Der illegale Präsident und der Blaumilch-Kanal

Wir, die in Deutschland leben, können ein Lied davon singen. Wie oft macht man etwas falsch und sagt am Ende “Ich habe es nicht gewusst.” Prompt kommt der Satz: “Unwissenheit schütz vor Strafe nicht.” Dann gibt es noch die Fälle, wo einer bewusst falsche Tatsachen vortäuscht. Das nennt man dann schon Betrug.

Die Unfähigkeit, oder aber auch die Komplizenschaft der oppositionellen Parteien in der Türkei sei Dank, ist einer illegal zum türkischen Präsidenten geworden. 

Die damalige Verfassung der Türkei verlangte von einem Präsidentschaftskandidaten ein vierjähriges Studium und den dazugehörigen Uni-Abschluss. Der besagte Präsident hat so etwas nicht vorzuweisen bzw. ist ersatzweise mit einem gefälschtem Diplom unterwegs (wird oftmals in den Medien abgebildet).

Jetzt werden einige sagen, wozu denn ein Universitätsdiplom, aber so stand es nun mal in der Verfassung. Ich schreibe in der Vergangenheit, denn mittlerweile ist das meines Wissens geändert. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der besagte Präsident den falschen Weg gegangen ist und betrogen hat.

Gerüchte aus Ankara besagen, dass sogar wegen dem Fehlen des Diploms Abdullah Gül zwischen zeitig Präsident werden musste. Sozusagen ersatzweise, zumal das mit dem nicht existenten Diplom damals in aller Munde war und den damaligen Ministerpräsidenten, der das Präsidentenamt anstrebte, geschadet hätte. So war Gül von 2007 bis 2014 der Präsident. Könnt Ihr Euch einen anderen Grund vorstellen, warum so ein Narzisst und machtgieriger Mann, wie der damalige Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, nicht eher Präsident wurde. Er war schon damals (fast) der Alleinherrscher, aber halt nicht nach der damals bestehenden Verfassung.

Als der jetzige Präsident, bei einem der vielen Wahlen wieder alles zu recht gebogen hatte, oder tatsächlich gewann (die Übergänge sind nahtlos), ließ er danach über achttausend Klagen, die er wegen Beleidigung durch Andersdenkende angestrebt hatte, fallen. Das tat er in Wirklichkeit nicht wegen zu großer Güte, nein, bei einigen dieser Klagen verlangte man nämlich sein Diplom als Beweismittel zu sehen.

Wenn die Opposition gewillt ist ihn zu stürzen, müssen sie an dieser Schwachstelle des illegalen Präsidenten ansetzen und nicht lockerlassen. Keine Sorge, die Opposition ist genauso schlecht wie die Regierung. Alle arbeiten gegen die Türkei. Dieser Straftatbestand des illegalen Präsidenten muss über allem stehen. Die Frage, was man machen kann, habe ich an einige Verfassungsrechtler in der Türkei gestellt, aber noch keine Antwort erhalten. Ich bin mir auch nicht sicher, ob die sich überhaupt trauen werden zu antworten. So ist das in Demokratien, die Menschen leben in Angst. Ich meine es natürlich ironisch, aber in den sogenannten Demokratien stimmt das schon.

#alleswirdvielschönerwerden #herseycokgüzelolacak ist der Hashtag, wenn es darum geht, den gewählten aber abgesetzten OB von Istanbul, Imamoglu, zu unterstützen. Ich bin dabei! Nur wundert es mich, dass die die ich unterstütze, mit keinem Wort die zu unrecht im Gefängnis sitzenden Andersdenkenden zur Sprache bringen, geschweige denn, sich für sie einsetzen. Es ist alles ein Ganzes. Wenn Ihr nach Recht schreit, dann für alle, denn wir sitzen alle in einem Boot.

#freethemall #freeosmankavala #freeselahattindemirtas#journalismusistkeinverbrechen und stellvertretend für alle, die zu Unrecht in ausländischen Gefängnissen einsitzen #freeraifbadawi (Saudi Arabien).

Warum das so ist, kann ich nicht sagen, aber irgendwie bringe ich die Situation mit Ephraim Kishon’s “Der Blaumilchkanal” in Verbindung.

Hier eine kurze Inhaltsangabe für die, die das Buch bzw. den Film nicht kennen.

Kasimir Blaumilch bricht aus der Irrenanstalt aus und bohrt mit einem gestohlenen Presslufthammer mitten in Tel Aviv die Allenby-Straße, eine Hauptverkehrsader, auf. Als die Polizei in vorauseilendem Gehorsam die Straße sperrt und die Anwohner sich über den 24-Stunden-Lärm beschweren, beginnen die Behörden im Rathaus mit der Suche nach dem Urheber des Treibens. Doch auch der eigentlich zuständige Leiter der „Abteilung für Reparaturen auf den Hauptverkehrsstraßen“, Dr. Kwibischewsky, weiß von nichts. So geben sich die Behörden gegenseitig die Schuld für das Schlamassel und am Ende geht man mit der Sache vor Gericht.

Um die Bautätigkeit rasch zu beenden, wird Blaumilch von Bautrupps mit schwerem Gerät unterstützt, bis er mit seinem Presslufthammer an das nahe gelegene Meer gelangt, sodass die Wassermassen mitten durch Tel Aviv strömen können.

Der Bürgermeister eröffnet stolz den Allenby-Kanal und preist die Stadt als „Venedig des Nahen Ostens“, sodass am Ende alle zufrieden sind, mit Ausnahme des Magistratsangestellten Ziegler. Dieser ist der einzige, der versteht, wie es zu den Bauarbeiten kam. Er ruft: „Da war ein Verrückter am Werk!“, woraufhin alle glauben, damit sei der Bürgermeister gemeint. Folglich wird Ziegler in die Psychiatrie eingewiesen.

Enttäuscht, dass er bei den Eröffnungsfeierlichkeiten nicht als der eigentliche Initiator des Kanals gewürdigt wird, beginnt Kasimir Blaumilch in der Schlussszene ein neues „Bauprojekt“ auf dem Rathausvorplatz, dem heutigen Rabin-Platz (Kikar Rabin).

Aus dem Film “Der Blaumichkanal”. Herr Blaumilch baut den gleichnamigen Kanal. 🙂
Kaltstart X - Das Buch von Ahmet Refii Dener

Das könnte Dich auch interessieren …