Die letzten Tausend Jahre in 32 Worten und die Frage: “Wie viel muss die Türkei aufholen?”

Die Erfindung der Druckkunst (1442) brachte die Menschheit in schnellen Schritten vorwärts. Bei den Osmanen war aber die Druckmaschine verboten. So zog Europa davon. Der Vorsprung, den es gut zu machen gilt für die Türkei ist enorm. Anstrengungen in diese Richtung sind nicht da, eher schafft es der politische Islam, dass die Türkei noch weiter abgehängt wird, diesmal mit dem Einsatz der Druckmaschine.

“Leif Eriksson segelte, Gutenberg druckte, Galileo wagte, Shakespeare dichtete, Elisabeth regierte, Mozart komponierte, Jefferson entwarf, Bolivar befreite, Lincoln bewahrte, Einstein träumte, Atatürk baute, Roosevelt führte, Gandhi predigte, Mutter Teresa heilte, Mandela triumphierte.” So beschrieb Bill Clinton in 32 Worten die letzten 1.000 Jahre.

Es ist ärgerlich, dass die Druckmaschine verboten war bei den Osmanen. So fehlen der Bevölkerungen der Länder, die damals zum Osmanen Reich gehörten, Wissen und Bildung von bald aus 450 Jahren. Die Länder, wo die Druckmaschine im Einsatz war zogen davon. Die nächste Informationsquelle war dann das Fernsehen. Die erste brauchbare Umsetzung fand 1883 durch Paul Nipkow statt. Also zu einer Zeit, wo bei den Osmanen die Druckmaschine noch verboten war. Folglich brauchte man von der Erfindung des Fernsehens im Osmanenreich nichts zu erwähnen, denn, wer sich ein Buch nicht vorstellen konnte, konnte sich erst recht keinen Fernseher vorstellen. Wieder eine riesige Wissens- und Bildungslücke, wobei man diese Zeit des Einsatzes vom Fernsehen für die breite Öffentlichkeit auf die 1930er Jahre legen sollte, wo die ersten Fernsehbilder übertragen und empfangen werden konnten. Auch wenn die erste Fernsehaustrahlung in der Türkei 1952 erfolgte, waren die Bilder nur innerhalb der Technischen Universtität in Istanbul zu empfangen. Die breite Masse machte in der Türkei erst Ende sechziger Jahre die Bekanntschaft mit dem Fernsehen. Also auch hier war ein Informationsmedium und Motor des Fortschritts mit fast 40 jähriger Verspätung für die Türken anwendbar.

Beim Internet war die Zeitspanne bis zum ersten Einsatz in der Türkei zwar nicht so groß wie beim Fernsehen, jedoch war der Informationsfluss und die Entwicklung dieser Jahre weltweit umso schneller. Wer mit dem Internet 5-10 Jahre später in Kontakt kam, hatte enorme Wissens-, Bildungs-, aber zumindest Informationslücken. Hinzu kommt, was bringt das Internet, wenn an jeder Ecke die Zensur wirkt. Wenn Wikipedia eines der mehreren Zehntausend gesperrten Portale der Türkei ist, wisst Ihr Bescheid, wo das Land steht und wie die Absichten des Prächtigen sind. Er braucht Menschen, die nicht zu viel wissen, nichts hinterfragen und ihm alles glauben.

Wenn man die modernsten Handys importiert und besitzt, die modernsten Maschinen und Anlagen aus dem Ausland importiert und einsetzt, Straßen, Tunnels, Flughäfen baut, ist man nicht automatisch fortschrittlich. So wahrt man lediglich den Schein, dass man dazu gehört. Stimmt, man hat teures Geld für den Fortschritt bezahlt und besitzt es, aber fortschrittlich sein, fängt in den Köpfen an und endet nicht damit, dass man um ein Stück Tuch diskutiert, die es die Frauenköpfe bedeckt, oder nicht.

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