Splendid Palace Hotel in Büyükada (Prinzeninseln)

Wer sich von Istanbul entfernen, aber dennoch unweit von Istanbul sein möchte, besucht eine der vier Prinzeninseln (10 km vom Festland entfernt). Büyükada ist die größte davon und 14.500 Menschen haben hier ihren ständigen Wohnsitz. Ich liebe Büyükada eine Oase mitten in der Stadt, aber am besten nicht mitten im Sommer, wo so viele Touristen da sind, dass man denken könnte, dass die Insel versinken und im Meer verschwinden könnte.

In Büyükada steht ein prächtiges und doch schmuckes Hotel mit Tradition. Die Geschichte kann man dort förmlich riechen. Nach dem Tod seines Vater Ethem Efendi kam der Soldat und Kanonenhelfer Mustafa Efendi von der griechischen Insel Chios (Sakız Adası) Mitte des 19. Jahrhunderts mit seinen zwei Brüdern nach Istanbul. Mit der Unterstützung seines Onkels schaffte er in den Staatsdienst und sorgte dafür, dass seine jüngeren Brüder eine gute Ausbildung bekamen. Alle drei machten auf ihren Gebieten Karriere. Einer der Brüder Kazim Pascha war ein hoch dekorierter Offizier, dem viele Heldentaten zugeschrieben werden. 1909 wurde er Rentner und bereiste Europa. Bei einem der Reisen war er vom Splendid Hotel in Cannes so angetan, dass er nach seiner Rückkehr in Büyükada das Gelände des ausgebrannten Hotels Giacomo kaufte. Dort ließ er dann ein Hotel bauen, was dem Vorbild sehr ähnelte. Damit nicht genug, er nannte das Hotel ebenfalls Splendid, wie sein Vorbild.

Danach vermiete er das Hotel drei Kellnern des Tokatliyan Hotels. Dikran, Tavit und Onnik betrieben das Hotel. Kazim Pascha wollte dem Bau etwas osmanisches Einhauchen und ließ noch zwei Kuppel bauen. Die Inneneinrichtung spiegelte allerdings die Geschmäcker der drei griechisch-armenisch stämmigen Betreiber wieder. Zu der Zeit gabe es weder Strom noch Warmwasser in Büyükada. Dafür sorgte man mit einem Gas-Generator. Das Splendid Hotel hieß im Volksmund “Kazim Pascha Hotel”.

Da Kazim Pascha ex Offizier war, wurde das Gebäude bei Kriegen oft als Herberge der Militärs benutzt. 1912 sogar einmal als Krankenhaus. Während des 1. Weltkrieges waren die Geschäfte schlecht, es kamen kaum Touristen. Die Betreiber hatten sich von einem Armenier Namens Karagözyan Geld geliehen und konnten es nicht zurück bezahlen. Die Pfändung der gesamten Inneneinrichtung und stand kurz bevor. Da sprang Kazim Pascha mit seinem Schwiegersohn ein und beglich alle Schulden. Während des 1. Weltkrieges war das Hotel zeitweilig an die Briten, die als Besatzer da waren, übergegangen. 1919 nutzten die Briten das Hotel als Quartier für russische Soldaten und deren Familien. Das Hotel verlor allmählich ihren Glanz.

Als der Spuk 1923 endgültig zu Ende war, zeigte Kazim Pascha den entstandenen Schaden bei der britischen Botschaft an. Er fand kein Gehör und musste das Hotel wieder selber herrichten. Einer der früheren Kellner Teodor Plakis Efendi und sein Freund Haralambos Melanidis stießen 1941 wieder zum Team und führten das Hotel bis 1963. Das Splendid Hotel strahle wieder im alten Glanz.

Ab 1930 soll im Splendid Hotel die Arnoldi Zirkin und Arnoldi Jazz Salon Orchester dort ständig gespielt haben. 1931 war eines der Gasgeneratoren, die für Warmwasser und Strom in Betrieb waren explodiert. Die Schäden eines Feuers mussten beseitigt werden.

In den Jahren, wo türkische Namen auf den Schildern stehen mussten, soll das Hotel: “Kazim Pascha Hotel – Ehemals Splendid” geheißen haben. Die Hotels auf der Insel waren Saison-Hotels, die nur in den Sommermonaten arbeiteten, wie auch die Splendid.

Mustafa Kemal Atatürk, ein Freund der Eigentümerfamilie, soll oftmals in Splendid abgestiegen sein. In der Hotelgeschichte wird erwähnt, dass zu Zeiten des zweiten Weltkrieges Frauen bei Splendid alleine absteigen konnten. Nach dem Tod von Kazim Pascha übernahm sein Schwiegersohn die Leitung und führte bis zu seinem Tod 1957. Danach war die Tochter Belma an der Reihe. Splendid stand immer im Mittelpunkt des kulturellen Lebens von Büyükada. 1996 fand hier nach langer Zeit ein Ball der Republik genauso statt, wie das herzzerreißende Treffen (berichten TeilnehmerInnen) der vertriebenen Griechen, die nach 35 Jahren wieder dahin zurückkehrten und alte Erinnerungen auffrischten.

Das Splendid Hotel ist im 112. Jahr immer noch im Familienbesitz. Hier ein Bericht von mir über Büyükada.

Wer jetzt denkt, dass ich als Influencer unterwegs wäre, irrt sich. Wenn man 112 Jahre alt ist wie Splendid, kann man schlecht verstehen, wie viel so eine Werbung wert ist. Was soll es, ich wollte es mit Euch teilen.

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