Ali und die Operation-Friedenspfeife

Der Haussegen hängt schief bei den Ali’s. Vater, Mutter und vier fast erwachsene Kinder zwischen 16 und 22 Jahre alt. Sie können sich alle nicht mehr riechen. Sechs Erwachsene in dem engen Haus, bekommt allen nicht. Der Vater, der selbsternannte Familienoberhaupt, der daran glaubt, dass die anderen im Haus ihn noch ernst nehmen und auf ihn hören, sagt beim Abendessen, dass er einen Plan und einen Generalverdacht hätte. Die Nachbarn, Kurden, würden nichts Gutes im Schilde führen und wären eine Gefahr für die türkische Familie.

Die Mutter und die Kinder sind gelangweilt und denken „Schon wieder ein Hirngespinst vom Vater“, der sich durch die letzten siebzehn Jahre mit allen Nachbarn verscherzte. Er aber sagt „Wenn Ihr weiter in diesem Haus wohnen wollt und ich für Euch sorgen soll, dann müsst Ihr meinen Plan umsetzen. Wir werden bei denen einmarschieren, den Vater, den Kopf der Familie eliminieren und einen Sicherheitskorridor zwischen den beiden Häusern ziehen.“

Die Kinder werden sofort hellhörig und fragen: „Und was machst du dabei?“ „Ich habe den Plan gemacht und Ihr setzt es um!“ Das nennt man Arbeitsteilung. „Schöne Scheiße!“ sagt der Älteste „Was ist, wenn die schießen und uns war passiert?“ „Dann weißt du, wofür du gestorben bist und bist ein Märtyrer!“ „Du willst uns doch nur ablenken, uns greift doch niemand an.“ „Schweig! Was ich Euch sage, werden wir in die Tat umsetzen!“

Der Vater stattet seine Kinder mit Waffen aus und gibt die letzten Anweisungen. Die Mutter soll als Vorhut vorweg marschieren, die Lage sondieren und das Signal zum Angriff geben. Im Morgengrauen soll die Aktion anlaufen, denn der Nachbar Ali, der ein Namensvetter ist, ist dann noch zuhause. Die Aktion soll noch vor seinem Arbeitsbeginn, noch bevor er das Haus verlassen hat anlaufen. So kann er nicht entkommen. Schlaftrunken trampeln die Kinder von Ali den Gartenzaun nieder und sind schon vom Vater ausgerufenem Feindesgebiet. Es gibt soweit keine Zwischenfälle zumal die Nachbarn friedfertige Menschen sind und mit solch einer niederträchtigen Aktion nicht rechnen. Die Kinder von Ali dem Türken rücken vor und an der Haustür vom Ali dem Kurden angekommen, drückt einer der Jungen auf den Klingelknopf. Ding, Dong! Die Operation Friedenspfeife, wie ihn der Vater genannt hat, hat begonnen. Die Tür macht beim Ali dem Kurden die Tochter Leyla auf. Schlaftrunken sagt sie ihrer großen Liebe Murat vom Nebenhaus: „Guten Morgen Schatzi, was willst du so früh am Morgen?“ „Guten Morgen Schatz, meine Mutter lässt fragen, ob wir etwas Zucker bekommen könnten. Sie hat keins zuhause.“ Zurück Zuhause berichten die Kinder von Ali, dass die Operation erfolgreich war. Der Vater glaubt das, denn zu holen gab es sowieso nichts.

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