Die Türkei verstehen – Galatasaray, Starbucks & Co.

Wenn man bedenkt, dass ich jeden Tag 40% Erstbesucher meines Blogs habe, so denke ich, dass fast jeder aus der türkischen Community den Blog kennt. Zumal go2tr.de seit fast 9 Jahren existiert. Ich hatte schon eine Vorahnung, dass mein Beitrag über Galatasaray‘s Meisterschaft in der Türkei der Renner werden würde. Ganz bitter, aber wahr. Es muss nicht einmal eine türkische Mannschaft sein, denn ich schwärmte einmal darüber, wie professionell der Club FC Bayern München geführt werden würde und allein die Überschrift reichte, dass ich damals den meistgelesenen Beitrag hatte. Gestern zog Galatasaray so viele LeserInnen an, dass sogar die Meldung über den Fachkräftemangel der Verpackungsindustrie der Türkei dieses Jahr von der Leserschaft her, die Nr. 2 wurde. Wer hätte gedacht, dass sich so viele für Verpackungen interessieren?

Also ist Fußball im Leben eines Türken, noch vor der Politik die Nr. 1 Thema. Im Lande steht man bekanntlich auf Marken. So hat es mich nicht gewundert zu hören, dass es nach GB die meisten Starbucks Filialen in der Türkei gibt.

Statistik: statista.com

Jetzt sollte man denken, dass die Türkei eine Kaffeetrinker Nation ist. Weit verfehlt, ganz im Gegenteil, so wie nach meinem Empfinden Starbucks, wo ich mich sehr gerne aufhalte, eigentlich mehr Milch und Eis verkauft als Kaffee, so trinken die Türken eher Tee als Kaffee. Während die Türken 2006 (weiß ich aus eigener Studie, die ich damals für einen Auftraggeber machen musste) nur 180 gr./pro Kopf-Verbrauch an Bohnenkaffee hatten, liegen sie bereits 13 Jahre später bei knapp über 1 kg. Die Finnen sind mit 12 kg Spitze, während Deutschland bei knapp über 6 Kilogramm liegt. Es ist schick und ‘In’ sich bei Starbucks aufzuhalten. Nicht nur das, es ist in der türkischen Geschäftswelt bei den Angestellten mittlerweile auch ‘In’, jeden Morgen mit einer Tasse Kaffee im Büro aufzutauchen.

Geschummelt und Erfolg gehabt

Dabei kenne ich zwei ausländische Marken, die erst in der Türkei groß geworden sind und wenn ich schon zwei kenne, muss es noch wesentlich mehr davon geben. Als sie in Einkaufszentren Ladenlokale mieten wollten, gaben sie vor, eine Kette mit 20 bzw. 70 Standorten in Europa zu sein. Dabei hatten beide, ein Türke aus Finnland und der andere aus Frankreich, jeweils ein Laden vorzuweisen. Die Bilder der Standorte konnte man bei beiden auf deren Website sehen. Dank Photoshop wurden die Bilder fremder Läden mit der eigenen Marke versehen. 2016 hatten beide jeweils ca. 80 Läden in der Türkei.

An Kaffee-Ketten in der Türkei müssen hart kämpfen

Ich weiß auch aus Kontakten zu der Kaffeebranche der Türkei, dass eigentlich nur der Kaffeeröster Kurukahveci Mehmet Efendi Geld an Kaffee richtig gutes Geld verdient. Warum? Weil sie die Mieten der Ladenlokale nicht auf dem Buckel haben. Woanders hatte ich schon geschrieben, wie die Mieten in der Türkei festgelegt werden. Der Eigentümer rechnet hoch, was er verdienen würde, wenn er den Ladenlokal selbst, z.B. als Gastronomiebetrieb betreiben würde. Den rechnerischen Gewinn verlangt er dann als Miete. Die Betreiber können dann zu kämpfen anfangen, dass sie überleben.

Jetzt könnte es heißen: “Wenn die nichts verdienen würden, gäbe es sie nicht.” Im Normalfall ja, aber wir sind in der Türkei.

Kaltstart X - Das Buch von Ahmet Refii Dener

Das könnte Dich auch interessieren …