Mit 26 Jahren die jüngste Lehrkraft an einer türk. Universität

Würde sie mir über dem Weg laufen, würde ich mich in sie verlieben. Die Rede ist von meiner Großmutter Hilmiye Dener. So wie sie aussah, so stark war sie auch, in jeder Beziehung. Eine Power-Frau.

Mit 26 Jahren war sie die Jüngste, die an einer türkischen Universität lehrte. Mathematik, Betriebswirtschaft und Astronomie waren ihre Hauptfächer. Mit meinem Großvater, der Professor für angewandte Physik war, schrieben sie für Gymnasien und Universitäten über 500 Lehrbücher.

Alle früheren Persönlichkeiten der Politik und des öffentlichen Lebens der Türkei waren ihre StudentenInnen. Bülent Ecevit, Süleyman Demirel, Erdal Inönü, die große Künstlerin Safiye Ayla, die meine Großmutter zu ihren Lebzeiten öfter besuchten, um zu sehen, wie es ihr geht. Alles Menschen mit Anstand, die es heute nur sehr wenige gibt in der Türkei (leider muss ich diesen einen gemeinsamen Nenner dieser Menschen unterstreichen).

Wenn sie mich als Kind an der Hand nahm und wir in Ankara einige Hundert Meter miteinander gehen wollten, kamen wir nicht von der Stelle, weil gefühlt so ziemlich alle Menschen, die uns begegneten, sie kannten. Die Umarmungen und Small Talks dauerten manchmal so lange, dass wie nach einer Stunde, unverrichteter Dinge ins Haus gingen.

Mit meinem Vater zusammen.

Einmal, als sie uns in Deutschland besuchte, schauten wir Fernsehen. Dort konnte einer aus einer wirren Reihe von Zahlen immer sagen, welches die nächste Zahl war. Da sagte sie ganz trocken “Das ist nicht so schwer” und erklärte uns, wie das geht.

Die Liebe der Gebr. Dener zu den Pferden kam auch über sie zustande. Sie hatte sich wieder einmal überarbeitet. Der Arzt verordnete ihr Ruhe. Sie sollte viel Spazieren gehen und am besten auf der Pferderennbahn von Ankara im Grünen. Das tat sie auch und nahm immer unseren Vater mit, der eine Hauptrolle in meinem Buch “Kaltstart X” spielt. So war er vom “Droge Pferd” infiziert und übertrug diese Krankheit an uns.

Möge sie in frieden Ruhen, diese tolle Frau, der der Jugend der Türkei ihrer Zeit sehr viel gegeben hat.

Das ist sie auch.

Ach ja, nach ihrem Tod 1985 fanden sich viele ungeöffnete 4711 Kölnisch-Wasser Flaschen aus ihren Köln-Reisen. Die Waren nicht geöffnet und einige Jahrzehnte alt. Wisst Ihr, wie die sich halten?

Mein Wortschatz reicht nicht um diesen Gestank zu beschreiben.

Vodafone Türkei FlatKaltstart X - Das Buch von Ahmet Refii Dener

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