Fachkräfteeinwanderungsgesetz – Langes Wort und fast nichts dahinter

Wenn ich sehe, wie sich die PolitikerInnen auf die Schultern klopfen, dass sie das Fachkräfteeinwanderungsgesetz durch haben, kann ich mich nur aufregen. Wie realitätsfern muss man sein, um so etwas als Erfolg zu feiern? Klar, es ist ein Schritt nach vorne, aber bei diesem Schritt bleibst du auf der Stelle stehen.

„Uns fehlen nicht nur Ingenieure! Wir suchen LKW-Fahrer, Arbeiter für die Produktion, Pflegekräfte, Reinigungskräfte, Staplerfahrer etc.“ hört man vielerorts in Deutschland. Jetzt soll das Fachkräfteeinwanderungsgesetz ab dem 01. 03. 2020 in Kraft treten und dem Abhilfe schaffen. Vielleicht wissen es einige noch nicht, aber jeder Türkischstämmige ist ein potentieller Türkei-Berater vom Hause aus. Das ist den meisten in die Wiege gelegt worden, glauben sie zumindest selbst. Bekanntlich verderben zu viele Köche den Brei. So ist das auch in dieser Sparte. Matsch, wo man hintritt. Erdogan der Prächtige schreckt die Unternehmen ab und so möchte kaum ein Unternehmen mehr in die Türkei, obwohl auch hier die Ausnahmen die Regel bestätigen. Das hilft aber nicht darüber hinweg, dass die Masse der Türkei-Berater kaum einen Auftrag hat. So kommt das Fachkräfteeinwanderungsgesetz denen gerade recht. Jetzt nennen sich viele der Türkei-Berater, „Personal-Berater“. Schon ist auch diese Branche versaut. Dabei gibt es nicht viel zu holen. Klar, einige wenige werden evtl. etwas bewegen können, aber die Vorzeichen sind denkbar schlecht.

Wenn ich heute einem türkischen LKW-Fahrer sage, dass er in 2020 nach Deutschland könne, leuchten seine Augen. Bis er dann hört, dass er dafür ein Deutsch-Zertifikat vorweisen muss. Dabei kommt es darauf an, wo man das Zertifikat gemacht hat. VHS ähnliches gibt es in der Türkei auch. Wer dort sein Deutsch-Zertifikat gemacht hat; dabei spielt es keine Rolle ob, A1, A2, B1, oder B2, spricht am Ende grundsätzlich kein Wort Deutsch. Wenn doch einige Standardsätze, dann verstehen sie kein Deutsch. Überhaupt, Deutschland mag für den Auswanderer sexy erscheinen, allerdings nur auf den ersten Blick. Denn schon die nächste logische Frage macht alles zunichte: „Kann meine Familie mit?“ Biiiep! Patient tot!

Diese Frage ist seitens der Bundesregierung noch nicht geklärt worden. Dann warten auf die AnwärterInnen noch andere Hindernisse. Nicht einmal Deutsche finden eine Wohnung, wie soll ein gerade eingereister Ausländer, von dem der Vermieter nicht einmal weiß, wie lange er in Deutschland bleiben kann und wird, ob er alleine oder mit Familie leben wird, eine Mietwohnung bekommen? Die Chancen stehen knapp über Null. Am leichtesten ist da eher einen Job zu bekommen, um die Stelle dann wegen der vielen Hindernisse doch nicht anzutreten.

Ich finde man sollte damit anfangen, dass die AnwärterInnen zuerst mal das Wort „Fachkräfteeinwanderungsgesetz“ aussprechen. Wer das schafft, sollte die erste Hürde vor der Einreise nach Deutschland genommen haben. Dabei sollte der Beruf keine Rolle spielen, denn ich denke, wer so ein Wort aussprechen kann, bei dem kann man gewissen Intellekt und Geschick in allen Bereichen voraussetzen.

Das Foto zum Text sollte genauso absurd sein, wie das Fachkräfteeinwanderungsgesetz.
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