Wie es der Tourismusbranche der Türkei geht, muss man zwischen den Zeilen herauslesen

Die Tourismusbranche kam bei zwei Kongressen in Istanbul und Antalya zusammen. Während in Antalya alles harmonischer verlief, forderten die Branchenvertreter in Istanbul ein Aufschub aller Steuern um sieben Monate. Der Tourismusminister Ersoy, der mit seiner Unternehmensgruppe zu den größten der Branche zählt, erklärte seinen Masterplan für die kommenden Jahre und betonte, dass der Tourismus der Türkei über dem Weltdurchschnitt wächst. Die Werbeausgaben der Regierung seien von 18 Millionen USD (wo doch der Prächtige immer sagt, man soll der TL vertrauen und vom USD wegkommen), auf 72 Millionen USD in 2019 gestiegen. Dieser Betrag soll bis 2023 auf 185 Millionen USD hochgeschraubt werden. Quelle

Dieses Jahr wird die Türkei 51 Millionen Touristen empfangen haben und ist nach den Touristenzahlen auf dem richtigen Weg. Dennoch, die Zahlen sollen nicht täuschen. Immer wieder weise ich darauf hin, dass der Tourist derzeit immer weniger ausgibt und nur über den Preis anzulocken ist. Die Pro-Kopf-Ausgaben der Touristen, betrachtet man die hohen Preissteigerungen der Branche bei der Waren- und Energiebeschaffung, 2005 höher waren als 2019. Was schon nachdenklich stimmen muss und ein Indikator ist, dass es der Branche eigentlich gar nicht gut gehen kann.

Die Branche steht, allein bei den türkischen Banken mit 17,9 Milliarden USD in der Kreide.

Gestern las ich eine Meldung über die Denizbank, was mich hellhörig machte und der Beweis dafür ist, dass die Branche krisengeschüttelt ist.

Der Denizbank Geschäftsführer Hakan Ateş erklärte, dass die Tourismusbranche über seine Bank 3 Mrd. USD an Krediten laufen hätte, wovon 2/3 dieses Jahr umgeschuldet wurden. Er sagte weiter, dass die Türkei nach Touristenzahlen weltweit an 6. Stelle wäre, aber nach den Einnahmen unter ferner liefen.

Leider machte er bei dieser Gelegenheit eine Milchmädchenrechnung auf. Die Türkei würde derzeit weniger importieren und einen positiven Handelsbilanz ausweisen. Gekoppelt mit den Devisen aus der Tourismusindustrie, würde eine Erholung der Wirtschaft die Folge sein. Hierbei berücksichtigt er nicht, dass die Türkei nur über dem Preis verkauft und in diesem Preiskampf kaum einen nennenswerten Überschuss ausweist. Die niedrigen Importe der Türkei sind ebenfalls ein Indikator, dass die Wirtschaft bzw. der Konsum stehen. Türkei wächst immer dann, wenn sie sich verschulden kann und die Importe anziehen und folglich die gesamten Wirtschaft befeuern.

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