Zuckerberg hätte es in der Türkei vielleicht zu einem Fabrikarbeiter gebracht

Nach Jahren, mit so viel Erfahrung im Gepäck muss ich feststellen, die Geschäftsidee war toll, darauf konnte man bauen.

Mein Businessplan, fast fünfzig Seiten stark, gebunden und mit Hochglanzdeckel, ich mit Krawatte und Anzug, was sollte da noch schiefgehen? Eigentlich hätte die Existenz des Businessplans reichen müssen. Etwas total Außergewöhnliches für türkische Verhältnisse, denn zu Beginn einer Unternehmung hat niemand einen Businessplan zur Hand. Der potentielle Investor saß vor mir, ich mit meinen 24 Jahren war ziemlich nervös. Er schaute sich den Businessplan zu Schauzwecken an, denn ich hatte es ihm vorher schon zugeschickt. “Dieser eine Punkt machte mich stutzig!” sagte er und zeigte auf das Geschäftsführergehalt, das ich mir zugestanden hatte.

“Was ist damit?” fragte ich. “Wir sind doch Partner, da wollen Sie sich direkt zu Geschäftsbeginn ein Gehalt bezahlen?” Was ich zu der Zeit nicht wusste, weil ich noch unerfahren war, sollte ein Leben lang Gültigkeit haben. Es scheint auf einem Gendefekt bei türkischen Investoren zu beruhen, dass wenn die eine Seite die Idee hat, und die Arbeit leistet und ein türkischer Investor das Geld gibt, sich der Initiator bis zu den ersten Einnahmen keinen Betrag zum Lebensunterhalt herausnehmen darf.

Und wenn doch, dann nimmt sich der Investor den gleichen Betrag heraus und denkt, dass ist nur fair. An diesem Punkt könnt Ihr dem potentiellen Investor nicht klar machen, dass Ihr ja in der Zeit auch von irgendetwas leben müsst.

Nach einiger Zeit konnte ich stolz darauf sein, dass mein Plan funktionierte. Die Idee wurde umgesetzt und erwirtschaftete die erwartet hohen Gewinne. Der Haken an der Sache war aber, ich war nur der Zuschauer, denn der potentielle Investor von damals hat das Projekt selber in die Tat umgesetzt.

So oder so ähnlich ticken viele potentielle türkische Geldgeber. An der Stelle wo sie registrieren, dass der Geldsuchende sich ein Gehalt eingeplant hat, denken sie sofort, dass sie einem Betrüger aufgesessen sind. Wovon soll den der Gute den leben? Selbst Wasser und Brot kosten Geld. Aber die Frage möchte sich der Investor nicht stellen.

Ein unüberwindbares Problem im Kopf des potentiellen Investors. Noch keine Einnahmen, aber der Herr nimmt sich ein Gehalt raus, das haben wir gern!

Die türkischen Startups können einem leid tun. Dabei spreche ich von denen, die wirklich etwas Gescheites entwickelt bzw. vorhaben. Zu Beginn gibt es kaum Startkapital bzw. Fördergelder. Geld gibt es nicht zu Anfang, sondern immer nach einer gewissen Vorlaufphase.

Facebook wird erfunden!

Wäre damals Mark Zuckerberg mit der Suche nach den nötigen 500.000 USD in der Türkei gestartet, wäre er jetzt mit der Tochter des potentiellen Geldgebers, der nichts hergab verheiratet und beschnitten dazu. Nun gut, als Jude dürfte er das schon vorher gewesen sein.

Die Geschichte hätte sich so abgespielt: „Mr. Yildirim, ich habe da eine super Idee und benötige dafür 500.000USD.“ „Schau mal Mark, vorher gibt es nichts bei uns. Erst musst du beweisen, dass dein Vorhaben funktioniert.“

Mark: „Ja, aber ich kann doch nicht, wenn ich das Geld nicht habe.“

Mr. Yildirim: „Das muss gehen, in einem Jahr sehen wir uns dann wieder.“

In der Zeit findet Mark andere Geldgeber und das Unternehmen ist schon nach einem Jahr Multimilliarden USD schwer. Das bekommt Mr. Yildirim auch mit und fliegt in die USA, um seine 500.000 USD dem Mark zu geben, damit er 80% von Facebook besitzt.

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