Türkei: Warum die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes erfolgen

Bei denen die die Türkei lieben, die in ständiger Verteidigungshaltung sind, dass dort nicht alles schlecht ist, für die sind die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes schlichtweg “Türkei-Bashing”. (Wieder mein Lieblingswort, wo ich auf Knopfdruck kotzen könnte).

Warum fallen uns die Reisehinweise, wenn sie die Türkei betreffen sofort auf und lassen uns denken, da läuft was gegen die Türkei? Die wenigsten machen ein Unterschied über die Begriffe, denn es gibt

a. Reisehinweise

b. Sicherheitshinweise

c. Reisewarnungen

…und Grundsätzliche Reiseempfehlungen. Ich habe es extra mit a, b, c markiert, weil von a nach c die Situation ernster wird. In der Letzten Zeit sind es immer die ‘Reisehinweise’, aber bei denen, die auf Missverstehen und Abwehrhaltung geeicht sind und so ziemlich jede Türkei-Meldung als Türkei-Bashing empfinden, kommt es als ‘Reisewarnung’ an.

Reisenhinweise sind Informationen zu den Einreisebestimmungen eines Landes, medizinische Hinweise, straf- oder zollrechtliche Besonderheiten sowie allgemeine kulturelle oder gesellschaftliche Rahmenbedingungen.

Die Reisewarnungen hingegen sind ein Appell, von Reisen in das betreffende Land abzusehen. Reisewarnungen werden nur ausgesprochen, wenn von einer akuten „Gefahr für Leib und Leben“ ausgegangen werden muss. Bundesbürger, die in diesem Land leben oder zu Gast sind, werden gegebenenfalls zur Ausreise angehalten.

Ist die Warnung kurz vor der Einreise in ein Gebiet noch aktuell, liegt Höhere Gewalt vor – eine unvorhersehbare Entwicklung mit erheblicher Erschwernis oder Gefährdung – unter diesem Umstand kann kostenfrei von Buchungen, beispielsweise eines Fluges, zurückgetreten werden.

Vom Auswärtigen Amt gegebene Informationen werden regelmäßig auf ihre Aktualität und Korrektheit überprüft. Jede Veröffentlichung wird mit Datum versehen und ist bis auf Weiteres gültig, Gefährdungsfaktoren oder -situationen können sich jedoch schnell ändern.

In dieser Abstufung oben, von weniger harmlos bis ernst, kommen die Sicherheitshinweise zwischen den Reisehinweisen und Reisewarnungen vor. Hierbei wird auf besondere Risiken hingewiesen. Sicherheitshinweise können die Empfehlung enthalten, auf Reisen zu verzichten oder sie einzuschränken. Gegebenenfalls wird von nicht unbedingt erforderlichen oder allen Reisen abgeraten.

Türkei – Reisehinweise, nicht -Reisewarnungen

Jetzt, wo wir den Unterschied kennen, wird die Frage aufkommen: “Warum immer wieder die Türkei?” Eigentlich ist das nicht der Fall, aber es gibt mehr Türkei-Touristen als welche die nach Kongo reisen und die Türkeistämmigen in Deutschland, geht außerdem an. Deshalb gelangen die Reisehinweise ständig in die Online-Medien.

Die Liste und warum Japan mit einer Reisewarnung belegt ist

Hier ist der Link zum Auswärtigen Amt (Für später. Lies das mal zuerst zu Ende). Ihr werdet nicht schlecht staunen, wenn bei den Reisewarnungen Japan darin vorkommt, aber nicht die Türkei. Die Liste fängt mit Demokratische Republik Kongo und Südsudan an. Würden die Nachrichten zu Sicherheitswarnungen zu diesen Ländern dich interessieren, wenn du nichts mit den Ländern am Hut hast? Sicher nicht. Würde in den Online-Medien die Meldung auftauchen, dass Deutschland einen Reisehinweis für Japan ausgesprochen hat, wird man das dort sicher nicht als Japan-Bashing empfinden. Es geht dabei um das Unglück im Kernkraftwerk Fukushima im Jahr 2011. Seit dem gibt es Zonen, die man nicht betreten darf u.a. Regelungen.

Nun gut Ihr habt Recht!

