Ist er der passende ‘unabhängige’ Zentralbankpräsident?

In jedem Land kann der Zentralbankpräsident durch einen neuen ersetzt werden, nur wenn das vorzeitig geschieht, müssen triftige Gründe vorliegen. Bei dem abgesetzten türkischen Zentralbankpräsidenten Cetinkaya ist das in keiner Weise der Fall. Er hat einen unauffälligen und guten Job verrichtet. Gut, im Sinne vom gesunden Menschenverstand. In acht Monaten wäre sein Vertrag sowieso abgelaufen, dann hätte man die Position unauffällig neu besetzen können. Nein, es musste schnell gehen und durch einen lenkbaren ‚Unabhängigen‘ ersetzt werden. Dass der Neue, nach den Wünschen des Alleinherrschers agieren wird, ist derzeit noch eine Vermutung. Das möchte ich ihm auf keinem Fall unterstellen, jedoch andererseits macht dieser Wechsel ansonsten keinen Sinn. Übrigens, gäbe es den Rechtsstaat, würden die Gerichte den alten Präsidenten wieder an seinen angestammten Platz zurückschicken. Ohne einen triftigen Grund den Zentralbankpräsidenten in die Wüste zu jagen, das geht nicht. Ach doch, einen Grund haben die AKP’isten: „Die Chemie zwischen uns hat nicht gestimmt!“

Erdogan sagte noch letzte Woche vor den Mitgliedern des Parlaments: „Wir haben ihm mehrmals gesagt, dass die Zinsen gesenkt werden müssten. Würden die Zinsen runtergehen, würde auch die Inflation sinken. Er hat das Nötige nicht gemacht. Wir passen nicht zusammen.“

Jetzt sagt der Neue, dass er die bis jetzt existente Geldpolitik der Zentralbank unabhängig weiterführen wird. Das waren aber die Gründe, weshalb der Alte gehen musste!!!

Sollte der Neue, Murat Uysal, sein Wort halten, wird er auch gehen müssen. Wer die Wahlen ständig wiederholt, bis es passt, was am Ende doch nicht gepasst hat, wird mit einer einzigen Person noch leichter umspringen können.

Am 25. Juli ist es soweit. Dann kommen die Zentralbank Banker zusammen und werden über die Zinsen entscheiden. Schon bei der letzten Sitzung waren einige Vorstandsmitglieder dabei, die 3% Zinssenkung forderten. Jetzt, wo Cetinkaya gegangen worden ist, werden sie bestimmt noch einige Prozente drauf packen.

Die Inflation würde auch so etwas zurückgehen. Das wird man aber jetzt auf die gesunkenen Zinsen zurückführen. Dann aber wird ca. November die Inflation wieder zu steigen anfangen und die Devisen werden dem Trend folgen. Anfang 2020 wird man dann wieder überlegen, wie man die Zinsen erhöhen kann.

Dass man mit der Geldpolitik die wirtschaftlichen Probleme der Türkei beseitigen könnte, ist ein Irrglaube. Was soll man aber von einem sonst erwarten, der bekannt dafür ist immer das Falsche zu tun.

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