Für die Türkei hat eine neue Zeitrechnung angefangen

Die Regierung um den Alleinherrscher glänzte in den letzten Monaten vor den Kommunalwahlen damit, alles zu unternehmen, um die schlechten Zahlen der Wirtschaft zu beschönigen. Dabei haben sie dermaßen daran geglaubt, dass das gelingen könnte, dass sie dabei außer acht gelassen haben, dass der Bürger es selber besser weiß, ob er was in der Tasche hat, oder nicht.

Sicher klang es wie ein Hohn in den Ohren der Bevölkerung, dass der Alleinherrscher und sein Schwiegersohn ein tolles Bild der Türkei zeichneten. So kamen die wichtigsten Metropolen der Türkei der AKP abhanden. Dennoch, sehr viele dieser o.g. Leidenden sind ihrem Alleinherrscher gefolgt und haben bei den Kommunalwahlen für die KandidatInnen der AKP/MHP Koalition gestimmt. Jetzt gilt es die wirtschaftlichen Themen aufzugreifen und die Türkei, die Bürger des Landes und im Besonderen die Wirtschaft aufzurichten.

Nur, wer soll sich darum kümmern? Es ist kaum möglich ein Land zu regieren, in dem 80% der Wirtschaftskraft aus den Städten herrührt, wo die AKP keine Oberbürgermeister, bzw. Bürgermeister stellt. Apropos Oberbürgermeister, als Erdogan 1994 in Istanbul gewählt wurde, sagte er: „Wer Istanbul gewinnt, gewinnt die Türkei“, oder so ähnlich.

Zwar sind seine Worte Schall und Rauch, denn er sagte auch mal, dass die dritte Bosporus-Brücke, die er später selber baute, Mord an Istanbul wäre. Wie soll es jetzt weitergehen? Gerüchte besagen, dass die Verhandlungen mit dem IWF schon angelaufen seien. Nur, Geld ist nicht alles, da muss viel mehr passieren, damit die Wirtschaft wieder in Fahrt kommt.

Hat der Alleinherrscher nach dem Kommunalwahldebakel dieser Tage noch für etwas anderes seinen Kopf frei, als seine Macht zu erhalten und zu stabilisieren? Wahrscheinlich nicht. Sollte er die Wahlergebnisse so belassen und nicht eingreifen, um für eine Verschiebung zu Gunsten seiner Partei zu sorgen, könnte er evtl. davon profitieren, dass das Vertrauen in ihn und folglich der türkischen Wirtschaft steigen könnte.

Wie ich das schreibe, möchte ich daran glauben, aber auf der anderen Seite wissen wir, dass er so etwas schwer dulden kann. Genau jetzt hat Erdogan die Chance seines politischen Lebens, das Blatt zum Guten zu wenden. Die Wahlergebnisse zu akzeptieren, wäre ein feiner und unerwarteter Schachzug von ihm. Auf der anderen Seite muss er dafür Sorge tragen, dass die betreffenden Städte weiter die Unterstützung des Staates haben, sprich, die Finanzmittel kontinuierlich fließen.

Welche Mittel? Könnte man da fragen. Stimmt, er muss dafür sorgen, dass jetzt nicht der Eindruck entsteht, dass er die verlorenen AKP Bastionen Istanbul und Ankara im Besonderen, aber auch die restlichen oppositionell geführten Städte nicht ausbluten bzw. verhungern lässt. Jeder Tag des Nichtstuns, in Zusammenhang mit wirtschaftlichen Entscheidungen und Handlungen, wird die Türkei noch mehr ins Dunkle führen.

Für die Türkei hat eine neue Zeitrechnung angefangen. Nur welche, dass muss man erst einmal abwarten.

Bild von Alexas_Fotos auf Pixabay

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