Die türkische Wirtschaft wächst immer dann, wenn sie Schulden machen kann.

“Türkei weist Forderung nach Aussetzung der Beitrittsgespräche als “unbedeutend” zurück” heißt es. Die türkische Wirtschaft wächst aber immer dann, wenn sie Schulden machen kann. Die Schulden konnte man locker machen, weil die EU-Vollmitgliedschaft verhandelt wurde. Eine Aussetzung der Beitrittsgespräche ist, monetär betrachtet, eine Katastrophe für die Türkei. Nur, wer will das zugeben?

Komplott-Theorien im DNA des Türken?

Ständig spinnen die Türken und ihr Alleinherrscher Komplott-Theorien und sind so niemals schuld an der Misere der Wirtschaft und den politischen Fiaskos. Immer sind es die anderen. Dabei ist eines der Hauptgründe, die fehlende Sparsamkeit. Die Türken sparen nicht. Jetzt könnte es zwar heißen: „Ja womit denn?“, dennoch, auch zu besseren Zeiten, sie sind keine Sparernation. Sie sind lediglich wild auf hohe und vor allem schnelle Gewinne, sei es durch Bankzinsen, die von der Inflation gefressen werden, oder durch das Gewinnversprechen windiger Geschäftemacher.

Wer nicht genug spart, muss auf die Ersparnisse der Ausländer greifen.

Zu Beginn der Erdogan Ära erschuf man die Private Rentenversicherung (BES). Vorteile zuhauf und 25% Bezuschussung der Prämien durch den Staat sollten die Nation zum Sparen bewegen. Das geschah auch zum Teil. Bis 2017 machten 6,9 Millionen FREIWILLIG mit. Danach kamen noch 3,4 Millionen ArbeiterInnen, per Zwang dazu. So schrieben es die Gesetze vor. Somit sind an die 10 Millionen Personen privat rentenversichert.

Die Zahl ändert sich dieser Tage schlagartig. Die automatisch versicherten haben nämlich das recht auszusteigen. Laut Ahmet Genc vom Schatzamt der Türkei, treten 50-60% der zwangsrentenversicherten sofort aus. Die Private Rentenversicherung hat eine gewisse Ähnlichkeit mit einer Geschichte des Nasreddin Hodscha*. Dieser ist bekannt für seine schlauen Ideen.

Rechts und links Stacheldraht spannen?

Eines Tages kommt er auf die Idee, rechts und links des Pfades, wo die Schafe entlangkommen, Stacheldraht zu spannen. Die Schafe würden sich dann beim Vorbeigehen an dem Stacheldraht schrammen und die Wolle würde am Draht hängenbleiben. Am Ende bräuchte man die Wolle nur noch einsammeln, und dann daraus Garn produzieren und verkaufen.

So sollte es auch mit der türkischen Bevölkerung passieren. Diese würden die Private Rentenversicherung „schrammen“, die Gelder würden sich dann dort in der Kasse anhäufen und weg wären alle Probleme der Türkei.

Wenn der Staat Opfer von der Bevölkerung verlangt, sollte sie zuerst mit dem Sparen anfangen. Wenn sie das nicht tut, wird alles nichts nutzen.

Zwischen 1975 und 1998 betrug das Leistungsbilanzdefizit 1,7% zum Volkseinkommen. Zwischen 2003 und 2017 stieg es um das Dreifache auf 4,9%. Die Bestrebungen um die EU Vollmitgliedschaft brachten mit sich, dass die EU bzw. die Banken in der EU, der Türkei leichter Kredite vergaben.

Die Pro-Kopf Verschuldungslimits wurden seitens EU erhöht und die Türkei machte regen Gebrauch davon. Jetzt steckt der Karren im Schlamm und ein Ausweg ist nicht in Sicht. Es sei denn, man findet wieder ein Weg, um sich nochmals zu verschulden. Derzeit bietet sich nur ein Multimilliarden USD IMF Darlehen als die Lösung an. Einen anderen Geldgeber, jetzt wo die EU ausfällt, kann es nicht geben. Nur die IMF hat die Mechanismen, die Rückzahlung zu überwachen. Die Folge wird sein, dass nicht nur der Staat sondern auch der türkische Bürger, durch die Schuldenlast geknickt, durch die Gegend laufen, und von einer Krise in die andere schlendern wird.

(*) Nasreddin Hodscha, ist der Name des prominentesten Protagonisten humoristischer prosaischer Geschichten im gesamten türkisch-islamisch beeinflussten Raum vom Balkan bis zu den Turkvölkern Zentralasiens. Seine historische Existenz ist nicht gesichert; es wird angenommen, dass er im 13./14. Jahrhundert in Akşehir im südwestlichen Anatolien gelebt hat.

Bild von Rilsonav auf Pixabay

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