“Bist Du ein Kommunist?” fragte man ihn

Izak Alaton war ein türkischer Geschäftsmann und Investor jüdischer Herkunft. Er ist Gründungspartner der Alarko-Unternehmensgruppe. Er verstarb 2016 im Alter von 89 Jahren. Ein Mann den ich persönlich kennenlernen durfte, ein Grandseigneur. Ein Handschlag von ihm war bindend erzählen die, die mit ihm Geschäfte machten. Die folgenden Zeilen habe ich aus seiner von Mehmet Gündem geschriebenen Biografie entnommen und übersetzt. Das Buch heißt „Der nützliche Mann Ishak Alaton“. Ich möchte Euch erzählen, wie er 1963 von einem Polizisten in Zivil befragt wurde, ob er ein Kommunist sei. Zwei Monate später wurde er vom Verdacht, er sein ein Kommunist freigesprochen.

„Wer bist du, woher kommst du und wohin gehst du?“

„Ich war immer hier. Zeitweilig war ich mal in Schweden.“

„Was hast du dort gemacht?“

„Arbeiter war ich. Ich war Schweißer.“

„Waas, du warst Arbeiter?“

„Stimmt, damals war ich Arbeiter und heute bin ich ein Industrieller. Ich schaffe Arbeitsplätze, was soll dabei falsch sein?“

„Das ist natürlich nicht schlimm, aber Sie sind denunziert worden. Da steht es, Sie sollen die Wände rot bemalt haben.“

„Ist das ein Verbrechen etwas in rot anzumalen? Die Farbe der türkischen Flagge ist auch rot.“

„Lassen Sie uns zur Kantine gehen, die Sie rot angemalt haben.“

Die Befragung wird dort fortgesetzt. Mehrere Polizisten begleiten ihn.

„Warum essen Sie mit Ihren Arbeitern, wenn Sie kein Kommunist sind?“

„Weil wir immer zur gleichen Zeit essen und zur gleichen Zeit Hunger bekommen. Wir essen, solange das Essen warm ist.“

„Und warum bildet ihr Menschenschlagen?“

„Wie sollen wir sonst unser Essen bekommen, es gibt keine Kellner hier.“

Es war wie ein Theaterspiel. Die Polizisten zogen ab. Nach zwei Monaten stand in dem Bericht, dass die Behauptungen gegen Alaton haltlos gewesen wären.

Nach Jahren stellt sich heraus, dass der Denunziant der Gewerkschaftsvertreter des Unternehmens war. Als er Rentner wurde, kam er zu Herrn Alaton und wollte seinen Gewissen erleichtern.

„Ich habe Sie damals denunziert, dass Sie ein Kommunist seien. Sie haben uns als Gewerkschafter arbeitslos gemacht. Die Arbeiter müssen fordern, damit sie sich bemerkbar machen und stark bleiben. Sie aber gaben den Arbeitern ihre Rechte und noch viel mehr. Da war ich gezwungen das zu tun. Als die Gewerkschaft die Idee Sie zu denunzieren auch gut fand, habe ich Sie denunziert, aber dabei genau gegenteilige Wirkung erzielt.“

Alaton möchte nicht, dass der Mann noch mehr leidet, schüttelt ihm die Hand und wünscht ihm auf seinem weiteren Lebensweg alles Gute.

Die Geschichte, dass Menschen ohne triftigen Grund denunziert werden, ich inklusive, passiert heute immer noch. Die Türkei hat dafür sogar ein Denunziations-App. So glimpflich wie bei Izhak Alaton läuft es aber heutzutage für den denunzierten nicht ab, denn es gibt den Rechtsstaat nicht mehr.

“Der größte Lump im ganzen Land,
das ist und bleibt der Denunziant.”

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