“Mir passiert schon nichts!” -Vor einem möglichen großen Erdbeben in Istanbul

Eines Tages wird die Türkei wieder neu aufgebaut werden müssen.

Das große Erdbeben wird Istanbul unweigerlich treffen. Die Stadt steht geologisch auf extrem problematischem Gebiet. Unterhalb des Marmara-Meeres, verläuft die sogenannte Nordanatolische Verwerfungszone. Dort haben sich die eher kleine Anatolische Erdplatte im Süden und die weit größere Eurasische Erdplatte im Norden ineinander verhakt. Diese beiden Platten sollen sich früher eigentlich immer jährlich ca. 2 cm voneinander entfernt haben. So entstand der Bosporus. Nur seit dem großen Erdbeben von 1766 scheint das nicht mehr möglich zu sein. Wie o.g. haben sich die beiden Platten ineinander verhakt. So erhöht sich die Spannung von Tag zu Tag. Über kurz oder lang wird sich diese Energie entladen und es wird ein Erdbeben verheerenden Ausmaßes geben. Heute, morgen, oder in einigen Jahren, aber es wird passieren.

Istanbul bedeutet die Türkei alles und Istanbul wird nach dem großen Erdbeben nicht mehr funktionieren

Bei jedem Erdbeben erinnert man sich in der Türkei, dass die Gefahr da ist und dass man darauf gewappnet sein muss, aber das Wissen darüber kann man gerade mal einige Tage aufrechterhalten. Danach geht der alte Trott wie gehabt weiter. Bis es dann irgendwo wieder passiert. Die Türkei ist darauf nicht vorbereitet und die Stadt Istanbul schon gar nicht.

Was kann passieren?

Ob es ein gewaltiges Erdbeben von der Stärke oberhalb 7,0 gibt, womit man rechnet, oder mehrere etwas Kleinere, kann heute niemand voraussehen. Nur, wer die engen, die steilen Straßen von Istanbul kennt und weiß, dass 70% der Gebäude (staatl. ermittelte Zahl, deshalb die vorgesehene Urbana Transformation, dass die Gebäude abgerissen und neu, dann höher, gebaut werden), bei vorsichtiger Einschätzung dem großen Erdbeben nicht standhalten, in sich zusammenbrechen und die Straßen der Stadt größtenteils blockieren werden, kann man erahnen, was uns bzw. den Istanbuler bevorsteht. Ich habe davon gesprochen, dass nach dem großen Erdbeben die Türkei neu aufgebaut werden muss, dem ist auch so, nämlich über 80% der türkischen Unternehmen haben entweder ihre Zentralen in Istanbul, oder sind vom Hause aus in Istanbul angesiedelt. Die türkische Wirtschaft würde in sich zusammenbrechen und eine lange Zeit nicht mehr auf die Beine kommen.

Das Erdbeben kommt für die Türkei nie vom heiteren Himmel

Auch vor dem Erdbeben in der ostanatolischen Stadt Elazig letzte Woche, gab es, so hört man, Tage vorher schon Anzeichen, dass was passieren könnte, jedoch hatte man diese nicht ernst genommen.

Wie war das am 17. August 1999?

Das Erbeben rief: „Ich komme!“ und doch hat man es nicht ernst genommen. Das steht in einem offiziellen Bericht vom November 1999. In diesem Bericht steht, dass am 16. August 1999 um 23.59 Uhr in Karamürsel ein Erdbeben von Stärke 3,1 gab. Um 2:09 Uhr dann gab es ein Erdbeben der Stärke 4 in Karapürcek. 7 Minuten später, um 2:19 Uhr dann folgt ein Erdbeben der Stärke 4,0 in Izmit. 3 Minuten später dann ein Erdbeben der Stärke 4,6 in Akyazi. 31 Minuten später dann um 2:50 Uhr ein Erdbeben der Stärke 4,2 in Sapanca. Wahrscheinlich schliefen die meisten und merkten nicht viel. 11 Minuten nach dem letzten Erdbeben in Sapanca dann, folgte in Gölcük ein Beben der Stärke 7,4 und machte ziemlich viel platt. Fast 3 Stunden vorher schrie das Erdbeben geradezu, dass er kommt, aber niemand reagierte. Wie gleichgültig man alles danach noch nimmt, sieht man daran, dass tausende beschädigte Gebäude von damals, heute noch bewohnt werden.

Die meisten Sammelplätze sind zugebaut worden

In Istanbul markierte man nach dem großen Erdbeben von 1999 Sammelplätze, wo sich alle einfinden sollten, wenn nochmal ein Erdbeben gäbe. Nur sind diese meisten dieser Plätze bereits bebaut worden.

So stehen die Istanbuler völlig unvorbereitet da und wüssten nicht, was zu tun wäre, wenn das große Erdbeben kommt. Die Schätzungen gehen von 40 bis 200.000 möglichen Toten aus. Noch schlimmer wird es die Verletzten treffen, denn über welche intakten Straßen sollen sie in welche noch nicht beschädigten Krankenhäuser gebracht werden?

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