Die 20% Überraschung bei Anmietung von Gewerbeimmobilien

Da der Staat davon ausgeht, dass die Steuern nicht ohne weiteres bezahlt werden, gibt es in der Türkei die Quellensteuer (Stopaj).

Wer in der Türkei eine Gewerbeimmobilie anmietet, wir nach drei Monaten nicht schlecht staunen. Denn, wenn der Vermieter ein Privatmann ist und kein Unternehmen, werden auf die Dreimonatsmiete 20% Quellensteuer fällig. Damit bezahlt er eigentlich die Steuer, die der Vermieter zu zahlen hätte. Ich hatte z.B. für einen deutschen Auftraggeber ein Ladenlokal für 20.000 EUR/Monat angemietet. Alle drei Monate waren 20% von der Dreimonatsmiete, also von 60.000 EUR, 12.000 EUR zusätzlich an das Finanzamt abzuführen. Zum Glück wusste ich davon. Nicht nur die ausländischen Mieter, auch viele türkische Mieter von Gewerbeimmobilien, wissen nichts von diesen 20% und bekommen eine kalte Dusche verpasst.

Sollte der Vermieter eine Kapitalgesellschaft sein, gibt es keine Überraschungen. Die Miete + 18% MwSt. und die Angelegenheit ist erledigt.

Ehrlicher: Wenn die Miete direkt inkl. der Quellensteuer genannt wird.

Gerecht finde ich die Lösung nicht. Ich kann mich damit schwer arrangieren. Vor allen Dingen wird Ihnen kein Vermieter dieses bei der Anmietung auf die Nase binden. Die Quellensteuer wird grundsätzlich nicht erwähnt. Man muss dem Vermieter aber nichts Böses unterstellen, denn womöglich geht er davon aus, dass Sie darüber Bescheid wissen.

Die Miete ist der Hauptkostenfaktor bei fast allen Unternehmungen

In der Türkei möchte der Vermieter in der Regel so viel Miete kassieren, wie er beim Betrieb des Geschäftes in seinen eigenen Räumen, im günstigsten Fall an Ertrag haben würde. Nimmt er an, dass man in seinem Laden 30.000 EUR im Monat überhaben würde, verlangt er das als Miete.

Welchen Traum soll bitteschön der angehende Unternehmer träumen?

Die Hoffnung stirbt aber zuletzt, so wird fast jedes Ladenlokal, egal wie unberechtigt hoch die Miete ist, vermietet. Ich habe schon oft erlebt, dass bei gut laufenden Geschäften der Betreiber 20 Tage und länger nur für die Miete arbeitete.

Manche Top-Lagen sprengen die Erwartungen des erfahrensten Unternehmers. In positivem Sinne!

Auf der anderen Seite gibt es Top-Straßen (-Lagen), die tatsächlich trotz dieser horrenden Mieten noch Gewinne einspielen. Ein Gastrobetrieb (von einem Bekannten), mit einer 52.000 EUR/Monat Miete benötigt z. B. auf der Bagdat Straße auf der anatolischen Seite von Istanbul drei Tage, bis die Miete verdient wurde. Die Anmietung ist bei solchen Top-Standorten ein größeres Problem. Als wir für eine deutsche Restaurantkette ein 60.000 EUR/Monat Ladenlokal in Augenschein nahmen und eigentlich die Miete zu hoch fanden, erfuhren wir, dass der Vermieter drei Jahresmieten in voraus haben wollte. Um unser Erstaunen nicht zu zeigen, fragte ich: „Würden Sie auch verkaufen wollen?“ Er sagte, wenn Sie 28 Mio. EUR zu zahlen bereit sind!” Ich darauhin: „Wir würden lieber das ganze Haus (5 Etagen) kaufen und nicht nur das Ladenlokal.“ Er: “Das Haus kann ich nicht verkaufen, weil ich habe meine Bildersammlung auf der dritten Etage und wüsste nicht, wohin damit.” Wir sind weitergezogen und die Restaurantkette bestand somit aus einem einzigen Laden.

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