Stellenausschreibung: Buchhalter gesucht (aber was für einer?)

Drei schaffen es bis zum persönlichen Bewerbungsgespräch. Der Chef ruft den ersten Kandidaten herein und fragt kurz und bündig: „Was ergibt 2 x 2?“ Nach jeder richtigen Antwort folgt eine schwierigere Mathe-Aufgabe. Die Antworten fallen bei den ersten beiden Kandidaten allesamt richtig aus.

Dann ist der dritte dran. Also geht es mit der einfachsten Frage los: „Was ergibt 2 x 2?“ Prompt springt der Kandidat von seinem Sitz auf, rennt zur Tür, schließt ab, rennt zum Fenster und macht die Rolladen runter und stellt dem Chef die Gegenfrage: „Chef, was soll den rauskommen?“ „Fünf, drei, siebzehn?“ Sofort wird der Kandidat eingestellt.

Solche Leute sind im Staatsapparat der Türkei am Werk. Früher achtete man darauf, dass wenigstens Grundkenntnisse in Buchhaltung, Mathematik oder Statistik existierten, heute nimmt man sie auch direkt von der Kunsthochschule, denn Schönrechner sind gefragt. Die Zahlen müssen nicht stimmen, aber sollen positiv klingen und für gute Laune in der Bevölkerung sorgen.

Die Türkei bräuchte so einen wie Meyer Lansky, der von den 1930er bis in die 1960er Jahre in den USA wirkte und als „Bankier des organisierten Verbrechens“ bezeichnet wurde. Die Buchhaltung stimmte bei ihm immer und was krumm und schief lief, hatte er in seinem Gedächtnis eingeprägt, so das er niemals verurteilt werden konnte. Für eine Verurteilung fehlten einfach jegliche Beweise.

In der Türkei liegt der Fall anders. Hier wurden die Bücher nicht doppelt geführt. Auch hat niemand die realen Zahlen, wie Meyer Lansky im Kopf behalten, es gibt nur die falschen Zahlen, die man je nach Situation änderte oder anpasste. Kein Mensch kann die Zahlen der Türkei heute rückblickend so rekonstruieren, dass man dem realen Ist-Zustand der Türkei nahekommt. Es gibt nur das ‚jetzt‘ und sonst nichts.

Wer in der Türkei nach der AKP an die Macht kommt, muss erst einmal eine breitangelegte Inventur machen und schauen, was noch da ist. Es wird und muss einen Neuanfang geben, so dass die Türkei wieder glaubwürdig wird, was die Zahlen angeht und wieder Planungssicherheit hat.

In der Türkei schafft man es,“Heiße Luft“ sichtbar zu machen. Heiße Luft in Form eines Autos aus Italien brachte man noch vor Jahresultimo schiebend auf die Bühne und sagte, es wäre Türkisch. Die daran beteiligten Unternehmer wurden fast genötigt, damit sie sich an dem Projekt beteiligten. Welcher vernünftige Mensch sonst würde riskieren in diese Weltkonjunktur hinein ein „Autoprojekt“ bei null zu starten? In der Türkei kann man heiße Luft sichtbar werden lassen. Schau dir Erdogan an! Das wird man aber erst richtig merken, wenn er gegangen ist.

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