“Ich möchte einen Export eröffnen!” Klingt falsch? Dann musst du weiterlesen!

Was die Gründe waren, dass ein Begriff fälschlicherweise in den Köpfen der damaligen türkischen “Gastarbeiter”, als ein deutsches Wort Einzug erhielt und in deren Alltag lange Zeit nicht mehr wegzudenken war, erkläre ich euch heute.

Die Deutschtürken nannten früher Einzelhandelsgeschäfte, welche Elektro- und Geschenkartikel verkauften; EXPORT. Ob der Begriff heute noch gebräuchlich ist, weiß ich nicht mehr.

Als die ersten Türken in Deutschland träumten ihre eigenen Geschäfte zu eröffnen, hatten sie einen Dönerladen oder Imbiss, noch nicht im Sinn.

Oftmals hieß es: “Ich möchte einen Export eröffnen!” Klingt etwas falsch, oder? So ist es auch, denn der Export ist der Verkauf von Waren ins Ausland. Nicht aber in unserem Fall.

Warum wird dann ein Einzelhandelsladen, der nur die Kundschaft im Lande bedient, Export genannt?

Hattest du den Eigentümer eines solchen Ladens gefragt: “Was exportieren Sie denn?” Hätte er wahrscheinlich dumm aus der Wäsche geschaut und gedacht: “Was will dieser Idiot?”

Wie ist es dazu gekommen?

Es war reiner Zufall, dass ich mit dem Gründer des ersten Export-Ladens, der nichts exportierte, Bekanntschaft machte.

In den 70er Jahren beabsichtigt ein gewisser Benito Tamburi (Türke, Italiener, Grieche), der Vater meines lieben Freundes Giorgio, nach dem er anfänglich Elektrogeräte direkt vor den Wohnheimen der Gastarbeiter von damals verkauft hatte, einen Ladenlokal in Köln – Weidengasse zu eröffnen (heute steht dort ein Juwelierladen).

Er wollte Elektrogeräte und Geschenkartikel (später kamen türkische Musikkassetten hinzu) verkaufen. Der Laden sollte, wie er mit erklärte, “Tamburi Export – Import” heißen. “Tamburi Export” hatte er schon mit den selbstklebenden Buchstaben, die man damals benutzte, wenn man Schaufenster beschriften wollte, beklebt. Dann merkt er, dass die Buchstaben, um IMPORT zu schreiben, nicht ausreichten. Er beließ es dabei. Da er der einzige war, der solch ein Geschäft betrieb, lief der Laden bombig. Auf einmal vergaß er, dass er ja noch Selbstklebebuchstaben kaufen und “Import” dran kleben wollte. So glaubte der damalige “Gastarbeiter”, der an dem Laden vorbeikam oder kaufte, dass die Gattung von Läden dieser Art “Export” heißen müsse.

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So ging es früher, wenn man Schaufenster beschriften wollte.

Mir fiel die Geschichte ein, als mich einer über ein Business-Plattform kontaktierte und fragte, ob ich ihm bei der Eröffnung eine “Exports” behilflich sein könne. Er schickte mir auch einen Businessplan, eigentlich ungewöhnlich für einen Türkeistämmigen, denn in die Selbständigkeit geht man grundsätzlich ohne einen BP an. Die Überschrift hieß: “Die Eröffnung eines Exports”. Ich wunderte mich doppelt. Zum einen, dass ich einen traf, der einen Businessplan hatte und zum anderen, dass dieser Ausnahmemensch, immer noch glaubte, dass solche Läden ‘Export’ heißen könnten bzw. müssten.

Samowar-Teekocher, ein typischer Artikel aus einem sog. Export-Laden.

Evtl. noch als Erklärung. 1961 waren die Menschen in der Türkei mit dem Begriff noch nicht konfrontiert. Die Exporte der Türkei beliefen sich in dem Jahr auf 346.740.000 USD, wovon die Hälfte alleine durch die Koc Gruppe gestemmt wurde.


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