Bäume sind kein Thema

Meine Tagesspiegel Kolumne von heute. Ich sinniere über das Grün im türkischen Staat und im Islam.

Wenn man in der Türkei „Patentanmeldung“ sagt, deckt man damit auch die „Markenanmeldungen“ ab. So kommt immer eine gewaltige Zahl heraus. Dabei wird Innovation in der Türkei kleingeschrieben. Nur wenige Patente kommen aus der Türkei. Wenn man in der Türkei von „Wäldern“ spricht, meint man damit auch die „Forsten“. So muss man nicht viel erklären.

Im Geschäftsleben funktioniert es nicht anders. Sagt der türkische Geschäftspartner eines deutschen Unternehmens: „Die Geschäfte laufen sehr gut, wir haben die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt, trotz Schwierigkeiten“, so beinhaltet diese Aussage auch die Information, dass es viele säumige Zahler gibt und dass eine neue Finanzierung hermüsste.

Bleiben wir bei den Wäldern. Gefühlt wird das Grün in den Städten und Randgebieten immer weniger. An seine Stelle rückt Beton. Wo man hinschaut: nur Beton. In Istanbul zum Beispiel regnet es selten normal, sondern sintflutartig. Die Stadt kann nicht mehr atmen.

Eigentlich eine ganz normale Situation. Da, wo der politische Islam am Regieren ist, gibt es kein Grün in Form von Natur. Jedenfalls nicht mehr so viel wie zu säkularen Zeiten. Den Unterschied zu früher kann man auf Fotos aus dem Iran, Irak, Syrien und der Türkei gut sehen.

Dabei soll „Grün“ die Farbe des Propheten Mohammed gewesen sein. Seine Soldaten sollen bei der Eroberung von Mekka alle ein grünes Banner getragen haben. Auch die Terroristen der Hamas tragen ein grünes Stirnband. Nur mit der Natur haben sie alle nichts am Hut, die gesamte islamische Welt nicht.

Auf der anderen Seite rühmen sich Erdogan und seine Mannen zu Wahlzwecken, dass sie mal 2,5, mal vier Milliarden Bäume gepflanzt hätten. Wenn man zur Aufbereitung des Bodens und zum Einpflanzen eines Baumes nur fünf Minuten bräuchte, müssten Teams von Zehntausenden ununterbrochen mit Bäumeeinpflanzen beschäftigt sein. Seit Jahren.

Die vergangenen vier Jahre sind Bäume kein Wahlkampfthema mehr. Das wäre auch nicht glaubwürdig, denn zu Zeiten der AKP gab es erstmals Waldbrände in der Schwarzmeerregion. Auch an der Ägäisküste weicht immer mehr Wald dem Beton. Das Waldamt der Türkei nennt die Hälfte des türkischen Waldes „nicht intakt“. Wenn man bedenkt, dass Herr Erdogan allein für seinen Palast zehntausend unter Schutz stehende Bäume fällen ließ, muss man sich nicht wundern, dass die Erhaltung der Natur in der Türkei nicht von Bedeutung ist.

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