“Was haben die Türken mit Monaco zu tun?”

Ich fluche nie und wenn mir mal der Kragen platzt, schweige ich und entferne mich von der betreffenden Person. Klar, wenn man so viel Tacheles schreibt, wie ich das tue, bleibt es nicht aus, dass Kleingeister entsprechend böse reagieren. Es ist aber einfach darüber zu stehen. Es sind halt Kleingeister, die nicht anders können.

Da fällt mir wieder das mit Monaco ein. Ein Deutscher fragte mich: “Was habt Ihr Türkeistämmigen nur mit Monaco zu tun?” Kurz nachgedacht: “Nichts!” “Doch, doch, das Wort höre ich bei der Arbeit mehrmals am Tag, das sagen fast alle türkischen Männer.” In dem Moment kommen zwei Türken an uns vorbei und da fällt das Wort wieder. Der Deutsche sagt: “Hast du gehört, da war es wieder?” Ich fing zu lachen an. Das, was bei ihm als Monaco ankommt, hat noch ein ‘A” davor. “Amonaco!” Nun gut, das schreibt sich im Türkischen ein klein wenig anders, aber bedeutet “Ich f.ck dich!” Dabei muss es aber nicht nur um Menschen gehen. Es kann nämlich auch heißen: “Amonaco, Fenerbahce hat wieder nicht gewonnen!” oder “Amonaco, ist das Gebäude groß!” Das Wort ist ein Lückenfüller. Den fehlenden Wortschatz ergänzt man damit, verleit der Aussage zusätzlich an Gewicht und am Ende hört es sich so an, als ob man in ganzen Sätzen sprechen würde. Wenn der Prinz Albert von Monaco wüsste, wie wichtig sein Monaco für die Türken ist.

Mein Vater kannte einen einzigen Fluch, nämlich ‘Esel’. Darüber gibt es auch eine schöne Anekdote. Der mehrmalige Ministerpräsident der Türkei, Süleyman Demirel war ein Schüler meiner Großeltern (Physik und Mathematik). Als er an der Macht war, übertrug er meinem Vater viele tragende Aufgaben. Eines Tages sagte jemand zu ihm, dass mein Vater sich über ihn sehr aufgeregt und geflucht hätte. Demirel sagte daraufhin: “Kommen Sie mir mit der Wahrheit, er kann doch gar nicht Fluchen, wenn überhaupt, sagt er ‘Esel’ und wenn er sich richtig aufregt, sagt er wahrscheinlich zweimal ‘Esel’.” Übrigens, die Geschichte wie es ablief, erzählte mein Vater so. Als Demirel wieder mal Ministerpräsident war, sagte zu meinem Vater, er solle 69 Zementwerke projektieren. Jedes der damals 69 Städte der Türkei sollte ein Zementwerk bekommen. Das sollte ein Wahlversprechen von ihm an das Volk werden. Mein Vater war eine ehrliche Haut. Er hatte gerade seinen ersten Tag an der Spitze der türkischen Zementindustrie, damals alles Staatsbetriebe, als er Demirel sagte, dass das nicht ginge. Alle Betriebe würden Verlust machen. Zementwerke müssten an den Orten sein, wo die Bautätigkeit entsprechend groß wäre. Demirel wusste das auch, denn er war Bauingenieur vom Beruf. Demirel rückte von seinem Standpunkt genauso wenig ab, wie mein Vater. Um meinen Vater zu beschwichtigen sagte er, dass er nur projektieren solle, er hätte sowieso nicht vor, diese zu bauen. Mein Vater sagte, das wäre Täuschung. Das Ende vom Lied war, mein Vater ging am zweiten Tag seiner Tätigkeit von sich aus. Sonst wäre er entlassen worden. Demirel war zum Politiker geboren. Er hatte sein Hobby zum Beruf gemacht, sagte mein Großvater. Demirel hielt aber weiter an meinem Vater fest. Er brachte ihn an die Spitze der türk. Petrochemieindustrie. Dort blieb mein Vater auch nicht sehr lange. Wieder wurde von ihm etwas verlangt, was er als Betrug am Volk sah. Ein DNA Test ist unnötig. Seine Gene leben in mir weiter.

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