Dass die Importe sinken, ist nicht gut für die Türkei. Warum das?

Die Importe der Türkei gehen zurück und die Regierung versucht dieses als Positiv zu verkaufen. Erstmals hatte die Türkei im letzten Quartal, bei kaum steigenden Exporten, weniger importiert als exportiert. Das passiert in der Ära Erdogan das ersten Mal. Eine Momentaufnahme für die Geschichtsbücher, oder Dauerzustand? Wollen wir nicht hoffen, denn was man wissen muss ist, dass die Türkei nur dann wächst, wenn sie viele Schulden machen und viel importieren kann. Darauf ist das System abgestellt. Solange die Importe sinken, werden die Wachstumszahlen den Alleinherrscher nicht zufriedenstellen. Jetzt gilt es, so viel Geld wie nur möglich sich aus dem Ausland zu besorgen, falls noch möglich. Die Zentralbank sagt: „Dieser Zustand, dass wir mehr exportieren als wir importieren, wird weiter Bestand haben.“ Wie schade! (siehe obige Erklärung).

Die Türkei geht in eine interessante Phase. Die Zinsen sinken, aber die liquiden Mittel auf dem Markt sind knapp. Steigen die liquiden Mittel nicht, wird man mit der Zinssenkung unmöglich die erhofften Verbesserungen der Wirtschaft erzielen können.

Die Türkei hat so eine Phase schon in 2008 durchlebt, mit einem einzigen Unterschied, es floss heißes Geld aus dem Ausland in den Wirtschaftskreislauf. Das fehlt momentan.

Derzeit zahlt die Türkei weltweit (mit) die höchsten Sparzinsen. Nur sind die Ersparnisse der Bürger zu 52% (Angaben der Zentralbank), in Devisen angelegt. Zum 19. Juli wurde mitgeteilt, dass die Ersparnisse der in der Türkei ansässigen Bürger, um 1,1 Mrd. USD zunahmen und jetzt 187 Milliarden USD betragen. Auf der einen Seite die Menschen, die keine Devisen kaufen können und auf der anderen Seite die, die für viel mit der Türkische Lira Devisen kaufen und horten. Das war die Lage, als die Zinsen bis letzte Woche um 4,5% höher waren. Was machen die Menschen jetzt, wo die Zinsen auf TL nach unten gehen? Mit Sicherheit werden sie ihre Devisen nicht in Türkische Lira anlegen.

Eigentlich besteht kein vernünftiger Grund, warum die Türkische Lira jetzt stärker werden könnte, genauso wie kein Grund besteht, dass die Devisen an Wert gewinnen, besondere politische Vorkommnisse mal weggedacht.

Momentan spielt die Tatsache, ob die FED in den USA die Zinsen senkt eher eine Rolle, als ob die Türkische Zentralbank dieses tut.

China, Japan, Südkorea und die EU wirtschaften schwächeln und parallel bekämpfen sich China und die USA, dann kommt noch der Brexit hinzu. Die Wahrscheinlichkeit, dass in 2020 weltweit die nächste Wirtschaftskrise angeläutet werden könnte, ist groß.

Die Auslandsschulden der Türkei sind in den letzten 10 Jahren von 265 Mrd. USD auf 453 Mrd. USD gestiegen. Das zeigt, dass man aus der letzten Wirtschaftskrise nicht die nötigen Lehren gezogen hat. Lehren ziehen? Wie sollen Menschen Lehren aus Situationen ziehen, wenn ihnen ihre Fehler nicht einmal bewusst sind?

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