Türkei: Immobilienverkäufe & Arbeitslosenzahlen

Was wie eine Erholung des Arbeitsmarktes der Türkei ausschaut, ist eigentlich genau das Gegenteil. Die Arbeitslosenzahlen vom März sind immer noch über 14%. Im Vergleich zu Januar und Februar ging die Zahl hinter dem Komma minimal zurück. Wer dieses als eine Art Erholung gedeutet hat, lebt an der Realität vorbei. Insofern nicht schlimm, weil man klein wenig Ahnung von der Materie haben muss, um das richtig zu deuten. Im März erholen sich die Arbeitslosenzahlen fast immer, zumal der Winter fast vorbei ist und saisonal mehr Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Eigentlich vergleicht man die Arbeitslosenzahlen nicht wie in der Türkei üblich von Monat zu Monat, sondern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Wenn man es so betrachtet, steht es mit der Arbeitslosigkeit so schlimm wie in 2009.

Das Dramatische dabei ist, dass die Arbeitslosigkeit sogar im März über 14% geblieben ist. Während die Arbeitslosigkeit in Januar und Februar 14,7% betrug, sind wir im März bei 14,1%. Diese sog. Verbesserung ist deshalb gegeben, weil die Zahl saisonal bereinigt ist. Nimmt man diese saisonale Bereinigung der Arbeitszahlen nicht vor, so ist die Arbeitslosigkeit sogar gestiegen. Nach den Zahlen von Türkstat (TÜIK) steigt die Arbeitslosigkeit seit 13 Monaten ununterbrochen.

Eigentlich sollte man die folgende Zahl eher als Maßstab nehmen: Im Februar 2019 gab es 4,5 Millionen Arbeitslose, während diese Zahl im Februar 2018 3,2 Millionen war. 1,3 Millionen Arbeitslose kamen folglich in einem Jahr dazu. Jeder vierte Jugendliche ist arbeitslos.

Im letzten Jahr lag die Arbeitslosigkeit bei den Jugendlichen zwischen 15-24 Jahre bei 17,7% und dieses Jahr sind es schon 25,2%.

Auch hier gibt es zahlenmäßig eine minimale Erholung zum März. Der Grund ist, dass die Werte vom Februar eigentlich ein Mittelwert von Januar-Februar und März sind und die März-Werte sind dann wiederum ein Mittelwert der Monate, Februar-März und April. Das bedeutet, der Kältemonat Januar ist raus und an seine Stelle ist der April dabei. Ein, was die Arbeitslosigkeit angeht, positiverer Monat als der Januar.

Die Immobilienverkäufe mit Hypothekenabsicherung fast auf null gesunken

Dass die Baubranche der Türkei derzeit ebenfalls am Ausbluten ist, weiß man auch nicht erst seit gestern. Türkstat hat vorgestern Zahlen herausgegeben, die beweisen, wie schlimm es um die Branche steht.

Im Mai haben 82.000 Immobilien den Besitzer gewechselt. Das ist gegenüber dem schon schlechten Vorjahr abermals ein Rückgang von 1/3. Fragt man die Immobilienmakler sagen sie schnell, dass die Immobilien zumeist den Besitzer wechselten, weil sie Sicherheits übereignet waren. Der Verkauf von Neubauten ging im Vergleich zum Vorjahr um 39% zurück. Dass die Immobilien für die Banken keine große Sicherheit mehr darstellen und die Banken mittlerweile ungern Kredite geben, sieht man daran, wenn man die Zahlen unter die Lupe nimmt, die per Hypothek finanziert wurden. Waren es noch zum schlechten Monat Mai 2018 noch 16.343 Verkäufe bzw. Finanzierungen über Hypothek, so sind es im Mai 2019 nur noch 1.997. Wenn man bedenkt, dass der Mai 22 Arbeitstage hatte, waren das Türkei weit gerade mal 91 Immobilienfinanzierungen mit Hypothekenabsicherung am Tag.

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