Wo bleibt das Positive?

Über gute und schlechte Kritiken. Meine Kolumne aus den Tagesspiegel (16.01.2020).

Einem Filmkritiker sagst du auch nicht „Warum kritisierst du immer?“ In meinem Blog go2tr.de, in dem ich auf die Missstände in der Türkei und gelegentlich auch in Deutschland hinweise, werfen mir die Türkeistämmigen vor, ständig zu kritisieren. „Schon mal gehört, dass man die Missstände lobend erwähnt?“ Auf meine Gegenfrage heißt es dann: „Gibt es denn nichts Gutes in der Türkei, dass du auch mal darüber berichtest?“

Das tue ich auch, nur das Negative fällt leider Gottes umso stärker auf und ist Sinn und Zweck der Sache. Nur, wenn man es als Angriff aus das Türkentum versteht, und das tun einige, habe ich die A-Karte gezogen. Schon bin ich für die, die mit wenig Worten im Leben auskommen müssen, ein Terrorist. Da ich auch einige Missstände in Deutschland kritisiere, leitet man davon ab, dass ich außerdem auch ein Nazi sein müsse.

Dabei gibt es aus der Türkei durchaus Positives zu berichten. Ich zitiere mal die Mehrheit der deutschen Türkei-Touristen: „Die Türken sind sooo gastfreundlich!“ Sind sie auch. Die ehrlich gemeinte Gastfreundschaft werdet ihr eher erleben, wenn ihr euch unter die Türken mischt. In den Urlaubsgegenden vermischt sich damit auch schon mal Geldgier, weil man sich von euch was erhofft. Ansonsten ist „der Türke“ ein herzensguter Mensch, der seinen letzten Cent mit dir teilen, ja sogar dir geben würde. Alleine wenn du still in einer Ecke stehst und auf dein Schiff wartest, das dich von der anatolischen Seite von Istanbul auf die europäische bringen soll, kannst du erleben, wie Menschen zum Beispiel Sesamringe kaufen und Bedürftigen weiterreichen. Steige mal als Ausländer in den Bus und frage: „Kann mal jemand für mich einen Fahrschein entwerten?“ Schon wird ein Fahrgast aufspringen und für dich einen Fahrschein lösen.

Wenn ihr zu zweit seid, auch kein Problem. Ich bin mir sicher, zumindest habe ich das nur so erlebt, man wird von euch kein Geld annehmen. Besonders wenn ihr Fremde seid in der Stadt. Das gehört sich so. Ich habe auch schon oft für andere entwertet und siehe da, ich konnte auch kein Geld nehmen. Ich glaube, dass das genetisch bedingt ist. Natürlich wird diese Einladung nicht sofort akzeptiert. Die Kämpfe, geben wollen – nicht nehmen – geben wollen – nicht geben, können sich hinziehen. Oftmals ist die Haltestelle, an der eine der Streitparteien aussteigen muss, die Rettung. Nun gut, der Nebeneffekt ist, dass man im Ausland gut über den Türken spricht. Ein Fürsprecher mehr schadet nicht.

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