Der Beitrag ohne Überschrift

Elif, 1940 in der anatolischen Stadt Elazığ. Vor ihrer Einschulung und danach.

Wenn Ihr den Beitrag gelesen habt, könnt Ihr mir gerne Überschriften vorschlagen. Gestern erreichte mich ein Hilferuf aus Hamburg. Die Frau, eine Türkin, kam vor zehn Jahren nach Deutschland. Sie hatte einen Akademiker, einen Juristen mit türkischer Herkunft geheiratet. Von Anfang an sollte sie dumm gehalten werden. Deutsch dürfte sie nicht lernen, sie hätte sich ja sonst verselbständigen können. Wenn sie nicht mir ihrem Mann unterwegs war, musste sie die Wohnung hüten. Die Eheleute bekamen zwei Kinder. Die jüngste ist derzeit fünf Jahre alt. Natürlich mischte sich die Verwandtschaft ein, wie das bei türkischen Familien so ist und sagte dem Mann, dass die Frau nicht zu ihm passen würde, weil zu ungebildet. Dabei hatten die, die das sagten, selber dafür gesorgt, dass die Frau dumm gehalten wurde. Die Ehe wurde geschieden. Das Sorgerecht der Kinder zu bekommen war für den Ehemann ein Leichtes. Wie sollte so eine ungebildete und mittlerweile verwahrloste, verzweifelte Frau, kurz vor dem Wahnsinn, mit zwei Kindern klar kommen? Das war auch die Sichtweise des Familiengerichts.

Die Mutter darf die Kinder nicht mehr sehen

Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, dass die Kinder die Mutter überhaupt nicht mehr sehen dürfen. An diesem Punkt erreicht mich ihr Hilferuf. Klar sollte die Frau von ihrem Recht gebraucht machen können ihre Kinder zu sehen, sie zu riechen, mit ihnen zusammen zu sein. Geht aber nicht. Da sie in der Wohnung des Ex-Ehemannes lebt und ihr Unterhalt vom Ehemann zusteht, hat sie kein Anspruch auf sonstige Hilfen. Dass der Ehemann ihr nur so viel gibt, dass sie sich zu Essen kaufen kann, davon haben die wenigsten Kenntnis. Sie ist kurz vor dem Durchdrehen. Gestrandet und isoliert, mitten in Deutschland.

Was kann ich machen?

Ich habe es mir zu einfach gemacht und gesagt, dass ich nicht jedem zur Hilfe eilen kann. Oft haben mir die Frauen, die ich aus den Fängen der Männer gerettet habe, mit mir ein Böses spiel gespielt. Sie trafen sich heimlich mit den Männern, die sie schlugen und ihnen weh taten. Das taten sie entweder unter dem Druck ihrer Umgebung, der Schänder, oder aber einfach, weil der Männer ihnen Besserung versprachen. Die Gründe sind vielfältig aber enden zumeist in der Sackgasse.

Woher soll die o.g. Frau noch die Kraft hernehmen, den Schritt nach vorne zu tun? Sie ist in den Fängen dieses Mannes und/oder der Familie. Hoffnungsloser Fall! Wahrscheinlich wird man sie irgendwann gänzlich fallen lassen, oder in ihr Dorf in die Türkei schicken.

Bildung ist die schönste Kosmetik für die Frau

Ich beziehe mich dabei auf Elif, das Mädchen auf dem obigen Foto aus dem Jahr 1940. Sie steht für viele Mädchen und Frauen. Wie sie von der Dorfschule* (Köy Enstitüsü) in ihrer Stadt aufgenommen wurde und wie sie schon nach kurzer Zeit sich fühlte, kann man schon an ihrer Haltung und an ihrem Blick sehen. Sie ist mittlerweile in der Lage zu erfassen, was der Gegenüber sagt. Sie kann, garniert mit einiger Lebenserfahrung, schon selber entscheiden, was gut und schlecht ist für sie und danach handeln. Nicht so die Frau in Hamburg. Sie ist nicht einmal in der Lage die Gesamtsituation zu überblicken.

