“La percusiòn? – Igitt!”

Da meine Mutter und mein Onkel Klavier spielten und mein Vater Geige, waren bei uns in der Familie die restlichen Instrumente verpönt und nicht schick. So dauerte es nicht lange, bis ich den Weg über die Blockflöte, Mandolinen um Mitternacht, Gitarre, Ukulele, zu einer Elektroorgel fand. Mein Vater sah wohl in mir den kommenden Franz Lambert, der damals On-Top war. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Es funktionierte alles nicht, denn ich wollte Schlagzeug spielen. Die gekauften Instrumente waren aber keine Fehlinvestitionen, denn unser Vater spielte selber drauf. Auf dieser Orgel machte er die ersten Arrangements der Lieder des späteren Karneval-Stars “Callas von Niehl”, der lieben Renate Fuchs. Kurze Erinnerung, unser Vater war kein Musiker, sondern Dipl. Chemiker und Doktor der Gesteins- und Hüttenkunde.

Auf mein Drängen gab mein Vater nach und suchte für mich einen geeigneten Musiklehrer. Wo? Damals hieß es glaube ich Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester. Wenn schon sein Sohn so ein schlimmes Instrument wie Schlagzeug lernen sollte, dann sollte der Lehrer wenigstens einer aus dem Sinfonieorchester sein. Mein Lehrer war ein Argentinier, der nur einige Brocken Deutsch sprach, so musste ich ihn nicht fragen, wo er eigentlich her kommt. So viel Deutsch konnte ich auch nicht zu der Zeit. Er und mein Vater wurden sich handelseinig und es konnte losgehen mit dem Schlagzeugspielen, dachte ich. Weit verfehlt. Zuerst musste ich die Noten lernen. Wo konnte man das am Besten, in den Übungsräumen der Musikhochschule in Köln. Also trafen wir uns dort. Im Raum stand ein Klavier. Also musste ich die Noten zuerst auf dem Klavier lernen. Dann drückte mein Lehrer auf der Klaviatur auf eine Taste und “Plinnng!”, sofort fing er an “Doooo!” und dann nochmals “Doooo!” Ich sollte die einzelnen Töne raushören und unterscheiden können. Ich glaube nach der zehnten Einzelstunde, die sich über zwei Monate erstreckte, hatte ich in der Schule genug Deutsch gelernt, dass ich fragte: “Wann fangen wir mit dem Schlagzeug an?” Es gab Kommunikationsprobleme. Als ich die Bewegungen machte, als würde ich Schlagzeug spielen, fiel bei ihm der Groschen. “Aaaaa, la percusiòn, igitt! sagte er. Damals dachte ich, dass “Igitt” Spanisch ist, zumindest kam es mir so vor. Danach fasste er nach und sagte “Igittigitt!” und gut war es. Zuhause angekommen fragte ich meinen Vater, was das bedeuten würde. Das Ende vom Lied war, dass mein Vater für mich einen Klavierlehrer engagiert hatte. Somit fand meine Musikkarriere ein jähes Ende.

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