Geringste Handelsbilanzdefizit während der AKP Regierung, aber…

Die Türkei hat das letzte Jahr mit einem Handelsbilanzdefizit von nur 27,6 Milliarden USD abgeschlossen. Das ist hocherfreulich könnte man meinen, denn so niedrig war diese Summe in den letzten Jahren nie. So betrug im Jahr 2017 das Defizit 47 Milliarden USD.

Wie hat die Türkei das geschafft? Was hat Ankara raffiniertes gemacht, dass das Defizit so niedrig ausfiel? Eigentlich nichts, rein gar nichts. Das Wirtschaftswachstum hat sich verlangsamt und begann zu schrumpfen. Die schrumpfende Wirtschaft produzierte nicht nur weniger, sondern benötigte auch weniger Erdgas. Folglich hat die Türkei weniger Erdgas importiert und so am Ende das Defizit verkleinert.

Wäre währenddessen die Wirtschaft gewachsen und die Arbeitslosigkeit geringer geworden, hätte man 40 Tage und Nächte feiern können. Dem ist aber nicht so. Immer, wenn die türkische Wirtschaft wuchs, wurde die Schere zwischen den Exporten und den immer weiter steigenden Importen, größer. Das Defizit stieg an.

Nur, dafür brummte der Konsum und die Arbeitslosigkeit war nicht so hoch. Jetzt muss man sich fragen, was besser ist. Ein Defizit wie 2018 von 36 Milliarden USD und ein Wirtschaftswachstum von 3,8%, oder 28 Milliarden USD Defizit und Wirtschaftswachstum von 1,6% (wie für dieses Jahr erwartet)?

Nicht vergessen sollte man noch die Devisenschulden der Unternehmerschaft. Der Arbeitgeberverband TÜSIAD bezifferte Anfang der Woche die Schulden der privaten Wirtschaft auf 306 Milliarden USD. Schulden zu machen ist solange legitim, solange die Rechnung aufgeht.

Über die hohe Zahl der Unternehmenspleiten, die derzeit an der Tagesordnung sind, erfahren wir wegen der Zensur nichts. Nur über private Kontakte erfährt man, wie extrem die Situation in der Wirtschaft ist. Dabei staune ich besonders, das Unternehmen, die gefühlt als untötbar galten, ebenfalls pleite sind.

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