Gibt den Mädchen die Freiheit sich zu entwickeln!

Laut den Zahlen von 2018 studieren auf türkischen Universitäten 7,5 Millionen StudentInnen. Die Anteile von Mädchen und Jungs sind fast identisch. Bei den Lehrpersonen gibt es auch eine erfreuliche Zahl. Die Lehrpersonen sind ca. 70.000 Frauen und 87.000 Männer. Hier stimmt noch das Verhältnis. Anders sieht es allerdings nach dem Hochschulabschluss aus.

In der Türkei gehen 65% der Männer und nur 29% der Frauen einer Arbeit nach. Nur 61% der Frauen mit Hochschulabschluss, arbeiten auch tatsächlich. Die meisten heiraten, bekommen Kinder und werden nie wieder jemals ans Arbeiten denken, wenn sie nicht müssen. Dann gibt es auch andere, die zwar den Abschluss in der Tasche haben, aber dennoch nicht arbeiten dürfen. Die Familie erlaubt es nicht.

Das zeigt auch, dass Bildung allein die Frauen in der Türkei nicht weiterbringt. Die Rahmenbedingungen müssen ebenfalls stimmen, heißt: Die Männer müssen zum Wohle der Frau mitspielen. Zu viel verlangt?

(*) Die Dorfinstitute, (türkisch: Köy Enstitüleri), waren zwischen 1940 und 1948 gegründete Ausbildungsstätten für Lehrer in der Türkei. Als wesentlicher Begründer der Dorfinstitute gilt der damalige Kultusminister der Türkei Hasan Ali Yücel.

Ziel
Die dort Ausgebildeten sollten in die bis dahin noch kaum mit Schulen ausgestatteten ländlichen Gegenden der Türkei entsandt werden, um dort öffentliche Bildungseinrichtungen für Jungen und Mädchen zu gründen. Auf diese Weise wurde binnen kürzester Zeit eine nahezu flächendeckende Versorgung des Landes mit Schulen erreicht.

Aufnahme und Lehrinhalte
Begabte Bauernkinder im Alter zwischen 11 und 18 Jahren, die bereits Lesen, Schreiben und Rechnen beherrschten, wurden aufgenommen und in landwirtschaftlich nützlichem Wissen, sowie Kenntnissen in Volksmusik, Gesundheitserziehung und türkischer Dichtung unterrichtet. Die Ausbildungspläne orientierten sich stets an der Praxis der zukünftigen in der Landwirtschaft tätigen Schüler und Schülerinnen.

Schließung
Die Dorfinstitute wurden 1954 unter der Ministerpräsidentschaft von Adnan Menderes (DP) geschlossen und in herkömmliche Lehrerausbildungsanstalten umgewandelt. Als Grund wurde die Verbreitung von “hässlichem linken Gedankengut” angeführt. Den Hauptgrund lieferten die Großbauern, die dem Ministerpräsidenten Menderes drohten, ihn durch die vielen Kleinbauern, die für sie arbeiteten, nicht wählen zu lassen, wenn er die Schulen nicht schließt. Die Landbevölkerung sollte weiter dumm gehalten werden. (Wikipedia)

Die Masse dieser Landbevölkerung und der ungebildeten Menschen werden heute durch den politischen Islam gelenkt. Die Schmerzen verursachen die sog. Gebildeten (siehe auch Deutschland mit den Türkeistämmigen), die sogar einem Alleinherrscher hinterherrennen, der nichts mit der Demokratie am Hut hat.

“Komm mein Freund, was musst du Angeln lernen, wenn es doch Fisch aus der Dose gibt?” Die Dorfinstitute sind auf Druck der Amerikaner geschlossen worden. Der Marshall wurde der Türkei ebenfalls aufgezwungen. Der Prächtige setzt als Mann der USA die Tradition fort. Die Bevölkerung soll, was Bildung angeht, rückständig bleiben.
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