Mein Notebook ist ein Menschenfreund

Ich entdecke an meinem Notebook seit langem, menschliche Züge. Unsere Charaktere ähneln sich. So, wie ich alle Menschen zuerst mal mag, tut er das auch. Voran ich das erkenne? Das ist schnell erklärt. Die Gesichtserkennung funktioniert so, dass praktisch jeder an mein Notebook ran kann. Ob ich mit Bart, ohne, rasiert, unrasiert, mit oder ohne Brille, mit Wollmütze, Kappe davorstehe, er geht immer an und löst auf seine freundliche Art die Sperre auf. Das geht aber noch weiter. Egal wer sich davor setzt, kann man Computer einschalten. Ich sage ja, mein Notebook liebt die Menschen und vertraut denen, egal wer sie sind, egal wie sie aussehen. Das geht soweit, dass er sogar, wenn ich ein Foto des neuen Zentralbankpräsidenten mit dem vertrauenserweckenden Blick davor halte (s.u.), angeht.

Foto: Dunya Printausgabe.

Der alte ist weg. Schon lange hat ihn der Erdogan ertragen müssen. Wo kommen wir hin, dass die Zentralbank unabhängig agiert, wie es sein soll. Dann die ewig hohen Zinsen. Wo kommen wir hin, wenn der Zentralbankpräsident eigenmächtig über die Geldpolitik entscheidet? Dann hat er sich auch widersetzt, als die eisernen Reserven der Zentralbank an die Regierung überwiesen werden sollten.

Die türkische Notenbank hat den aktuellen Leitzins von 24 Prozent seit September beibehalten. Erdogan hatte in der Vergangenheit den aus seiner Sicht hohen Leitzins als “Mutter und Vater allen Übels in der Wirtschaft” bezeichnet.

Sofort erinnerte sich der Alleinherrscher an seine Marionette Binali Yildirim, der bis heute nur nicht der Hausmeister vom Parlament war und sonst ziemlich alle Positionen innehatte. Jetzt soll er Gerüchten zur Folge sogar der stellvertretende Präsident der Türkei werden. Übrigens ist er auch der Verlierer der letzten OB Wahlen in, zuerst in Izmir und dann in Istanbul, dort gleich zweimal. So einen scheint der Alleinherrscher in dem ehemaligen Stellvertreter der Zentralbank Murat Uysal gefunden zu haben. Jetzt müssen wir abwarten, ob er auf Wunsch des Präsidenten hin die Zinsen senkt und die Geldpolitik noch mehr auflockert. Die Risiken solch einer Handlung sind auf der Hand. Für Wachstum der Wirtschaft alles andere aufs Spiel zu setzen, das passt dem Alleinherrscher. Er steht mit dem Rücken zur Wand und hat bis zu den nächsten Wahlen in vier Jahren noch Zeit auf positive Stimmung zu machen. Auf dem Papier passt der Neue Zentralbankpräsident eigentlich besser zum Job, denn er kommt aus dem Bankwesen. Der vorherige Präsident der Bank war Soziologe und Politikwissenschaftler. Dennoch, er machte seine Sache ohne Fehl und Tadel. Der Neue, dieser hämische Blick allein, wie soll ich ihm vertrauen? Wie kann man einem Vertrauen, der in eine Phase zum Neuen erklärt wird, wo doch der Alte das ausmachte, wofür eine Zentralbank steht, unabhängig von der Politik, in diesem Falle vom Alleinherrscher. Der einzige, der dem neuen eine Referenz sein könnte, ist mein Notebook. Er kennt ihn.

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