Thüringen – Lasst Erdogan machen!

In doppelter Hinsicht von Regen in die Traufe gekommen. Gäbe es die wenigen Deutschtürken nicht, denen mein Erdogan-Kritik nicht passt, könnte ich heute immer noch in meiner geliebten Stadt Alanya leben und meinem Beruf als Berater deutscher Unternehmen in der Türkei nachgehen. Das ständige Denunzieren dieser o.g. Personengruppe hatte zur Folge, dass die Sicherheitsbehörden der Türkei zwangsläufig handeln mussten und mich nicht in Ruhe ließen. Jetzt bin ich als Deutscher in Deutschland, aber auch in dem Land derer, die mich aus der Türkei rauskatapultierten.

Es ist ein unbeschreibliches Gefühl in Deutschland zu sein, allein seine Meinung kundtun zu können, ohne verhaftet zu werden, ist es wert, hier zu sein. Demokratie pur! (Nicht lachen, ich sage gleich etwas dazu).

Thüringer Bratwürste

Ich versuchte mich mit den neuen Umständen zurechtzufinden und wunderte mich wie sehr sich Deutschland in meiner Abwesenheit, als ich hauptsächlich in der Türkei lebte, verändert hatte. Die vielen Geschäftsreisen der letzten Jahre nach Deutschland hatten mir wohl doch einen verzerrten Eindruck vermittelt. Es ist etwas anderes, wenn man mittendrin lebt. Mein Deutschland, wo war es geblieben? Es war fast nicht mehr wiederzuerkennen. Mitten in der Anpassungsphase kam es in Thüringen zum “Kemmerich-Gate”, wie man seit Watergate Skandale zu bezeichnen pflegt. Ein Bundesland, das ich mit Sympathiepunkten belegt hatte, schon wegen der Thüringer Bratwurst. Ein Landesparlament, demokratischen Wahlen entsprungen, aber nicht regierungsfähig. Ein Ministerpräsident für einen Tag, weil ihn die AfD mitgewählt hatte. Für mich ein Déjà-vu. Das ist ja wie in der Türkei! Dort akzeptiert man die prokurdische HDP nicht, obwohl, wie Erdogan demokratischen Wahlen entsprungen. Die Lage ist in den letzten Tagen so verworren geworden, dass Deutschland bald nicht mehr regierbar werden wird. Wenn ich einem unbeteiligten aus der Türkei versuche Deutschland bzw. die Situation in Thüringen zu erklären, stellt mein Gegenüber unweigerlich die Frage: “Was passiert, wenn die AfD den favorisierten KandidatenIn jedesmal mitwählt?” Prompt folgt die nächste Frage:  “Warum verbietet man die Partei nicht?” und dann der Rat an Merkels Adresse: “Die Merkel sollte es wie Erdogan machen  und den Vorsitzenden der AfD in den Knast schicken und für ihn lebenslänglich verlangen!”  

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