“Die Armut wird nach 17 Jahren vorbei sein”

Der Mann ist verzweifelt und stellt jeden Tag die Frage: „Lieber Gott, wann wird es vorbei sein mit der Armut?“ Nach einigen Wochen dann passiert es, eine Stimme von oben sagt: „Nach 17 Jahren wird es vorbei sein!“ (So lange ist Erdogan an der Macht). Der Mann ist erstaunt wie erleichtert: „Werde ich dann reich sein?“ „Nein mein Sohn, dann wirst du dich an den Zustand gewöhnt haben.“

Das ist exakt das, was in der Türkei passiert ist. Die Menschen sind noch mehr abgestumpft und sind nicht einmal mehr in der Lage es auszudrücken, wie es ihnen geht. Die Regierung suggeriert den Menschen, wie gut es der Nation geht und diese sind zu müde sich Gedanken über andere zu machen. Jeder einzelne lebt mit seinen Problemen vor sich hin und findet sich mit der Situation ab.

Den Türkischsprachigen unter euch empfehle ich die Kolumne von Feyzi Açıkalın aus Alanya.

Hier einige Auszüge daraus.

Yoksulluk und yoksunluk ähneln sich im Türkischen nicht nur in der Schreibweise, die beiden Wörter sind auch miteinander verwandt. Das eine bedeutet “Armut”, das andere “Entbehrung”.

Die Entbehrung muss nicht unbedingt ein Versagen zur Grundlage haben. Beispielsweise kann man auf sich alleine gestellt sein, keine Beziehung haben und muss die Zweisamkeit entbehren. Es kann viele Gründe geben, die letztendlich zur Entbehrung führen.

Anders sieht es bei Armut aus. Bei Armut hat man nicht geschafft den Menschen die Grundlagen zu schaffen, dass sie unter menschenwürdigen Verhältnissen leben,arbeiten und existieren.

In unserer heutigen Zeit verarmt jeder einzelne, egal wie viel oder wenig er verdient. Seltsam ist nur, dass die am stärksten vom Armut betroffenen nicht fähig sind diese in Worte zu fassen und zu verkünden. Wer es reichlich hat, der schränkt sich auf andere Art und Weise ein. Hat er bis jetzt zehn Reisen im Jahr gemacht, macht er halt vier. (Erkl. die Auslandsreisen von türkischen Touristen ist nach den letzten Zahlen von Türkstat, im Vergleich zum Vorjahr, um 34% zurückgegangen.)

Bei Selbständigen sehen wir, dass z.B. ein Hotellier sein Hotel seltener restauriert, oder ein Bauer weniger Felder bestellt als üblich. Die Menschen mit weniger Bildung, sehen Armut als ein Schicksal an, der man nicht entrinnen kann. Es gibt aber auch Menschen die Angst haben, dass das Gerüst über ihnen zusammenbrechen und sie noch schlechter treffen könnten. Dieses Gerüst, die nur fiktiv existiert, suggerieren die Regierenden dem Volk ein.  

Während die Regierenden auf der einen Seite mit der Besteuerung von fast allen Konsumgütern immer mehr in die Taschen des Einzelnen reingreifen, sagt sie der Bevölkerung “Schaut zu wir ihr überlebt!”. “Du kannst an diesem System profitieren, wenn du an die Limits, ja sogar darüberhinaus gehst.” So werden einige Straftatbestände zu Bagatellen umgewandelt und nicht geahndet.

Wohlwissend, dass mehr Selbstgebrantes auf dem Markt kommen wird und die Schmuggler ins Geschäft kommen werden, erhöht sie immer mehr die Alkoholsteuer. “Siehe zu, dass du nicht erwischt wirst!” ist die Vorgabe. Auf der anderen Seite tut man so, als würde man gegen die Straftäter aktiv werden, doch das ist nur Show. Leben und Leben lassen, auch wenn es ein Straftäter ist.

Wer den Mitarbeiter nicht mehr bezahlen kann, schickt ihn nach Hause. Der Restaurantbetreiber verkleinert die Portionen, der Händler nimmt den Touristen aus, der Bauer versteckt die verdorbene Ware unter die Kisten, so linkt jeder jeden und akzeptiert das Fehlverhalten des anderen. Die Menschen entfernen sich immer mehr vom Anstand und Sitte. Wer heute seinen Geist verkauft, der wird früher oder später sich selber verkaufen. Daran denkt aber niemand.

Noch schlimmer finde ich die, die das ganze System für gut heißen und der Bevölkerung raten sich an diesen Zustand zu gewöhnen. Wenn sich die Menschen organisieren und dagegen meutern wollen, wird alles im Keime erstickt. Diese Menschen schaden dem Land wissentlich.”

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