„Die Arbeitslosigkeit haben wir in den Griff bekommen!“

Das ist der Grundtenor, wenn Erdogan der Prächtige und seine Leute vor die Kameras treten und sich zu der Arbeitslosigkeit der Türkei äußern. Wie sieht es wirklich aus?

Normalerweise geht die Arbeitslosigkeit saisonbedingt in den Sommermonaten runter. Die Arbeitslosenquote der Türkei blieb dieses Jahr im Sommer stabil, stabil schlecht. Juli 13,9%, August 14% und September 13,8%. Vor lauter Bäume, scheint es, sieht man den Wald nicht.

Üblicherweise suchen die Verantwortlichen unter den Zahlen die, die am positivsten klingen. So vergleicht mal manchmal mit dem Vormonat, oder nimmt eine Zeitspanne von anno dazumal. Aussagekraft ist gleich null.

Manche Dinge haben immer Bestand

Das türkische Bildungssystem hat es  in keiner Phase geschafft, dass die Schüler Fremdsprachen lernten. Das war schon vor vierzig, fünfzig Jahren nicht anders. Lauter stolzer Eltern, die davon erzählen, dass die Kinder ein „Sehr gut“ in Englisch haben und verschweigen, dass sie kein Wort Englisch sprechen.

Zu diesem Desaster kam in der Erdogan Ära ein weiteres  hinzu. Das Glauben, mit immer mehr Universitäten das Bildungssystem zu verbessern.

Es wurde nichts verbessert, sondern eher verwässert

Immer mehr Universitäten, mit immer mehr exotischen Fakultäten, damit die StudentenInnen leichter zum Abschluss gelangen und dann arbeitslos werden. Die Türkei hat drei Armeen. Die Militärs mit fast 800.000 Mann, das Security-Personal mit über 1 Millionen Personen und die arbeitslosen Akademiker mit 1.250.000 Personen.

Die Statistiken diesbezüglich fangen beim Statistischen Amt der Türkei (TÜIK) erst 2014 an. In dem Jahr gab es 769.000 arbeitslose Akademiker. 2015 dann 789.000, 2016 993.000 und 2017 dann, hat man die 1 Million Grenze überschritten. Diese Tabelle nahm dieses Jahr an Fahrt auf. Es sind in einem Jahr, während die Jahresendwerte noch nicht da sein können, um 160.000 gegenüber 2018 gestiegen.

Es gibt 8,5 Millionen Akademiker und von diesen sind 1.250.000 arbeitslos. Von 100 Arbeitslosen sind 27 AkademikerInnen. Übrigens ist es so, dass die die Arbeit finden, zumeist in einem Job arbeiten, der  ihrer Ausbildung in keiner Weise entspricht.

Die Arbeitslosenquote ist bei den Analphabeten am geringsten

Das hat zwei Gründe. Zum einen arbeiten die meisten nicht und denken auch nicht daran und zum anderen, Jobs zu Hungerlöhnen, gibt es zuhauf. Wer am Monatsende tatsächlich Geld ausgezahlt bekommt, kann sich als Glückspilz bezeichnen. Nur 18,3% der Analphabeten stehen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung.

En düşük işsizlik oranı okuryazar olmayanlarda. Ancak zaten okuryazar olmayanlar çalışmayı pek istemiyor ki. Bu durumdakilerde iş gücüne katılma oranı yalnızca yüzde 18.3 düzeyinde.

Berufsschulen sollten gefördert werden

Von denen, die eine Berufsschule besuchen und einen Beruf erlernen, stehen am Ende 65,2% dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Hier beträgt die Arbeitslosenquote 15,2%

Die Unternehmensbosse sagten und sagen, wer diese Schulen absolviert, hätte Arbeit sicher, schließlich würde den türkischen Unternehmen vielen aus handwerklichen Berufen fehlen. Scheint auch nicht der Fall zu sein. Am arbeitswilligsten sind die Absolventen türkischer Universitäten. Von diesen stehen 79% dem Arbeitsmarkt zur Verfügung.

Die Türkei muss ein reiches Land sein, dass sich erlauben kann, die vielen Akademiker und Berufsschüler im Land auf dem kürzesten Wege in die Arbeitslosigkeit zu führen.

Gibt es einen Ausweg?

Quelle: Türkstat (TÜIK)

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