Der Welt Merkwürdigste Kreatur

Wie ein Skorpion bist du, mein Freund
in der angsterfüllten Finsternis gefangen, einem Skorpion gleich.
Wie ein Spatz bist du, mein Freund
so furchtsam und hastig, einem Spatzen gleich.
Wie eine Muschel bist du, mein Freund,
fest verschlossen, einer Muschel gleich, sorglos und zufrieden.
Und wie ein erloschener Vulkanschlund, schrecklich bist du, mein Freund.
Du bist nicht einer allein,
ihr seid nicht fünf,
Hunderte Millionen zählt ihr, ja bedauerlich.
Wie ein Hammel bist du, mein Freund,
sobald der Viehhändler in seiner Felljacke den Knüppel schwingt,
bist du längst in die Herde eingereiht.
Und voller Stolz schreitest du zur Schlachtbank hinauf.
Will sagen, der Welt merkwürdigste Kreatur bist du, mein Freund.
Noch viel merkwürdiger als jener Fisch,
der im Meere lebt, es doch kein Bisschen kennt.
Und all dies Unrecht und Leid auf dieser Welt
ist nur möglich, weil du es zulässt.
Und wenn wir nun Hunger leiden, zerschunden sind, blutüberströmt,
und wenn wir noch immer wie Trauben zerquetscht werden, um Wein zu sein
der Grund bist du.
– Dies zu sagen, bring ich kaum übers Herz –
Die Hauptschuld, mein lieber Freund, trägst du!

Gedicht: Nâzım Hikmet Ran (1902-63) „Dünyanın En Tuhaf Mahluku“

Ins deutsche Übertragen von meinem lieben Freund Danyal Nacarlı, Hamburg, der diese Kunst beherrscht, wie kein anderer.

Nazım Hikmet Ran . Begründer der modernen türkischen Lyrik. Immer in Clinch mit der Obrigkeit. Ein wahrlich Großer!

Des Landes zerstückelter Leib

Wenn er heute leben würde, würde er als Terrorist eingestuft werden und im Gefängnis schmoren.
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