Graue Wolken über Denerland und das am Dennerstag

Seit letzter Woche bin ich ein Mensch zweiter Klasse in Deutschland, ja eigentlich bin ich erst einmal weg vom Fenster, wenn ich mich geschäftlich tätigen, oder ein Darlehen aufnehmen möchte. Aus die Maus.

Ich rühmte mich bis Donnerstag letzter Woche damit, dass ich einen optimalen Schufa-Score hatte. Alles sauber, alles äußerst positiv. Erst als ich völlig unerwartet einen Darlehensantrag wegen eben der erwähnten Schufa abgelehnt bekommen habe, traf mich fast der Schlag.

Wie konnte das sein, zumal ich noch letztens, um die Wohnung anzumieten, eine Selbstauskunft zog und ‚sauber‘ war. Also zog ich abermals eine Selbstauskunft.

„Negativeintrag“ wegen Kontokündigung seitens der Bank, mit einem Gesamtwert von 115 EUR und das ganze an das Inkasso weitergegeben. Ich musste erst einmal mein Leben Revue passieren lassen. Was für ein Bankkonto?

Dann fiel der Groschen. Ich brauchte, als ich damals in Alanya lebte, ein deutsches Konto für einen Geschäftsvorgang. Das ging mit der ausländischen Adresse nur bei einer Online-Bank. Nach dem Post-Ident-Verfahren hatte ich dann mein Konto, aber keine Zugangsdaten.

Als ich diese über das Telefon-Hotline verlangte, sagte man mir, ich solle es per Fax anfordern. Gesagt, getan. Nichts passierte. Also schickte ich noch ein Fax mit dem Ende, dass abermals nichts passierte. Da aber der Geschäftsvorgang, um die es ging für mich abgeschlossen war und der Kunde den Betrag in die Türkei geschickt hatte, ging ich davon aus, dass das Konto, zumal nicht von mir aktiviert, weil keine Zugangsdaten vorhanden, ruhen würde.

Sieben Jahre später sollte ich über die Schufa erfahren, dass es das doch noch gab, mein Konto bei dieser Online-Bank. Dreimal hatte die Bank mich angeschrieben, damit ich den Betrag begleiche, welches durch die Kontoführungsgebühren der letzten sieben Jahre auf 115 Euro sich belief. Die Schreiben der Bank datierten vom November und Dezember 2018 und Januar 2019.

Dabei musste ich die Türkei im März 2017 verlassen, also war ich nicht mehr in der Türkei. „Da die Briefe nicht zurückkamen, müssen wir davon ausgehen, dass sie diese erhalten haben.“ sagt die Hotline. Woanders, wie z.B. in der Rechtsabteilung der Bank, kann man nicht landen, alles macht deren Callcenter.

Sogar am Wochenende hatte ich rege Korrespondenz mit denen und dass bei so einer heiklen Sache (für mich).

Ich konnte natürlich nachweisen, dass ich zu dem Zeitpunkt der Schreiben nicht in der Türkei war. Dennoch, die Callcenter Mitarbeiterin wusste es besser. „Es ist aber nichts zurückgekommen.“ Ich sagte liebe Frau, das ist die türkische Post, täglich hatten wir Briefe von wildfremden Leuten vor der Tür. Wen interessiert es, ob eine normale Briefsendung angekommen ist oder nicht?

„Sie werden bald von dem Inkasso hören“ hieß es. Als ich fragte, welches Inkassounternehmen das wäre, damit ich mit denen Kontakt aufnehmen und dann wahrscheinlich statt 115 dann 350 EUR bezahlen muss, hieß es: „Sie werden bald von denen hören, aber wir legen viel Wert auf die Kundenzufriedenheit und könnten Ihnen noch anbieten, dass sie den Ombudsmann des Bankenverbandes anschreiben.“

Damit die Posse weitergeht bzw. für mich ein glückliches Ende nimmt, habe ich den Ombudsmann angeschrieben und alle Dokumente und Nachweise geschickt, damit er sofort loslegen und für Klärung sorgen kann. Natürlich passierte nichts. Ich habe nur den Nachweis, dass das Schreiben bei denen eingegangen ist und dann? Übrigens, wegen Datenschutz sag die Hotline mir nicht einmal, welche Kontonummer ich habe. Ich musste mit einem Koffer die Türkei verlassen und Unterlagen, woraus ich das entnehmen könnte, habe ich nicht dabei.

Interessant ist auch die Tatsache, dass Schufa-Einträge nur möglich sind, wenn der betreffende in Deutschland wohnhaft ist. Wenn also die Bank mich da eintragen ließ, müssen die doch erfahren haben, dass ich in Deutschland bin. Warum also nicht gleich anschreiben und die Angelegenheit aus der Welt schaffen?

Erst einmal bin ich, wenn die Auskunftei angerufen wird, auf dem Abstellgleis. Wenn Ihr mir nächstes Mal „Hallo“ sagt, sollt Ihr wissen, dass ich befleckt und nicht mehr ganz koscher bin.

Vorsicht!

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