Teilweise klingt es wie Stimmungsmache, wenn z.B. Spiegel-Online die 14 Festnahmen von kurdischstämmigen Deutschen erwähnt und die vom Auswärtigen Amt schärfer formulierten Reisehinweise mit in die Überschrift einbezieht. Verkehrt ist es nicht. Unterstellen kann man, dass hier der Anschein erweckt werden soll, es soll bei der Leserschaft wie Reisewarnung rüberkommen, aber beweisen kann man nicht, dass das die Absicht war. Dass wir dieser Nachricht so oft begegnen hat eigentlich mit denen zu tun, die diese Nachricht als Türkei-Bashing einstufen und mehrfach teilen. Die Umwandlung einer Meldung über die Türkei zu Türkei-Bashing erfolgt also durch das viele Teilen derjenigen, die Rot sehen, wenn sie etwas über die Türkei lesen.

Ich warne auch

Welche Gefahren für den einzelnen bestehen, darüber wissen die Betroffenen größtenteils selber besser Bescheid. Warum sie dann immer noch in der Hoffnung, sie würden schon bei der Ein- und Ausreise durchkommen, in die Türkei reisen, ist als Verantwortungslos oder noch besser, als dumm zu bezeichnen. Es sind nicht nur kurdischstämmige, auch andere sind im Fokus der türkischen Sicherheitsdienste, die die Aufgabe haben, alle Andersdenkenden aus dem Verkehr zu ziehen, oder zumindest mundtot zu machen. Vor knapp vier Jahren wurde ein türkischer Freund aus Deutschland vom Bistro am Taksimplatz in Istanbul urplötzlich von der Polizei abgeholt und zum Verhör gebracht. Es ging um einen Facebook-Beitrag. Der Beitrag war der Cyber-Überwachung in Ankara nicht aufgefallen. Dem Verhör ging eine anonyme Mitteilung aus Deutschland voraus. Er musste die Türkei innerhalb zehn Stunden verlassen.

Traut der Nachbarschaft, der Verwandschaft und dem Freundeskreis nicht

Wenn Ihr das Gefühl habt, Ihr könntet zu den gefährdeten Personen zählen, aber dennoch in die Türkei einreisen wollt, denkt daran, dass Ihr dreifach Glück haben musst. Bei der Passkontrolle während Ein- und Ausreise, sowie beim Türkei-Aufenthalt. Die Reisebusse z.B. werden öfter mal angehalten. Schon gibt es die Ausweiskontrolle. Das kann Euch auch auf der Straße passieren, denn es laufen sehr viele Beamte in zivil rum. Oft stelle ich fest, dass die die es wagen wollen in die Türkei zu reisen, dieses mit zu vielen Menschen kommunizieren. Wenn einer direkt nach der Landung im Flieger von der Polizei abgeholt wird, kann er/sie sicher sein, es war sein Umfeld, der ihn verpetzt hat. Wenn Ihr die Reise riskieren wollt, sagt es nicht einmal Euren Kindern. So etwas spricht sich schnell rum.

Auch der Geschäftspartner kann dich anschwärzen

Ich kenne einige, die eigentlich nicht zu den o.g. Kreisen der Gefährdeten zu zählen sind, aber dennoch bei der Einreise in die Türkei abgeführt worden sind. Zuletzt ging es um ein Immobilienverkauf. Nennen wir ihn Ali, der verärgert war, dass sein Bekannter Murat die Immobilie von Hasan bekam, obwohl er einige Tausend Euro mehr anbot. Ali meinte, er hätte die Immobilie bekommen müssen. Kurzerhand denunzierte er den Hasan als einen Gülenisten. Zu den Sommerferien bereiste Hasan dann mit seiner Familie die Türkei. Sie waren mit dem Auto unterwegs. An der türkischen Grenze in Kapikule angekommen wurde er abgeführt. Nach drei Tagen kam er frei. Sofort kehrte die Familie nach München zurück. Hasan hatte ein Verdacht, dass Ali dahinter stecken könnte, weil er ihm schon in Deutschland allerhand Drohungen ausgesprochen hatte. Er klingelte bei Ali an der Tür und als dieser die Tür aufmachte, sagte Hasan: “Du hast geglaubt, so etwas läuft anonym ab, aber die Polizisten haben mir den Namen des Denunzianten genannt, warum hast du das gemacht?” Ali legte mit “Ich habe das nicht so gemeint…” los. Dabei war die Denunziation anonym.

Hier geht es zum aktuellen Reise- und Sicherheitshinweis des Auswärtigen Amtes vom 29.10.2019 für die Türkei

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