Türkei: Berg- und Talfahrt der Zinsen – Geld zur Bank bringen, lohnt sich nicht mehr

Früher gab es in der Türkei mehr Tante Emma Läden als heute. Dass die Lebensmitteleinzelhandelsketten denen hart zusetzten, kann man vermuten, doch sind die meisten aus einem ganz anderen Grund in Schwierigkeiten geraten und mussten letztendlich aufgeben.

Die hohe Inflation, mit wenigen Ausnahmephasen fast chronisch in der Türkei, setzte diesen Läden hart zu. Die Hersteller der Produkte erhöhten bzw. passten ihre Preise der Inflation an. Erst beim Nachbestellen fehlender Produkte stellte der Ladenbesitzer oftmals fest, dass seine ausgeschilderten Verkaufspreise unter dem der aktuellen Einkaufspreise lagen. Also machte er Umsatz, hatte immer Geld in der Kasse, jedoch verlor er an Substanz. Oftmals waren fehlende Kenntnisse beim Wirtschaften der Grund, dass er sich nicht erklären konnte, wie er bei gut laufenden Geschäften auf einmal pleite ging bzw. in Zahlungsschwierigkeiten war.

Der türkische Bürger wirtschaftete wie der Tante Emma Ladenbesitzer

Bei vielen türkischen Bürgern ist die Situation identisch mit dem des o.g. Ladenbesitzers. Schon zu den Zeiten, wo die Inflation 40,50,60% und höher betrug, lebten sie von den Zinseinnahmen vom Erspartem. Was ihnen nie so ganz bewusst wurde, war die Tatsache, dass die Sparzinsen immer unter der Inflationsrate blieben. So verloren auch sie immer mehr an Substanz. Als dann die Ersparnisse auf einmal nicht mehr da waren, merkten sie, wie sehr sie vom Substanz zehrten.

Die Sparzinsen können nicht mehr tiefer gehen.

Um die Investitionen anzukurbeln übt die Regierung Druck auf die Zentralbank und dieser setzt die Kreditzinsen immer tiefer an. Parallel gehen natürlich auch die Sparzinsen in den Keller. Da die Inflation beschönigt niedrig gerechnet wird, aber als Messlatte dient, liegen die Sparzinsen weit unter der gelebten, gefühlten Inflation, die weit über 50% liegt.

Berg- und Talfahrt der Zinsen

Im Juni 2019 lag der Sparzins bei ca. 23% und im Januar 2020 schon unter 10% und das bei immer steigender Inflation (nicht beschönigt). Menschen, die wenigsten, die noch Geld auf dem Konto haben, zehren von der Substanz und das gewaltig. Übrigens darf man sich keine falschen Vorstellungen machen, wenn ich hier von Ersparnissen und Geld auf dem Konto rede. Die Türkei ist keine Sparernation. Die als Ersparnisse erwähnten Beträge sind zumeist der Verkaufserlös aus einem Immobilienverkauf u.ä.

Ein harter Winter für die Menschen in der Türkei. Allein die Erdgaspreise sind im Vergleich zum letzten Winter 56% höher. Bei Strom kam es noch schlimmer.

Am 1. August 2018 wurden die Strompreise 9% für die Privathaushalte und 14% für die Industrie angehoben. Am 1. September und 1. Oktober folgten abermals 9%ige Strompreisverteuerungen. Am 1. Juli und 1. Oktober 2019 dann jeweils 15%.

Hast du dir schon mal diese Frage gestellt?

Wenn die Energiekosten über 50% sich verteuerten, schließlich benutzen alle Hersteller Strom und Erdgas und müssen diese Verteuerungen auf ihre Verkaufspreise aufschlagen, wie kann die 2019 Inflation bei unter 12% sein?

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