr nach oben machen können. Im letzten Jahr ist schon ein riesiger Batzen an Devisen wieder aus der Türkei raus geflossen. Die Zentralbank glaubt, dass dieses Jahr ähnliches nicht passieren wird.

Es gibt zwei Punkte, die dieses Szenario durchkreuzen könnten:

Da ist zum einen die Syrien-Krise, wo man nicht weiß, wie es weitergehen könnte und zum zweiten, dass die niedrigen Zinsen und dadurch gestiegene Kreditaufnahme die Inflation befeuern könnte, was wiederum den Druck auf die Devisen erhöht.

Das könnte durchaus passieren, denn als 2017 der Staat mit Bürgschaften die Unternehmen rettete bzw. zu retten versuchte, kam Bewegung in den Markt und die Inflation wurde zweistellig. Die Risiken haben heute ebenfalls Bestand.

Die Anstrengungen der Zentralbank, die Devisen stabil zu halten, führen dazu, dass die Reserven nicht vergrößert werden können. Das ist die große Achillesferse der Zentralbank.

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