Lachmahdschun heißt es im Türkischen

Lahmacun, auch türkische Pizza genannt, ist ein Fladenbrot aus Hefeteig, das vor dem Backen dünn mit einer würzigen Mischung aus Hackfleisch, Zwiebeln und Tomaten bestrichen wird. Eigentlich war dieses Foto der Anlass, weshalb ich Lahmacun überhaupt erwähne.

Wenn Bilder sprechen könnten.

Auch so kann man in das Foto allerhand hinein interpretieren. Wie hat er sich überhaupt dazu entschlossen Lahmacun auf der Straße zu verkaufen? Sicher kam er aus Anatolien und bekam keinen Job in Istanbul. So wollte er sein eigener Herr sein. Auch wenn es verboten ist auf der Straße zu verkaufen, Lebensmittel schon mal gar nicht, war es ihm das Risiko wert, es dennoch zu riskieren. Daviele als fliegende Händler auf der Straße versuchen, haben sie auch ihr Frühwarnsystem. Ein Zischen oder Pfeifen desjenigen, der das Ordnungsamt als erster gesichtet hat und schon rennen die Straßenhändler in alle Himmelsrichtungen los. Wenn der Verkäufer, wie auf dem Foto kein Wägelchen vor sich herschieben muss, verstecken sie sich zumeist in den Eingängen von Häusern, die die Außentüren offen haben. Die Fluchtwege erkundschaften die Straßenverkäufer schon vorher, wie mir mal einer von ihnen berichtete. Unser Verkäufer auf dem Foto hat sich an der Hand verletzt. Nachdenklich schaut er außerdem rein. Die Zigarette in der Hand und dann dieser nachdenklicher Blicke. Da muss ein riesen Stau an Problemen geben, die es zu lösen gibt. Ob er seine Familie nach Istanbul mitgebracht hat? Wenn nicht, naht sicher der Tag, oder ist schon längst vorbei, wo er hätte Geld an sie schicken müssen. Wie soll es weitergehen, ist das seine Zukunft, oder was sollte er anderes probieren in dieser pulsierenden Stadt? Fragen über Fragen.

Nüchtern betrachtet spricht er die Zielgruppe an, die nicht besser dasteht als er. Wer traut sich bei der Gluthitze draußen Türkische Pizza zu essen, die er sicher Morgens bei einem drittklassigem Restaurant und Kebabhaus gekauft hat. Eigentlich schmeckt Türkische Pizza kalt überhaupt nicht. Da bleibt das ganze Fett vom Gehacktem am Gaumen kleben. Das ist aber nur nebensächlich, den Tanz der Bakterien mit dem Hackfleisch kann man sogar, auch ohne in die Kiste hinein geschaut zu haben, bildlich vorstellen.

Das ist aber wiederum für ihn nebensächlich und eigentlich überhaupt keinen Gedanken wert. Wie soll es nur weitergehen?

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