Die verpassten Chancen im Türkei-Marketing

In sportlichen Wettbewerben, wie Leichtathletik, Ringen, Gewichtheben usw., sieht man immer wieder Importsportler, die den weißen Halbmond und den Stern auf dem roten Trikot der Türkei tragen. Diese werden für viel Geld in die Türkei gelockt, wobei einige sehr gerne kommen, zumal sie vom Staat richtig gut belohnt werden, wenn sie Medaillen holen, bis dann diese wieder wg. Doping aberkannt werden.

Auf der anderen Seite gibt es kostengünstigere Methoden, Werbung für die Türkei zu machen. Die Formel I war so eine Möglichkeit. Der Istanbul Park Formel I Kurs wurde für 230 Millionen USD gebaut und in 2005 in Betrieb genommen. Bis 2011 war Istanbul Park auf der Karte der Formel I. Das Publikumsinteresse war gleich null, auch umsonst waren die Menschen nicht bereit Formel I live zu sehen. Am Ende verlangte Mr. Ecclestone ca. 17 Mio. USD, damit Istanbul im Rennen bleibt. Diese für einen Herrn Erdogan lachhaft geringe Summe war man nicht bereit zu bezahlen. Dabei hatte Formel I Istanbul schon nach dem ersten Jahr reges Interesse aus dem Ausland gebracht. Die Touristenzahlen stiegen sprunghaft. Städtewerbung über die Formel I und dann noch, wenn das zu werbende Objekt Istanbul heißt, besser geht es nicht. Mittlerweile ist alles Geschichte. Die Piste hat man für knapp 3 Mio. TL Pacht im Jahr ausgeschrieben und für 10 Jahre verpachtet. Auf dem Gelände kann man Autos kaufen, Trödelmärkte veranstalten u.v.a.m. Die drei Millionen machen nach dem heutigen Umtauschkurs 461.000 EUR Pacht im Jahr. Heute kam das Aus für ein nächstes Großereignis des Sports in der Türkei. Die Türkei-Tour der Radfahrer, die Präsidial Tour der Türkei genannt, ist nunmehr in die unterste Kategorie der Radtouren herabgestuft worden. Dabei gab es noch vor 5-6 Jahre die goldenen Jahre dieser Tour, wo alle Top-Mannschaften daran teilnahmen. Die Tour galt als Vorbereitung für den Giro d’Italia und die Tour de France. Pustekuchen!

Den Erfolg früherer Jahre garantierten einige Funktionäre, die mit Leib und Seele sich der Sache verschrieben hatten und dieses sogar auf freiwilliger Basis machten. Dann aber sahen die Mannen um Erdogan die Chance, sich über die Tour zu profilieren, bis jedes Jahr immer weniger Profiteams daran teilnahmen. Jetzt ist die Tour in der Bedeutungslosigkeit versunken und vom internationalen Dachverband in die unterste Klasse der Radtouren herabgestuft worden. Herzliches Beileid.

Übrigens, die Türkei-Tour wurde noch 2013 in 40 Länder live übertragen. Es gab hervorragende TV-Bilder und eine tolle Türkei-Werbung. Die Tour startete immer in Alanya. Am ersten Tag gab es Alanya-Alanya, bis wir dann die Radfahrer am 2. Tag Richtung Antalya verabschiedeten.

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