Warum gibt mir niemand 100 Euro für mein 4.000 DM Teppich?

Diese Frage begegnete mit bei Facebook. Die Frage möchte ich zuerst in aller Kürze beantworten und dann darauf eingehen, warum das so kommt. Die Antwort auf die obige Frage lautet: „Weil der Teppich nicht mehr wert ist!“

Von zwei Erlebnissen bzw. Erfahrungen in diesem Zusammenhang berichten. Erst einmal mag ich die wertvollen Steine, wie Diamanten, als Handelsware genauso wenig wie Teppiche. Beide kannst du als Otto-Normalverbraucher niemals taxieren. Wie sollst du das können, wenn schon die Gutachter mit unterschiedlichen Zahlen kommen.

Weißt du was ein 20.000 USD Teppich in Antalya am Ende kostete?

Ich hatte noch einige Stunden Zeit bis zu meinem Flug Antalya – Istanbul – Köln, und hielt mich in Antalya Lara auf. Dem Urlauber wird bekannt sein, dass das die Hotelgegend überhaupt ist. Ich glaube es war Ende 80er Jahre. Die 80er und 90er waren, nach Erzählungen der Händler, die vom Tourismus leben, die fettesten Jahre. Allinklusive hatte noch nicht richtig fußgefasst. So passierte es, dass Touristen mit Geld und Kauflust in der Türkei ankamen.

Juweliere und Teppichhändler erzählen, dass sie mehrmals am Tag das Geld zur Bank oder woanders hin, wegbringen mussten. So gut lief das Geschäft. Als ich in Lara an einem Teppichgeschäft vorbeikam und gelangweilt in die Gegend schaute fragte mich, wie sich später herausstellen sollte der Eigentümer des Ladens: “Spielst du Backgammon, wenn du Zeit hast, komm lass uns eine Runde spielen!“ Er hatte wohl mit seinem geübten Blick gesehen, dass ich nicht den Käuferblick draufhatte. Wir spielten fast vier Stunden lang Backgammon und nebenbei bekam ich mit, wie das so in einem Teppichgeschäft ablief. Der angestellte Verkäufer rief zum Chef: „Da ist ein amerikanisches Paar im Anmarsch, die kaufen!“ Der Chef hörte mit dem Würfeln auf, stand aber nicht auf. Er wartete lediglich, dass die von seinem Verkäufer als Amerikaner taxierte Paar in seinem Blickfeld kam. „Zwanzig!“ rief er zu seinem Verkäufer. In einigen Minuten sollte ich erfahren, was er damit meinte. Es ging um den großen Teppich am Eingang. Ich mit meinem geübten Blick (Ironie) schätzte ihn schon beim Eintritt in den Laden als sehr teuer ein. Mit zwanzig waren 20.000 USD gemeint. Der Preis, was der Teppich für die Amerikaner kosten sollte. Das Ehepaar war um die sechzig Jahre alt. Sie erzählten, dass sie orientalische Teppiche sammelten. Die Kaufabsicht war unverkennbar. Sie zeigten auf den Teppich am Eingang. Der Verkäufer sagte „Törtisixtausenddallrrs“. Ihr müsst wissen, auch wenn der Türke nur drei Worte Englisch spricht, spricht er diese, mit amerikanischem Akzent. Was soll ich sagen, der Handel bei reichlich Tee und Gebäck dauerte eine Stunde. Am Ende zahlte das Paar 24.000 USD für den Teppich. Der Chef hatte sich um viertausend Dollar verkalkuliert beim Taxieren.

Den Teppich rollte man zusammen und versprach die Anlieferung im Hotel. Das Paar war sehr angetan vom Service und ging weg. Siehe da, der gleiche Teppich wurde nochmals vom Lager geholt und dort ausgelegt. Es dauerte knapp eine Stunde, bis ein neuer potentieller Kunde auf dem Radar des Verkäufers erschien. Wir waren weiter mit Backgammon beschäftigt. „Deutsches Paar!“ rief der Verkäufer. Wir hörten kurz auf, bis der Chef die Deutschen sehen konnte. „Zwei DM!“ sagte er. Der Verkäufer sagte auf Anfrage des Paares, dass der Teppich 5.000 DM kosten würde. Wir reden von dem Teppich der eine Stunde vorher für 24.000 USD den Besitzer wechselte. Lange Rede kurzer Sinn, der Chef lag richtig. Das Paar bezahlte 2.000 DM und ging.

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland brachte ich das Gespräch immer dahin, dass ich davon erzählen konnte.

In Euro ausgedrückt: 35 Euro Teppich wechselt für mindesten 200 Euro den Besitzer.

Einige Jahre später kamen einige Teppichhändler der Roma zu mir und fragten, ob ich Teppiche aus der Türkei besorgen könnte. Sie gaben mir Muster mit. Ein Teppich durfte maximum 70 DM kosten. Ich habe sie nicht vermitteln können. Diese wurden aber an der Haustür zwischen 2.000 und 400 DM verkauft.

Auch gibt es Händler von Adressen, die von den türkischen Teppichhändlern die Adressen von deutschen Teppichkäufern kaufen und diese weiterverkaufen. So hat der Teppichverkäufer, wenn er an eurer Tür klingelt leichten Zugang. „Guten Tag! Sie hatten letztes Jahr bei uns in Antalya ein Teppich gekauft, wir möchten Ihnen einige neue Modelle zeigen.“ und schon geht es los. Schließlich kennt man sich vom Urlaub her, glaubt der Türkei-Urlauber.

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