“Wenn Münze gefallen, Knopf fest drücken!” oder, “Türkische Jungs beschädigen Automaten”

Ich war 13 Jahre alt und nicht allzu lange in Deutschland, im Speziellen in Frankfurt am Main. Ich zog mit meinem zwei Jahre jüngerem Bruder durch die Straßen unseres neuen Zuhauses. Auf einem Gebäude war ein riesen Schild. Auf rotem Untergrund standen drei Buchstaben: SPD
Später erzählte uns unser Vater, dass es sich dabei um die größte Volkspartei in Deutschland handle. Gibt es heute nicht mehr. Oder doch, so ein klein wenig schon. Gegenüber dem SPD Haus hing ein PEZ Automat. Trotz der drei Buchstaben und dem P auf dem Logo wussten wir, dass es sich dabei nicht um eine Partei handelte. Gegen 30 Pfennig konnte man Bonbons ziehen. Ein erster Test war fällig. Die drei Groschen reingeschmissen und kräftig auf eines der Knöpfe gedrückt. Mein Bruder rief “Dikkat” was Achtung auf Türkisch bedeutet. Schon musste ich den aus der Verankerung rausspringenden Automaten auffangen. Ich wollte nur eine Packung Bonbons und hatte jetzt eine ganzen Automaten. Das Teil hatte einiges an Gewicht, was man so gar nicht vermuten würde. Die Gegend beobachtet und an die Schlagzeile in der Frankfurter Rundschau gedacht: “Türkische Jungs beschädigen Automaten im ganzen Stadtgebiet”. In dem Moment kam ein Mann mit markantem Gesicht und einer Zigarette in der Hand aus dem SPD Haus raus und sagte: “Eines Tages wird die Mauer fallen”. Ich dachte, dass er die Mauer meint, wo der Automat hing und konnte nicht glauben, dass das mal passiert. Im James Bond Manier sagte der Mann: :”Mein Name ist Brandt, Willy Brandt!” Wir waren mit meinem Bruder in Schockstarre. Damals wussten wir nicht, wer er war. Später sollten wir ihn besser kennen und ihn eines Tages ‘Good old Willy’ nennen. Den Automaten hatte ich schon längst auf dem Boden abgestellt. Als die Fiktion mit Willy Brandt verflogen war, machten wir die Fliege. Die 30 Pfennig sind im Automaten zurückgeblieben.

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