Die gelbe Blume vor dem Palast

Heute sind Kommunalwahlen in der Türkei und wenn man die letzten Male glaubte, ein Wahlkampf könne nicht noch schmutziger geführt werden, sah sich eines Besseren belehrt. Es ging doch. Die Toten in Neuseeland, so makaber es klingen mag, kamen dem Alleinherrscher gerade recht. So konnte er die Menschen wieder entfremden und abermals eine ‚Ihr‘ und ‚Wir‘ Stimmung erzeugen. Das erste Verkehrsflugzeug und Auto aus türkischer Produktion, waren diesmal kein Thema. 17 Jahre lang, vor jeder Wahl angekündigt, hätten diese schon längst da sein müssen. Nach diesen Wahlen wird die Türkei lange 4,5 Jahre lang keine Wahlen mehr haben. So etwas ist einmalig für die Türkei. Der Türkei stehen unruhige Zeiten bevor.

Vom Bösen kann man etwas wegkommen, wenn ich Euch erzähle, wie das mal in der früheren Türkei war. Stellte man eine gelbe Blume vors Fenster, bedeutete dieses, dass jemand krank war in dem Haus. War die Blume rot, bedeutete das, dass ein Mädchen im heiratsfähigen Alter in dem Haus lebte. Das sollte ein Hinweis für die sein, die gerne fluchten. Sie sollten sich beherrschen, wenn sie an diesem Haus vorbeizogen. Neben dem türkischen Mokka reichte man ein Glas Wasser. War der Gast satt, so griff er zuerst nach dem Mokka, wenn er aber hungrig war, griff er zuerst nach dem Wasser. So deckte man sofort den Tisch und der Gast konnte gesättigt das Haus verlassen. Die Haustür hatte zwei Klopfhölzer hängen. Das dickere von den beiden Hölzern erzeugte einen lauteren Klopfgeräusch. In dem Fall bedeckte sich die Frau, oder ließ die Tür durch einen Mann öffnen. Der Jüngere ging niemals vor dem Älteren. Den Ärmeren gab man die Verpflegungspakete nicht zu Ramadan sondern vorher, damit diese etwas zu Essen hatten und feiern konnten. Damals wurde in den Läden wesentlich mehr angeschrieben, als es heut der Fall ist.  Die Ladenbesitzer fanden sich vor dem Ramadan zusammen und entschieden, wessen Schulden gestrichen werden sollten. Die Gentlemen unter den Männern gingen zum ersten Treffen mit der Liebsten nie mit leeren Händen. Sie schenkten zumeist einen Taschenspiegel. Sollte bedeuten: „Ich kann Dir nicht schöneres schenken als dein eigenes Bildnis im Spiegel.“

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